Während Reynolds Debüt „Revelation Space" noch eher in das Subgenre der klassischen (aber hervorragend erzählten) Space Opera einzuordnen war, tendiert „Chasm City" mit seinen Verwirrspielen um die Identität und Vergangenheit seines Protagonisten und Ich-Erzählers eher in die Richtung der Werke von Philip K. Dick oder der vertrackteren Iain M. Banks Romanen (insb. „Use of Weapon"), wobei das Setting starke Parallelen zu der urbanen Fantasywelt von China Mievilles „Perdido Street Station" aufweist. Obwohl das Buch im gleichen Universum wie auch schon „Revelation Space" spielt und Reynolds sich zu dem ein oder anderen Querverweis hinreißen läßt (die Kenntnis von „Revelation Space" ist für das Verständnis zwar nicht unbedingt notwendig, aber vorteilhaft), unterscheiden sich die beiden Romane doch ganz eindeutig voneinander. In „Chasm City" tauscht der Autor die epischen Dimensionen seines Debüts zu Gunsten einer sehr schnell erzählten Verfolgungsjagd ein, deren tatsächliche Handlung nur ein paar Tage umspannt. Die Tatsache, daß der Roman trotzdem über 500 Din-A-4 Seiten lang ist, läßt auf einen gewissen Grad an Komplexität schließen und tatsächlich liefert der Autor nach einem etwas gemächlichen Aufbau eine Storywendung nach der anderen ab. Die sind zwar nicht immer absolut logisch, machen aber jede Menge Spaß, zumal die Twists auch nicht unvermittelt als „deus ex machina" Effekte eintreten, sondern für den Leser durch das gezielte Streuen von Informationen stets nachvollziehbar bleiben. „Chasm City" reicht zwar nicht ganz an das gigantische Debüt heran und unglücklicherweise hat sich auch so manche sprachliche Unfeinheit eingeschlichen, nichtsdestotrotz beweist Reynolds mit seinem zweiten Roman, daß er bald sicherlich zu einem der ganz großen der Szene gehören wird.