Schon der Klappentext macht neugierig: Man liest hier begeisterte Stellungnahmen von Jean Cocteau, Laurence Olivier, Jean Renoir, Jaques tati, Federico Fellini, Franz Kafka, Kurt Tucholsky und Alfred Andersch. Sie stehen für unzählige weitere Größen aus Film, Literatur und Kunst, die von Chaplins Einzigartigkeit fasziniert waren.
Doch wer war der Mensch Charles Chaplin, dem wir die Figur des anrührenden, melancholisch-komischen Tramp zu verdanken haben?
Als erster Biograph konnte der renommierte Filmwissenhistoriker Robinson die Familienarchive der Familie Chaplin einsehen; seine Chaplin-Biographie ist ein Glücksfall. Es dürfte keine andere ausführlichere Biographie von Chaplin geben, die gleichzeitig auch genauso fundiert ist, ohne den Leser mit unüberschaubarer Materie zu erschlagen.
Robinson befasst sich nicht nur ausführlich und kenntnisreich mit Chaplins Filmen von den Anfängen bis zur "Gräfin von Hongkong", sondern er schildert auch ausführlich Chaplins oft widersprüchliches Leben: Die Kindheit in den Slums und Waisenhäusern im Londoner East End (mit einer Übersichtskarte, die das unstete Leben der Familie eindrücklich zeigt), erste Vaudeville-Erfolge, die Anfänge beim Film und die legendären Keystone-Cops. Schließlich die großen Spielfilme, Meilensteine der Filmkunst -- Robinson überliefert hier viele Hintergrund-Berichte, weiß viel über Dreharbeiten, Schauspieler-Kollegen und Chaplins Ehen und Affären. Dennoch gerät diese Biographie niemals zur Kolportage. Schließlich geht er ausführlich auf Chaplins Beteiligung in den Kampagnen für den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg ein, auf die zermürbenden Querelen mit dem McCarthy-Ausschuss, die Ehe mit Oona O'Neill und schließlich die letzten Lebensjahre in Vevey (Schweiz). Hinzu kommen viele unbekannte Fotografien und faksimilierte Dokumente. -- Und diese Aufzählung ist nur eine kleine Auswahl aus den Themen des Buches. Aber trotz dieser unglaublichen Materialfülle liest sich diese Biographie wie ein spannender Roman, man wird nicht müde zu lesen.
Ergänzt wird das Buch durch einen umfangreichen Anhang mit Zeittafel, Filmographie, einem Essay zu Chaplins Akte beim FBI, einem Who's Who der wichtigsten im Buch erwähnten Personen, einer ausführlichen Bibliographie und natürlich einem Register.
Was man in dieser Biographie nicht findet, kann man getrost als unwichtig bezeichnen.