An Künstlerinnen wie Mariah Carey lässt sich die Krise der Popbranche gut analysieren. Aufgestiegen zum Megastar, kassierte sie Fantasiegagen, ihre CD-Produktionen (natürlich auf Weltniveau!) verschlangen immer mehr Summen, verkauften indes immer weniger (der Jacko-Effekt), und mit Werbemillionen versuchte man, den Abstieg zu stoppen. Geld, das hunderte Talente nach oben hätte bringen können - und das doch vergebens war, denn Carey kackte ab. Ihr Label zahlte schließlich Millionen, damit sie ging, eine neue Firma zahlte Millionen, damit sie kam. Wer wundert sich eigentlich noch über hohe CD-Preise, die wahre Ursache der Brennerei ... ? Jetzt also "Charmbracelet", eine erstaunlich schlanke Platte auf Keyboard-Basis, die es wagt, mit einer statischen Ballade Careys neuen Karriereabschnitt einzuleiten. Die Booklet-Bilder sind schrecklich billig; sie macht auf Lolita, die verrucht wirken will und doch nur wie ein Provinzflittchen wirkt. Und gesanglich packt sie hundert Hhmmms und Uhuuhuus zuviel in die spiegelblanken Songs. Doch wie sie - manchmal mit dem HipHop kokettierend - die Ruhe auslotet, ohne zu oft in Kreischballaden zu verfallen und darüber bisweilen sogar Intimität gewinnt ("Clown"): Das hat seinen Reiz. Es hätte, ehrlich gesagt, schlimmer kommen können. (mw)
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