Kurzbeschreibung
Inhalt
Dieses Kinderbuch erzählt von dem sechsjährigen Karli, der eines Tages eine unglaubliche Begegnung mit einer Mülltonne hat. Schon nach kurzer Zeit erfährt er, dass die Tonne Charlotte über Fähigkeiten verfügt, die ihn immer wieder in Erstaunen versetzen. Sie kann beispielsweise sprechen wie ein Mensch und sie kann sogar fliegen! Natürlich will Karli einmal mitfliegen, doch ihr erster gemeinsamer Flug endet mit einer Bruchlandung in einem nahegelegenen Weiher.
Karli gelingt es, seine Freundschaft mit Charlotte geheim zu halten. Bevor die beiden jedoch zu einem weiteren Flug starten können, treibt Karli mit Hilfe von Charlotte noch einigen Unfug. Dabei findet er in seinem Großvater einen treuherzigen und nachsichtigen Vertrauten, der im Laufe der Geschichte als einziger hinter Karlis Geheimnis kommt.
Der Autor über sein Buch
Mit meinem Kinderbuch Charlotte - eine fast unglaubliche Geschichte habe ich versucht, mit Witz und Spannung einen Lausbuben ins Leben zu rufen, mit vielen Ideen und allerlei Unsinn im Kopf, einen Jungen, mit dem sich Gleichaltrige in alltäglichen Situationen identifizieren können. Allerdings bleibt die Geschichte nicht beim Alltäglichen, denn Karli trifft auf Charlotte und danach passieren immer wieder fast unglaubliche Dinge.
Ich wünsche mir, dass es Karli und Charlotte gelingt, die Neugier vieler Kinder zu wecken, um mit ihnen in die Welt der Fantasie vorzudringen. Eddi Kirschbaum
Über den Autor
E.Kirschbaum
Auszug aus Charlotte - Eine fast unglaubliche Geschichte. von Eddi Kirschbaum. Copyright © 2000. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Hilfe!"
Als Frau Strohmaier so laut aus dem Fenster schreit, passiert bei Charlotte, was kommen muss:
Sie erschrickt wieder einmal furchtbar!
Auch Karli ist erschrocken, aber dann fällt ihm blitzschnell ein, was damals über dem Weiher passiert ist, und mit der linken Hand hält er schnell den Besen fest und mit der rechten Charlottes Deckel.
Charlotte hat vor Schreck ganz das Fliegen vergessen. Sie dreht sich zweimal um die eigene Achse und fällt steil nach unten wie ein Stein.
"Charlotte, pass auf!"
Karli bekommt es jetzt mächtig mit der Angst zu tun. Doch auf einmal geht ein kräftiger Ruck durch die ganze Tonne und Charlotte flitzt wie ein Düsenjäger wieder aufwärts, aus Simelau hinaus. Hinter sich hört Karli noch mehr Schreie und er merkt jetzt, dass ihm ein starker Fahrtwind um die Ohren pfeift. Doch Karli hat sich von seinem Schrecken schnell erholt und stellt nun fest, dass es großen Spaß macht, mit so einem Höllentempo durch die Luft zu sausen. Er hat bisher auch noch nicht gewusst, dass seine Freundin so schnell fliegen kann.
"Bloß weg hier!", keucht Charlotte, "Ich habe ja solche Angst bekommen", und sie fliegt immer noch schneller.
Karli hört sie schon fast nicht mehr, weil der Fahrtwind immer lauter wird. Da fällt ihm seine Seifenblasendose ein. Er schraubt den Deckel mit dem Ring ab, durch den man sonst immer blasen muss, und hält ihn einfach aus der Tonne.
"Wahnsinn, hast du das gesehen?", schreit er Charlotte zu, aber die hört ihn nicht mehr.
In nur drei Sekunden hat der Wind eine lange Kette von Seifenblasen erzeugt, die wie kleine Ballons langsam zur Erde schaukeln. Karli taucht den Ring wieder ein und nochmal und nochmal, bis die ganze Dose leer ist.
Charlotte geht jetzt in eine scharfe Rechtskurve und Karli wäre dabei fast seine Seifenblasendose aus der Hand gefallen. Er ist sehr erstaunt, als er zurückschaut und die vielen Seifenblasen entdeckt, die im Licht der Sonne abwechselnd blitzen und farbig schimmern.
"Wir fliegen jetzt von der anderen Seite nach Hause", erklärt ihm Charlotte, "da hat uns noch niemand gesehen."
Sie geht immer tiefer, aber langsamer wird sie nicht!
"Wenn das nur gut geht", denkt Karli.
Schon taucht Mayerhofers Eiche vor ihnen auf und Charlotte hält mit atemberaubendem Tempo genau auf sie zu.
"Pass auf, langsamer, langsamer!", schreit Karli und - haarscharf fegt Charlotte an der Eiche vorbei.
Doch dann kracht es laut - etwas Kräftiges schlägt an die Tonne und Karli drückt ganz fest beide Augen zu. Noch ein gewaltiger Schlag, Karli bekommt einen kräftigen Hieb aufs linke Ohr und wird aus der Tonne geschleudert. Er schlägt einen dreifachen Purzelbaum und plötzlich ist um ihn herum alles still.
Vorsichtig öffnet er die Augen und sieht überall Gras. Seine Hose ist an den Knien völlig grünbraun verschmiert, sein Gesicht hat einige Kratzer abbekommen, und seine Hände sind ein bisschen aufgeschürft.
"Uiuiui, Was ist passiert?", fragt er ungläubig und drückt die Hand auf sein Ohr, weil es ganz heiß geworden ist und ganz schön wehtut.
Er schaut zum Gartenzaun und sieht die Bescherung:
Zwei Bretter aus Mayerhofers Zaun fehlen, auf dem Rasen sind überall Brettstücke und Holzsplitter verstreut und direkt neben Karli liegt ein abgerissenes Hinterrad.
"Wie geht es dir, Charlotte?", fragt Karli und hilft ihr wieder auf die Räder, genauer gesagt, auf das übriggebliebene Hinterrad.
"Das war wohl keine gute Landung", stöhnt Charlotte, "alles drückt, und ich glaube, dass ich einige Beulen abbekommen habe. Ich habe auch das Gefühl, dass ich nicht mehr gut stehen kann."
"Oh weh, Charlotte! Du hast den Zaun zerfetzt, warum hast du nicht gebremst?"
"Irgendwie ging's nicht mehr, ich war auch ganz durcheinander."
Jetzt hören die beiden lautes "Tatütata", gleich von mehreren Fahrzeugen. Karli schiebt Charlotte schnell hinter die Garage.
"Ich geh' erst mal zu Opa, dann komme ich später wieder."
Es kommen noch mehr "Tatütatas" dazu. Auch laute Stimmen ertönen von der Straße und Karli kann sogar einige laut geschriene Wörter verstehen:
"Ufo!", "Gefährlich!", "Angriff!", und dann auch "Gurken!"
Karli will gerade die Haustüre aufmachen, da kommt der Opa heraus:
"Was ist denn hier los?", will er wissen, "du bist auch schon auf den Beinen, Karli? Wie siehst du denn aus? Weißt du, warum da so viele Polizeifahrzeuge vorgefahren sind?"
Karli hat natürlich keine Ahnung. Beide gehen nun auf die Straße und schauen, was los ist. Viele Leute stehen vor den Häusern, reden aufgeregt miteinander und fuchteln wild mit ihren Armen herum. Auch Polizisten und Feuerwehrleute sind dabei, und alle schauen in den Himmel und auf die umliegenden Dächer. Immer wieder hört man das Wort "Ufo".
Da kommt die kleine Monika Strohmaier den beiden entgegen:
"Heute morgen war ein großer Zauberdrache bei uns. Ich hab' ihn genau gesehen."
Um zu zeigen, wie wichtig das alles ist, was sie weiß, hebt sie nun den Zeigefinger hoch wie eine Lehrerin.
"Er war riesengroß und gefährlich, meine Mami hat sogar "Hilfe!" geschrien. Erst ist er einmal um unser Haus geflogen, und dann hat er - plumps - eine Zauberkugel in unseren Schornstein geworfen und deshalb sind jetzt viele grüne Zaubergurken auf unserem Dach. Morgen kommt er ganz bestimmt wieder und zaubert große Schokoladentafeln in unseren Garten."
Monika lacht freundlich und hüpft auf einem Bein an Karli und seinem Großvater vorbei.
Jeder weiß, dass das nicht sein kann, aber niemand hat eine bessere Erklärung für die seltsamen Vorgänge dieses Morgens.