Drei der besten Darwin-Kenner im angelsächsischen Sprachraum haben sich daran gemacht, von Charles Darwin kurz und bündig das zu erzählen und zu berichten, was zu wissen notwendig ist. Und dieses Unterfangen ist ihnen rundum gelungen. Denn:
1. Das Buch hält sein Versprechen. Es stellt wirklich Wesentliches wirklich prägnant dar, und das ausgesprochen gut lesbar. Allenfalls im Schlusskapitel gerät das eine oder andere etwas zu kurz und bleibt damit ohne entsprechendes Vorwissen unverständlich.
2. Dabei vermittelt das Autorenteam auf engstem Raum kenntnisreich und sachkundig überraschend viel Wissen auf aktuellstem Stand.
3. Von Kindheit, Jugend und Ausbildung (Kapitel 1) bis zu Darwins Vermächtnis inklusive der Darstellung neuester Literatur (Kapitel 8) wird ein stringent historischer Faden geschlagen. Entwicklungslinien und Theoriefindungsprozesse werden deutlich. Darwins wissenschaftliche Leistung nicht nur als Zoologe, sondern auch als Botaniker und Geologe, wird präzise herausgearbeitet und gewürdigt. Historische Irrtümer über Darwin werden klargestellt.
4. Den Zeitumständen Darwins, den kulturellen Einflüssen und der Vernetzung mit der Arbeit anderer Wissenschaftler wird breiter Raum gewährt, so dass das häufige Vorurteil des "einsamen Genies" ausgeräumt wird.
5. Der Ansatz bleibt also dankenswerterweise sachlich, stark historisch und wissenschaftshistorisch orientiert. Vehement abgelehnt wird die Gegenposition einer weihevollen Verklärung Darwins zu einer quasi religiös verehrten Wissenschaftsikone (Zitat): "Trotz der Bemühungen von Stephen Jay Gould, dem Ende des 20. Jahrhunderts bekanntesten und am stärksten historisch orientierten darwinschen Wissenschaftler, nahm die Verbundenheit der Biologen gegenüber Darwins Theorien fast schon theologischen Charakter an. Die natürliche Selektion wurde für sie zu einer verhinderten Gottheit, einem 'blinden Uhrmacher', der einen 'Gestaltungsraum' mit fantastischen Anpassungen erfüllt."
6. Daher wird die weltanschauliche Vereinnahmung von Darwin, die ja leider bis heute anhält, ohne dass sich der arme Darwin noch dagegen wehren könnte, ebenfalls dezidiert zurückgewiesen, denn (Zitat): "Darwin missbilligte Sozialisten, Ultraradikale und Neo-Malthusianer (die sich für die Geburtenkontrolle einsetzten) nicht weniger als Atheisten, Spiritualisten und Bischöfe."
7. Auch wird, im Sinne Darwins, die (oft ideologische) Überdehnung der Evolutionstheorie kritisch hinterfragt, die als naturwissenschaftliche Theorie für bestimmte naturwissenschaftliche Fragestellungen geniale Lösungen bietet, für andere Bereiche aber eben nicht.
8. Ein guter Index und wenige, aber aussagekräftige Bilder runden das Buch ab. Allein das uferlose Literaturverzeichnis ist mir zu füllig und zu unübersichtlich.
Ergo:
Das kleine Buch enthält eine wohltuend sachliche und respektvolle Gesamtdarstellung von Leben und Lebenswerk Charles Darwins, die kurz und bündig mehr Wissen vermittelt als manch umfassendere Schrift des Jubiläumsjahres.