Man ist ja daran gewöhnt, dass die großen Musikimpulse aus Nordamerika oder aus England kommen.
Umso erstaunter reibt man sich die Ohren, wenn eine gar nicht magersüchtige Miss Platnum die ersten Töne Ihres Albums "Chefa" anstimmt. So international und gleichzeitig eigenständig klang lange nichts mehr aus hiesigen Landen.
Natürlich könnte man ihr vorwerfen, sie kopiert amerikanische R&B- und HipHop-strukturen. Fette Beats, pumpende Bässe, schneidende Synthies erinnern zunächst an die Standards von Timbaland, Pharell oder Missy Elliott. Doch bevor dieser Gedanke zu seinem Ende kommt zieht Miss Platnum ihren größten Trumpf aus dem Ärmel, ihre rumänischen Wurzeln, und lädt die Songs mit einem verdrehten Folklore-Touch auf.
Plötzlich bekommt "Butter" einen fast orientalischen Ton, und "Come Marry Me" wird lustvoll mit schrägen Trompetensamples und augenzwinkerndem Machorap gespickt.
Dann entsteht im todernsten, auf Charts und Vermarktung gebürsteten Musikbusiness plötzlich eine ungewöhnliche und humorvolle Leichtigkeit, die von Miss Platnums traurigem osteuropäischen Akzent gekrönt wird.
Höhepunkt auf einem Album voller Höhepunkte sind das verschleppte "Life" mit seinen schwermütigen Chören, dass ein wenig an Amy Winehouse erinnert, und dass hochexplosive "Chefa", dass sich mit Geigensample ins Ohr beisst wie dieses Jahr sonst nur "Sexy Back".
So wagemutig und ungebremst kann vermutlich nur ein Debütalbum gelingen, trotzdem bleibt ihr zu wünschen, dass ihr Rezept aus amerikanischer Stromlinie und europäischer Schwermut noch viele Alben wie dieses hervorbringt.