Wolfram Tichys Chaplin-Bildmonographie ist eine übersichtliche Darstellung von Chaplins Leben; das Schwergewicht liegt auf dessen filmischer Entwicklung. Das zeigt bereits die äußere Form: Bei den meisten Fotografien im Buch handelt es sich um Standfotos aus Chaplins Filmen, und die einzelnen Kapitelüberschriften sind meist Filmtiteln entlehnt. Auf den ersten Blick irritiert dies ein wenig, denn das Kapitel "Rampenlicht" z.B. beschreibt Chaplins Anfänge auf der Vaudeville-Bühne und hat mit dessen spätem Film "Limelight" (dt.: "Rampenlicht") nichts zu tun. Doch sollte man dem Autor diese kleine Marotte gönnen; denn er wird seinem selbstgesteckten Ziel, sich vor allem auf das Werk Chaplins zu konzentrieren, gerecht. Vor allem zu den frühen Filmen findet man hier viel Information und Hintergrundwissen, und auch die Bibliographie im Anhang ist ausführlich.
Insgesamt ist diese Chaplin-Biographie eine gelungene, übersichtliche Darstellung seines Schaffens. Hintergründe und Zusammenhänge werden präzise dargestellt. Allerdings kann man von einem Buch, das sich auf knapp 150 Seiten beschränken und hier auch noch viel Bildmaterial unterbringen muss, keine umfassende Biographie erwarten. Erwarten kann man die Konzentration aufs Wesentliche. Diese Erwartung erfüllt Tichy.
Dieses Buch eignet sich vor allem für solche Leser, denen an einem ersten Überblick gelegen ist und die sich nicht lange mit Details aufhalten wollen. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass David Robinsons Chaplin-Biographie derjenigen von Tichy in jeder Hinsicht überlegen ist und den meisten Lesern wohl auch mehr Information bieten wird.