Die Plattenfirma Polydor hat mit "Chapter and Verse" wahrlich ein stimmungsvolles Greatest-Hits Album herausgebracht, allerdings haben diese CDs ja bekanntlich ihre guten und schlechten Seiten.
Zunächst zur Kritik: "Chapter and Verse" beinhaltet ausschließlich wunderbare Titel, allerdings auch nur solche, die auf den Alben "Vigilante", "Wings of Heaven" und "Goodnight L.A." zu finden sind. Dies ist völlig unzureichend, will man eine Übersicht über das Schaffen dieser Band, die mittlerweile 14 Studioalben hervorgebracht hat, bekommen.
Die Erklärung dürfte sein, dass Polydor eben nur die Rechte auf Songs der oben genannten Alben hatte, die ersten 5 Alben von Magnum konnten also nicht berücksichtigt werden. Auch die CDs, die nach "Goodnight L.A." veröffentlicht wurden, sind natürlich nicht mehr dabei, da diese Best-Of-Zusammenstellung gleich nach "Goodnight L.A." erschien. Damit wird der Magnum-Kenner natürlich bekannte Songs wie "Kingdom of Madness", "Changes", "Soldier of the line", "How far Jerusalem" oder "the last dance" vergeblich suchen, die eigentlich unbedingt auf eine seriöse Best-Of-CD gehört hätten. Zwei Songs aus dem Album "On a storytellers night" finden sich doch noch auf der CD, nämlich "On a storytellers night" und "Just like an arrow", allerdings nicht in den Originalversionen, die man auf dem Studioalbum findet, sondern in (großartigen) Live-Versionen, für die Polydor wohl die Rechte hatte.
Soviel zur Kritik, nun zum Positiven: Neben 13 wirklich wunderbaren, kommerziell erfolgreichen Songs finden sich auf der CD auch zwei sehr rare Titel, die auf keinem anderen Album zu finden sind. Deshalb stellt diese CD wiederum "mehr" als "nur" eine Best-Of-CD dar.
Zum einen wäre da der Song "C'est la vie", ein wirklich brillant komponiertes, verträumtes Werk mit einer Melodie, die sich sofort einprägt und die für Gänsehaut sorgt. Der Song, der ursprünglich nur auf der Single zu "Start talking love" zu finden war, hätte ohne weiteres auch einen Platz auf dem Album "Wings of Heaven" verdient, denn er ist nicht nur ein Ohrwurm, sondern hat auch die Qualität der anderen Songs auf dem Album.
Desweiteren findet der Hörer noch den Song "Crying Time", ursprünglich auf der Single zu "Must have been love" veröffentlicht. Eine meisterlich komponierte Ballade, die zusammen mit dem Munich Philarmonic Orchestra aufgenommen wurde.
Auch auf den Remix von "Midnight", einer poppigen, wunderschön verträumten Ballade, muss man noch zu sprechen kommen. Hier dauert der Song fast ganze 2 Minuten länger als auf dem Album, ist noch poppiger geraten, was aber nicht heissen soll, dass er weniger romantisch ist. Unbedingt hörenswert!!!
Die drei Alben, aus denen die CD zusammengestellt wurde, stellten den kommerziellen Höhepunkt von Magnum in den 80er Jahren dar, die Betitelung "Best Of" ist also doch irgendwie gerechtfertigt.
Zusammenfassend kann man noch anmerken, dass aus dem Album "Vigilante" die Tracks "Vigilante" (Klassiker, der bei keinem Live-Auftritt fehlt), "Lonely Night", "Midnight", und die Ballade "When the world comes down on You" entnommen wurden. Besonders die letzte Nummer ist so schön, dass es schon fast weh tut.
Aus "Wings of Heaven" werden "Start talking love", "It must have been love", "Days of no trust" (leider nur in einer kürzeren Fassung) und Magnums pazifistisches Bombast-Epos "Don't wake the lion" präsentiert.
Aus "Goodnight L.A." wurden die Titel "Rocking Chair" (der einzige Magnum Song, der nicht allein von Tony Clarkin geschrieben wurde, deshalb vielleicht auch der platteste Magnum Song überhaupt, aber ein stimmungsvoller, rockiger Opener für ein Album oder ein Konzert), "Mama" und "Heartbroke and Bustet" entnommen.
ALLE diese Songs sind aufwändig komponiert und mit Tony Clarkins unverkennbarem Sinn für noble und edel klingende Erzählungen gedichtet und haben sich nicht nur dank der unverwechselbaren Melodien einen besonderen Platz in den Herzen der Fans verdient. Die allerdings werden einige andere Nummern vermissen...
Zum Booklet: Dünn, aber informativ. Zu jedem Song steht eine kurze Notiz zur Entstehungsgeschichte.
Fazit: Eigentlich bin ich keineswegs ein Freund von "Greatest Hits"-Zusammenstellungen, denn oft werden die Songs aus dem Zusammenhang gerissen, besonders bei den Songs aus Vigilante merkt man, dass die anderen fehlen. Die besondere Atmosphäre der Alben kommt einfach nicht ganz heraus.
Trotzdem: Magnum Fans, Kenner und Komplettisten kommen wegen der 2 brillanten Bonussongs und des "Midnight"-Remixes nicht an der CD vorbei, es sei denn, man ist im Besitz der jeweiligen Singles.
Für Menschen, die Magnum noch nicht kennen, die ideale Einstiegsdroge. Allerdings sollte man sich, möchte man Magnum wahrlich genießen und in seiner Gesamtheit verstehen, mindestens die oben genannten Alben besorgen.