Gerhard Nagel - CHEFS AM LIMIT
5 Coaching - Wege aus Burnout und Jobkrisen
In seinem wie ein Tagebuch angelegtes Dossier beschreibt Gerd Nagel 5 Coaching-Situationen anhand unterschiedlicher fiktiver Fälle, in denen er als 'fiktiver Business-Coach' auf 5 schillernde Manager Typen trifft. Sie kommen aus diversen Kontexten - nur eines verbindet sie: Sie befinden sich beruflich wie privat AM LIMIT.
Der Leser begegnet
- Dem gefühlskalten Macher in der Führungskrise
- Dem Start-Up Manager in der Sinnkrise
- Der mittleren Führungskraft in der Zerreißprobe
- Dem Senior-Unternehmer in der Nachfolge-Krise und
- Der Frau im Mutter/Management-Dilemma
Zu jedem Typus sind mir beim Lesen sofort Personen aus meinem beruflichen und privaten Umfeld eingefallen, denen dieses Buch sehr hilfreich bei der Selbstreflexion sein könnte - geht der Autor doch dezidiert auf mögliche Interventionen ein, die so oder ähnlich aus den verschiedenen Dilemmata herausführen könnten. An vielen Stellen erkennt man den zugrundeliegenden systemischen Ansatz der ganzheitlichen Sichtweise, bei der es kein reines Business-Coaching geben kann, sondern 'immer der gesamte Mensch mit seiner gesamten Situation im Fokus steht.'
Da es im Management überwiegend um schnelle Problemlösungen geht, wird oft nur an den Stellschrauben der Symptome gedreht. Auf den Grund der Probleme und damit auf ihre Ursachen wird nicht geschaut. Dabei fühlt sich die Führungskraft oft im eigenen System gefangen und kann die Komplexität der Vorgänge nicht mehr durchschauen. Deshalb kann im Coaching der Blick von außen helfen, um die größeren Zusammenhänge sichtbar zu machen und zu Lösungen führen, die sich nachhaltig für alle Betroffenen umsetzen lassen.
Nach der Fallschilderung bietet Gerhard Nagel im zweiten Teil des Buches einen Ausflug in die Transaktionsanalyse und das NLP an, aus dessen Fundus viele beschriebene Interventionen stammen.
Allerdings halte ich es für etwas fragwürdig, diesen Ansatz auch im 'Leitfaden zum Selbstcoaching' für Menschen im Burn-Out ohne weitere Unterstützung anzubieten. Auch fehlt mir die Beschäftigung mit dem Wesen des 'Burn-Out', den der Autor mit extremem Stress gleichsetzt.
Äußerst unpassend und in diesem Kontext überflüssig sind die abschließenden Fragen nach jedem Fall, die eher an eine Telenovela erinnern als an eine professionelle Fragehaltung.
Auch wenn der 'fiktive Coach' seine Klienten sehr auf ein bestimmtes Ziel hin pusht und die Grenze zwischen Therapie und Coaching luzid ist, empfehle ich die Lektüre allen 'Betroffenen', die den Winter als Jahreszeit der Besinnung und Selbstreflexion nutzen möchten. Ansatzpunkte zum Weiterdenken und zum Überprüfen eigener Haltungen und Parameter bietet dieses Buch zur Genüge.
Hans J Hinken
Chefs am Limit: 5 Coaching-Wege aus Burnout und Jobkrisen