Cheops lässt zur Unterhaltung Dedi kommen, einen Wahrsager der weithin berühmt ist, da er nicht nur Menschen und Tieren seinen Willen aufzwingen, sondern auch trefflich in die Zukunft sehen kann. Nachdem der alte Mann seine Fähigkeit an dem Heerführer unter Beweis gestellt hat, möchte Cheops, dass er ihm sagt, welcher seiner Söhne ihm auf dem Horusthron nachfolgen wird. Nach einem Augenblick wird Dedi jedoch kreideweiß und muss eine unliebsame Botschaft an den Mann bringen. Keiner der Söhne des Pharaos wird nach ihm herrschen, der Sohn des Hohenpriesters aus dem Tempel des Re, welcher just in diesem Moment geboren wurde, wird der neue Pharao. Doch Cheops denkt nicht daran das so einfach zuzulassen und macht sich auf den Weg zum Tempel des Re...
Als Historischen Roman kann man dieses Buch von Nagib Machfus ziemlich vergessen. Er schreibt es zwar in Anlehnung zu einer Geschichte aus dem Papyrus Westcar und hat somit durchaus einen historischen Bezug, jedoch beruht der nicht auf historischen Tatsachen, sondern auch nur auf einer überlieferten Geschichte, die Herr Machfus gut ausschmückt und recht philosophisch ge- und beschrieben hat. Jedoch hat er sich nicht die Mühe gemacht, das damalige Zeitbild genauer zu recherchieren, so reiten und fahren die Leute hier fleißig durch die Gegend, obwohl es damals noch lange keine Pferde in Ägypten gab und auch die tatsächlichen familiären Verhältnisse von Cheops, die ja zumindest zum Teil überliefert sind, übergeht er hier auch häufiger.
In Hinsicht auf die Authentizität hätte ich von dem einzigen arabischen Nobelpreisträger tatsächlich wesentlich mehr erwartet, doch das Nachwort von Raymond Stock klärte mich dann endlich auf, dass es bei diesem Roman weitaus weniger um Authentizität ging, als um die philosophischen Betrachtungen und den Bezug zur aktuellen arabischen Kultur von 1939. Dies erfolgte hübsch verpackt in diesem Roman über Cheops, da man damals keine zeitgenössische, kritische Literatur schreiben durfte.
Das lässt diesen Roman dann doch noch in einem ganz anderen Licht erscheinen, nur kenne ich mich in der Geschichte von Ägypten um 1939 leider nicht aus und daran änderte die kurze Biografie des Autors am Ende des Buches auch nicht mehr genug. Parallelen die da sein mögen, kann ich natürlich so nicht finden.
Somit kann ich nur sagen, dass ich das Buch aufgrund einiger guter philosophischer Betrachtungen ganz reizvoll fand aber im Ganzen da ich einen echten historischen Roman erwartete nicht überzeugt war. Eigentlich hätte ich nur 3 Sterne vergeben, aber da meine Betrachtungsweise für diesen Roman schon grundsätzlich verkehrt war, gebe ich 4 Sterne, in der Hoffnung, dass es wirklich gute Parallelen zu der Zeit um 1939 enthielt. Ich gehe einfach mal davon aus, dass jemand, der sich wirklich für Ägypten am Anfang des letzten Jahrhunderts interessiert, weit mehr von dem Buch halten wird als ich.