Das ist der Schlachtruf der Revolution auf Kuba. Steven Soderbergh hat versucht, Licht ins Leben von Ernesto Che Guevara zu bringen. Keine einfache Aufgabe, aber eine, die geradezu nach einem Film verlangte. Dabei hat Soderbergh Che's Leben in zwei Teile aufgeteilt. In Teil 1(Revolution) verfolgen wir Che's Anfänge bis zum Sieg der Revolution auf Kuba. Teil 2(Guerilla) bringt uns Che in Bolivien nahe. Bei einem, in der heutigen Zeit, leider immer mehr verklärten Blick der Medien und Menschen auf Che Guevara muss Soderbergh sich der Gefahr bewußt gewesen sein, der "Mythisierung" des Ernesto Guevara blind zu folgen. Erlegen ist er ihr nicht. Als Grundlage für seinen Film nutzte er Che Guevaras eigene Aufzeichnungen.
1956 fährt ein Boot mit 82 Menschen, darunter Fidel Castro(Demian Bichir) und Che Guevara(Benicio Del Toro) von Mexico nach Kuba. Die beiden Führer der kommenden Revolution bauen den Widerstand auf und treffen in den Köpfen der Kubaner auf fruchtbaren Boden. Das Batista Regime ist zutiefst verhasst und so kann die Rebellenarmee nach und nach Teile des Landes einnehmen. Der vom Asthma geplagte Che wird dabei zur Symbolfigur des Freiheitskämpfers. Egal, ob mit der Waffe in der Hand, oder als Arzt, der den Verwundeten hilft, Che wird zum Helden. Es dauert nicht lange, bis die Rebellenarmee vor Havanna steht und sich das Schicksal Kubas entscheidet.
In Teil 1 arbeitet Soderbergh mit Rückblenden, die immer wieder von einem Interview aus dem Jahr 1964 zurückspringen. Mit eingearbeiteten schwarz-weiß Dokumentarbildern, verhaspelt er sich jedoch ein wenig. Beim Zuschauer wird manchmal der Eindruck erweckt, es handele sich um authentische Bilder. Das ist jedoch nicht immer der Fall. Soderbergh lässt Fidel Castro fast völlig außen vor, konzentriert sich voll und ganz auf Che. In Schnappschüssen des Rebellenlebens gelingen Soderbergh die besten Minuten des Films. Das sind wirklich großartige Bilder. Die stark marxistisch-leninistisch angehauchten Dialoge sind dabei nicht unbedingt gelungen.
Teil 2 startet im März 1965. Che verschwindet aus Kuba und Fidel Castro erklärt dem Volk, dass Che anderen Menschen auf der Welt bei ihrer Revolution helfen will. Unerkannt gelangt Che nach Bolivien. Aber dort läuft alles anders als in Kuba. Vom ersten Tag an gibt es große Probleme. Das bolivianische Volk steht nicht hinter den Rebellen, versteht oftmals ihre Ideen nicht. Trotz all dieser Widrigkeiten und einem Kampf, der vom ersten Tag an zum Scheitern verurteilt ist, hält Che unabrückbar an seinen Plänen fest. Seine kleine Truppe wird nach und nach immer mehr dezimiert. Die bolivianische Armee erhält Unterstützung von amerikanischen Ausbildern. Nach 340 Tagen ist das Revolutionsabenteuer vorbei. Che's Rebellenarmee wird zerschlagen und er selbst festgenommen. Einen Tag später wird er in La Higuera erschossen.
Soderberghs Film wirkt in Teil 2 manchmal sprunghaft. Gefallen hat mir die Einteilung des Bolivienaufenthalts in Tagen. Der stumme Beginn der ersten Filmminuten ist bedrückend. Die Kameraführung in Teil 2 ist experimentell und, meiner Ansicht nach, gnadenlos gut.
-Che- wird vor allem aber durch Benicio Del Toro getragen. Der Mann wirkt wie eine 1zu1 Kopie Guevaras. Jede Bewegung Del Toros lässt den toten Revolutionär auf der Leinwand wieder auferstehen. Die Nebenrollen, z.B. Franka Potente als Tania, sind ebenfalls gut besetzt.
-Che- ist ganz sicher kein Unterhaltungsfilm für Actionfans. Ein wenig politisch interessiert sollte man schon sein. Der Untertitel des Films trifft den Nagel auf den Kopf: "Jeder kennt sein Gesicht, aber niemand seine Geschichte." Das Soderbergh so viel Sachlichkeit bei diesem Thema hat walten lassen, ehrt ihn. Die Versuchung muss groß gewesen sein, ein Märtyrerspektakel auf den Bildschirm zu zaubern. Aber vielleicht hat Soderbergh ja auch eines meiner Lieblingszitate der letzten Jahre(von Frederic Beigbeder) gelesen: "Der größte Revolutionär des 20. Jahrhunderts war nicht Che Guevara, sondern Michael Gorbatschow."
Versuchen sie ihr Glück mit -Che-. Soderbergh ist in jedem Fall ein interessanter Film gelungen und sie werden nach vier Stunden Spielzeit in keinem Fall weniger wissen als zuvor.