Das dieser Nicholson Baker ein famoser Autor ist, der - egal ob in Miniaturen oder in Romanen - sowohl die Kunst der sorgfältigen Wortsetzung als auch die untrügliche Beobachtung all der Winzigkeiten des Alltages beherrscht, haben schon viele Leser allüberall in der Welt erfahren dürfen. Und das dieser Mann auch ein politisches Gewissen hat, kann jeder im gerade erschienenen neuen Buch von Nicholson Baker „Checkpoint" nachlesen, dass der Rowohlt Verlag ganz schnell hat übersetzen lassen und das damit (fast) zeitgleich überm großen Teich ebenso erschienen ist wie hierzulande. Baker rechnet in dem als Dialog gehaltenen (und damit auch für die kleine Bühne geeigneten) Text schonungslos mit den Herren Bush, Cheney, Rumsfeld & Co. ab und macht plausibel, warum die Welt nicht gerade mit Hochachtung auf den Irak-Feldzug des amerikanischen Präsidenten blickt und warum eigentlich kaum ein Amerikaner dieses Gespann wieder wählen dürfte. Zornig leiht Nicholson Baker seinen beiden Protagonisten (denen sich lediglich einmal eine dritte handelnde Person, ein Zimmermädchen, hinzugesellt) seine Stimme und arbeitet klar und deutlich heraus, dass Bush nur Marionette industrieller Interessen ist und es mit der Integrität von Cheney und Rumsfeld nicht gerade weit her ist. Die beiden Männer philosophieren in der Einsamkeit eines Washingtoner Hotelzimmers über den Tod von Bush: der eine möchte den Präsidenten ermorden, was der andere nicht so gut findet, schließlich muß man ja nicht künstlich Märtyrer erschaffen. Vergleichbar mit Philip Roths Abrechnung zu Nixons Watergate „Unsere Gang" wird auch Bakers Buch einen Platz in der amerikanischen Literatur erlangen, der jenseits von der Tagesaktualität bleiben wird als notwendige politische Stellungnahme im literarischen Gewand.