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Charakter: Roman von Vater und Sohn
 
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Charakter: Roman von Vater und Sohn [Gebundene Ausgabe]

Ferdinand Bordewijk , Marlene Müller-Haas
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 361 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 1 (23. Juli 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406563724
  • ISBN-13: 978-3406563720
  • Originaltitel: Karakter. Roman van zoon en vader
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 518.323 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ferdinand Bordewijk
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Rotterdam in den 30er Jahren. Der ehrgeizige Jacob Katadreuffe arbeitet sich buchstäblich aus der Gosse bis in die oberste Etage einer Anwaltskanzlei. Doch er hat einen Wider-sacher, der ihn scheinbar erbarmungslos immer wieder zurückwirft: seinen eigenen Vater, den gefürchteten Gerichtsvollzieher Dreverhaven. Will er sich dafür rächen, daß Katadreuffes Mutter ihn einst, nach einer einzigen Nacht, zurückgewiesen und damit freiwillig auf gesicherte Verhältnisse verzichtet hat? Oder ist alles Teil eines Planes des Vaters, der seinen Sohn durch die harte Schule des Lebens schickt, um aus ihm einen gefestigten Charakter zu machen? Kraftvoll und kühl wie Hamsun, spannend und beklemmend wie Kafka, mit dem Ferdinand Bordewijk mehr als nur der Beruf des Juristen verbindet: "Charakter" von 1938 braucht den Vergleich mit den großen Klassikern der Moderne nicht zu scheuen. Als Bildungsroman im brodelnden Rotterdam zwischen den Kriegen ist er das eindringliche Porträt einer untergegangenen Epoche. Als Parabel, in der die Fragen nach der Vereinbarkeit von beruflichem und privatem Glück mit Moral gestellt werden, hat er nichts von seiner Aktualität verloren. Als Psychodrama, dessen Verfilmung 1998 einen Oscar gewann, übt dieses Meisterwerk in neuer deutscher Übersetzung mit seinen mit feiner Ironie gezeichneten Charakteren einen unwiderstehlichen Sog aus.

Über den Autor

Ferdinand Bordewijk wurde 1884 in Amsterdam geboren. Er studierte Rechtswissenschaften, arbeitete als Anwalt und schrieb in seiner Freizeit, zunächst unter dem Pseudonym Ton Ven. Erste literarische Erfolge verzeichnete er 1919 mit einer Sammlung fantastischer Erzählungen. Seinen Rang als einer der wichtigsten Autoren der niederländischen Moderne begründeten jedoch die Novellen und Romane, die er in den 1930er Jahren verfasste. Ferdinand Bordewijk starb 1965 in Den Haag.

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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Dieser in Holland als Klassiker geschätzte, mittlerweile in der 40. (!) Auflage verkaufte Roman von Ferdinand Bordewijk ist aus kaum noch nachvollziehbaren Gründen erst in diesem Jahr von C.H. Beck zum ersten Mal einem deutschsprachigen Publikum präsentiert worden.

Der Roman spielt im Juristenmilieu der holländischen Hafenstadt Rotterdam, in dem sich der Autor, selbst im Hauptberuf Jurist, bestens auskannte. Es ist ein Rotterdam mit Ecken und Straßen und Plätzen, Kneipen und Theatern, das schon kurz nach dem ersten Erscheinen des Buches von den Bombern der deutschen Luftwaffe in Schutt und Asche gelegt wurde. Insofern ist die Lektüre des Buches für viele Generationen holländischer Leser auch eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit einer unverwechselbaren Stadt gewesen.

Der Roman lebt von drei Hauptfiguren, dem Vater, der Mutter und dem Sohn. Alle anderen Personen, so liebevoll und detailliert sie auch geschildert sein mögen, dienen letztlich dazu, diese drei Charaktere in ihrer wie in Stein gehauenen Eindimensionalität zu betonen.
Alle drei Hauptpersonen sind in ihrem eigenen Wesen wie gefangen, sie kommunizieren nicht wirklich miteinander und können aus ihrer fast mythisch anmutenden Wesenheit nicht heraus. Die ganze, sich über einen Zeitraum von etwa sechs Jahren hinziehende Geschichte dieser drei Menschen ist auf eine ganz eigene Weise geschildert. Ein geradezu dramatisches Geschehen wird in einen trockenen Juristenprosa beschrieben, einem geradezu notariell zu nennenden Stil, den Cees Nooteboom in seinem lesenswerten Nachwort als "Kaltnadel" und "kaltes Feuer" bezeichnet.

Der Vater in diesem mythischen Dreieck des gegenseitigen Schweigens ist der hünenhafte Gerichtsvollzieher A.B. Dreverhaven, ein Mann von dämonischer Herzenskälte und Skrupellosigkeit, ebenso machtgierig und geizig und von Generationen von Rotterdamer Bürgern, besonders den Armen unter ihnen, für seine ganz eigene Form des Eintreibens von Außenständen und des Vertreibens von Schuldnern und Mietern berühmt, berüchtigt und gefürchtet.

Dieser Mann zeugt aus einer für ihn typischen Laune heraus mit seinem Dienstmädchen Jacoba Kattadreufe einen Sohn. Die unbeugsame Frau weist seinen Heiratsantrag zurück und nimmt all die Jahre keinen Pfennig von Dreverhaven an. Sie zieht ihren Sohn in großer Armut alleine auf, verdient sich das Nötigste mit sehr phantasievollen Handarbeiten, aus denen die Wiederverkäufer aber einen mehrfach größeren Gewinn herausschlagen. Nach einigen Jahren Grundschule muß sich der junge Jacob Kattadreufe in einer Zeit , in der sich die wirtschaftliche Lage auch in Holland zusehends verschlechtert, alleine durchschlagen. Er nimmt verschiedene Jobs an, und als er das Angebot zum Kauf und zur Übernahme eines Tabakladens bekommt, greift er zu. Das Geschäft wird zum Fiasko. Als er mit seiner Mutter über seinen Konkurs sprechen will, ist ihr einziger Kommentar: "Deine Sache".
Der Kreditgeber, später stellt sich heraus, daß es von Anfang an sein Vater Dreverhaven ist, verfolgt ihn mit eiserne Härte. Sein Sohn Jacob wehrt sich gegen das ihm drohende Schicksal mit einer Verbissenheit, die auch die beiden anderen Hauptpersonen des Romans, die Mutter und den Vater auf eine dem heutigen Leser schwerlich nachvollziehbare und gerade deshalb beeindruckende Weise auszeichnet.

Sein Konkursverwalter bei einer großen Rotterdamer Anwaltskanzlei verschafft ihm eine Stelle in der Kanzlei, nachdem Jacob, als er vor der Kanzlei stand, ein absolut sicheres Gefühl von genau diesem Vorgang hatte. Und mit dieser frappierenden Selbstsicherheit kämpft sich Jacob Kattadreufe hoch. Er übersteht zwei Versuche seines Vaters, ihn in den Konkurs zu zwingen, macht mit einer beispiellosen Willensanstrengung sein Abitur nach und legt mit Billigung der Leidener Professoren in Rekordzeit seine juristischen Examina ab und wird schlussendlich als Partner in die Anwaltskanzlei aufgenommen.

All die Jahre über hat Jacob einen Freund, Jan Maan, einen kommunistischen Arbeiter, der als Kostgänger über viele Jahre bei Jacobs Mutter wohnt und "Mutter" zu ihr sagt. Jacob zeigt sich von der kommunistischen Idee wenig begeistert, ihn interessiert allein sein Erfolg und Fortkommen. Diese innere Festlegung, quasi wie ein Stein in sein ansonsten tapferes Herz gepflanzt, hindert ihn auch, die einzig große Liebe seines Lebens wahrzunehmen. Lorna te George, eine für die Kanzlei fast unersetzliche Kraft, kündigt schließlich ihr Stellung, weil sie die kühle Nähe zu Jacob nicht mehr aushält. Als er ihr Jahre später am Meer mit ihrem mittlerweile geborenen Kind begegnet, kommt nicht einmal Bedauern in sein Herz. Er hatte sich von Anfang an für sich und seine Karriere entschieden.

Bordewijk erzählt seine Vater-Sohn-Geschichte nicht mit den Mitteln des psychologischen Realismus. Einfühlung ist kaum möglich. Die Figuren bleiben unergründlich, von mythischer Wucht. Das dämonische Scheusal von Vater, die wortlose, harte Liebe der Mutter, der in seinem Selbstbehauptungswillen ebenso harte Sohn - alles wird so nüchtern-knapp berichtet wie in den Chroniken des Alten Testaments. So rätselhaft die sadistischen Machenschaften des Vaters bleiben - das Versagen des Sohnes gegenüber der junge Lorna aus seiner Kanzlei ist ergreifend und beklemmend. Sie liebt ihn, er liebt sie, beide sind frei - aber er weist sie von sich. Die Mutter hat vollkommen recht, wenn sie trocken kommentiert: " So, dann warst du ein großer Esel, Jacob."

Das Buch handelt nicht wesentlich von einem Charakter oder dem Unterschied von verschiedenen Charakteren, sondern es handelt von der Eigenschaft "Charakter" in seiner ursprünglichen griechischen Bedeutung, wo es so viel heißt wie schneiden, ausschneiden, gravieren.
"Charakter", schreibt Cees Nooteboom in seinem Nachwort, "in diesem Sinne ist das eigentliche Thema des Buches, zwingend und unausweichlich sind Vater, Mutter und Sohn in ihren Charakteren gefangen, unerreichbar füreinander mit Liebe und letzten Endes auch nicht mit Haß."

Bordewijk erzählt von Menschen mit einem solchen Charakter, Menschen, die anderen Menschen und Situationen ihren Stempel aufdrücken, ihr eingeschnittenes Zeichen und doch zugleich armselige und bedauernswerte Gefangene sind ihrer Eigenart. Die Härte, mit der sie sich durchsetzen, beschädigt sie selbst oft am meisten. Ähnlich wie das beschriebene Rotterdam völlig verschwunden ist, scheinen auch Menschentypen wie die im Roman einem heute verschwundenen Menschenschlag anzugehören, mit einem Ethos im Guten wie im Bösen, den es nicht mehr geben kann. Dennoch sind Ansätze und Relikte solcher Eigenschaften, manchmal auch in stark veränderter, der jeweiligen gesellschaftlichen Situation angepaßter Form, auch in der Gegenwart zwischen Menschen und ihren Beziehungen mächtig. Bordewijks beindruckender Roman zwingt den Leser, sich mit dieser Einsicht auseinander zu setzen.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Eindringliche Charakterstudie 22. November 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Ferdinand Bordewijk Charakter C.H. Beck
ISBN 3406563724

Rotterdam in den dreißiger Jahren.
Als Joba Katadreuffe von dem ledigen Dreverhaven, bei dem sie als Dienstmädchen arbeitet, schwanger wird, verlässt sie ihn voller Stolz und Selbstbewusstsein. Dreverhaven ist Gerichtsvollzieher und von strenger und harter Lebensart.
Joba will ihn weder heiraten noch Hilfe von ihm annehmen.

Sie schlägt sich wacker durch, eröffnet eine Handarbeitsfabrikation und kann gut davon leben.
Ihr Sohn Jacob wächst in einer nüchternen, kühlen und sehr sachlichen Umgebung auf. Die Mutter vermittelt ihm, dass man aus sich heraus alles erreichen muß.

Nach einigen Fehlschlägen auf seinen ersten selbständigen Wegen gerät Jacob in eine Anwaltskanzlei, in der er sich ehrgeizig und besessen hocharbeitet.

Mehrfach macht ihm ein Konkurs zu schaffen. Infamer Weise ist sein Vater, der Gerichtsvollzieher Dreverhaven, in den Konkurs als Schuldeneintreiber und Wucherer verwickelt.
Mit harter Haltung treibt er zu eigenen Gunsten von seinem Sohn Schulden ein.

Der Autor zeichnet sture, egoistische und eigenbrötlerische Charaktere. Es ist eine düstere, ärmliche Welt, in die er uns Einblicke gewährt. Allerdings findet unser Held Jacob immer wieder Förderer, die seine aufrechte, stolze Gesinnung und seine Intelligenz schätzen. In der Kanzlei, in der er klein anfängt, gelingt ihm ein famoser Aufstieg. Unermüdlich kämpft er um sein Studium und die Zulassung als Anwalt.
Die damals herrschenden Standesunterschiede lassen für sein Privatleben keine glückliche Wendung zu.

Charakteristisch bleibt für die gesamte Handlung der Kampf zwischen Vater und Sohn. Dreverhaven ist von fast archaischer Härte, die Mutter von Jacob ebenfalls. Man ist gefangen von der Dynamik, mit der die Charaktere auf einander prallen, von den Tricks, mit denen der Vater um seine Macht und Überlegenheit kämpft, getragen von der Wut und der Kraft dessen, der um keinen Preis eine Niederlage hinnehmen will. Die Zurückweisungen von der Frau, die immer nur als < sie >bezeichnet wird, erträgt er nicht und rächt sich an dem gemeinsamen Sohn bitter.

In einem Nachwort beschreibt Cees Noteboom die Charaktere als in sich gefangen. Kalt und nüchtern ist die Sprache und brennend das Feuer, das die Protagonisten in sich fühlen.
Das düstere Geschehen lässt den Leser nicht los.

Der Autor hat das Buch 1938 geschrieben. Der Roman lässt an die Werke von Dostojewski und Kafka denken.

Der Holländer Ferdinand Brodewijk, geb1884 und gestorben1965, galt in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Dichter der neuen Sachlichkeit und des magischen Realismus.
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