Wie kann so etwas passieren? Ein derartig gut besetzter Film mit einer Story, die einen interessiert, geht einfach so vorbei. Chaplin ist immerhin aus dem Jahr 1992. Und ich habe den Streifen erst jetzt gesehen. Das verstehe wer will. Aber gut, besser zu spät, als nie.
Charlie Chaplins Lebensgeschichte ist ein bändefüllendes Werk. Verarmt in London aufgewachsen, kann er sich dem Variete anschließen und wird schließlich auf eine Tournee durch Amerika mitgenommen. Dort macht er erste Bekanntschaft mit dem Film und entdeckt seine große Leidenschaft für dieses Genre. Mit Hartnäckigkeit und Professionalität ergattert er sich einen Filmvertrag. Dann beginnt eine Kometenhafte Karriere des jungen Chaplin, die bis zum Besitz des eigenen Filmstudios geht. Chaplin wird einer der berühmtesten Menschen der Welt, aber Glück im Übermaß verschafft ihm das nicht. Immer wieder gerät er in Konflikte mit der Staatsmacht. Seine offene Meinung kommt nicht immer gut an. Angriffspunkte gegen ihn gibt es zuhauf. Vor allem seine Vorliebe für sehr junge Mädchen bringen das F.B.I. unter Edgar Hoover immer wieder auf den Spielplan. Letztendlich muss Chaplin das Land verlassen und sein Exil in der Schweiz antreten.
Ich habe selten einen Film mit einer so stimmigen Story und einer Schar von Weltklasseschauspielern gesehen, die am Limit ihres Könnens spielen. Vorweg Robert Downey jr. der Chaplin geradezu wiederauferstehen lässt. Kevin Kline als Douglas Fairbanks oder Geraldine Chaplin, als verwirrte Mutter des Stars, sind allesamt perfekt in ihren Rollen. Ein Stück Filmgeschichte, das in Vergessenheit geraten war, wurde von Richard Attenborough wieder in die Erinnerung geholt. Dabei gibt es noch immer Parallelen zu heutigen Künstlern und wir erkennen im Nachhinein, wie viel Mut und Genie in Charlie Chaplin steckte. Von Produktionen dieser Art kann es einfach nicht genug geben. Ansehen, genießen und sich noch viel mehr davon wünschen.