[[[Diese Rezension bezieht sich auf den UK-Import dieser Serie, NICHT auf die Deutsche Ausgabe von KSM, die am 13.9.2010 erscheinen wird. Dafür, dass amaz** die Rezensionen zu verschiedenen DVD-Ausgaben miteinander verlinkt kann der Rezensent nichts. ]]]
Mein Period-Drama Highlight 2009 war eindeutig diese BBC-Mini-Serie nach dem gleichnamigen Charles Dickens-Roman: "Little Dorrit".
Dickens Geschichte wurde in jeder Hinsicht bemerkenswert umgesetzt. Ein Fest für alle Sinne. Erwähnenswert nicht nur die herrlichen Kulissen, Schauplätze und Kostüme, sondern auch die bemerkenswert guten Schauspieler. Von der warmherzigen bewegenden und unbedingt spannenden Geschichte nicht zu reden.
Als Arthur Clennam (Mathew Macfadyen) von einem langen Auslandsaufenthalt nach London zurückkehrt hat er eine traurige Aufgabe zu erfüllen. Er muss seiner Mutter (Judy Parfitt) vom Tod ihres Mannes, seines Vaters, berichten... Doch im Haus seiner an den Rollstuhl gefesselten gefühlskalten Mutter herrscht ein duster-strengens Regime. Furcht einflößend ist da nicht nur die gefühlskalte alte Dame selbst, sondern auch ihr kauziger zwielichtiger Butler Jeremiah Flintwinch (Alun Armstrong).
Arthurs Augenmerk im Haus seiner Mutter fällt auf Amy Dorrit, genannt "Little Dorrit" (Claire Foy), die jüngste Tochter von William Dorrit (Tom Courtenay) die als Näherin im Clennam-Haus arbeitet. Er fängt an Erkundungen über die junge Dame einzuholen, folgt ihr - und landet im Marshalsea Schuldengefängnis, wo sie mit ihrem Vater und ihren Geschwistern - so diese nicht gerade zwielichtigen Dingen nachgehen - lebt.
Mit dem Besuch im Schuldengefängnis bei William Dorrit, einem offenbar ehemals angesehenem alten Herrn in der Gesellschaft Londons, taucht Arthur in eine ihm bislang fremde Welt ein. William Dorrit ist ein gebrochener müder alter Mann, der sein Schicksal tapfer erträgt - seinen Stolz jedoch nicht verloren hat.
Arthur setzt alles dran den Dorrits zu helfen, scheitert jedoch an einer sich Selbstverwaltenden unnützen Behörde, dem "Circumlocation Office". (Ein nachgerade genialer Seitenhieb, den Dickens der sich selbst verwaltenden englischen Bürokratie jener Zeit widmet.) Ein scheinbar schmieriger Geldeintreiber namens Pancks (Eddie Marsan) vermag ihm und schließlich den Dorrits jedoch zu helfen.
Gleichzeitig wird offenbar, dass Arthurs Mutter ein dusteres Geheimnis zu hüten versucht. Leider erfolglos, denn eine Menge geheimnisvolle Dokumente die Flintwinch für Mrs Clennam vernichten sollte --- gerät über Umwege in die Hände eines mysteriösen, geradezu Furcht einflößenden entflohenem Häftling aus Frankreich: Rigaud (Andy Serkins). Ein Mörder!
Während die Dorrits schließlich rehabilitiert werden und auf Bildungsreise (Venedig. Oh welch herrliche Kulisse!) gehen, nimmt Arthur Clennams Schicksal eine dramatische Wendung. Die junge Dame in die er verliebt ist, heiratet einen anderen und Spekulationsgeschäfte bescheren ihm genau das Schicksal aus dem er die Dorrits befreit hat...
Beinah ehrfürchtig gebannt sitze man Folge für Folge vor dem Fernseher. Eine Soap Opera allererster Güte. Liebe, niemals schmalzig, Mord, Neid, Missgunst, ruinöse Spekulationsgeschäfte, zwielichtige Gestalten, farbenfrohe Einfältlinge, Halsabschneider allererster Güte, die sich zum Wohltäter wandeln - und dann das dustere Geheimnis um Arthur Clennam und "Little Dorrit". - Wie mag das wohl enden?
Die 14-teilige TV-Serie gibt es bislang nur als UK-Import (englische Sprache, MIT einblendbaren engl. Untertiteln) doch die Anschaffung lohnt. 452 Minuten Laufzeit und eine nette Auswahl an "Special Features" wo Hauptdarsteller, Kostümbildner, Drehbuchautoren (!) und Produzenten zu Wort kommen und ihre Passion für diese Mini-Serie offenbaren. - Ein richtig gelungener runder Abschluss, wie ich finde.
Charles Dickens hat "Little Dorrit" im Verlauf von 1855-1857 als Fortsetzungen veröffentlicht - jeweils mit Cliffhangern am Ende jeder Episode - gerade so, wie wir heute vom Fernsehen kennen. Ein grandioses Gesellschaftsdrama, das in dieser Umsetzung seinesgleichen sucht.
5 Sternchen für jeden einzelnen Schauspieler, die Drehbuchautoren, die Kostümbildner, Kulissenbastler, den Regisseur - ach, herrliche Kurzweil bei der man in eine Dickens-Welt abtaucht die man sich schöner nicht zurecht lesen hätte können.
Eine vollumfängliche Empfehlung übrigens auch für Leute denen es bei P&P oder North & South einen Tick zu romantisch zugeht. Das ist bei "Little Dorrit" eindeutig nicht der Fall.