Diese CD steht nun schon fast zehn Jahre in meinem Plattenschrank, läuft heute noch regelmäßig und ist meines Erachtens ein Meisterwerk. Meinen Blick und vor allem Gehör auf das Album versuche ich hier zu schildern und letztendlich das Fazit und der damit vergebenen vollen Punktzahl zu vergeben.
Ich erinnere mich zurück, als mir ein Freund das sehr gute Destroy Erase Improve empfohlen hat. Ich verliebte mich in den Song Future Breed Machine und empfand das restliche Album auch als sehr gut, wenn auch (damals) etwas "anders".
Chaosphere folgte gleich als nächster Kauf, sozusagen blind. Was mich erwartete, wäre damals schwer in Worte zusammenzufassen gewesen. Heute versuche ich es mit folgendem Satz: "Simpel, auf den Punkt und doch total überfordernd."
Erstmal zur Theorie: Meshuggah spielen hier in jedem Song polyrhythmische Strukturen, das ist ein großer Wandel im Gegensatz zu den Songs der letzten Alben, welche dynamisch, offen, wenngleich auch schon ein klein wenig an Fear Factory erinnernd.
Polyrhythmik bedeutet, dass jedes Instrument seine eigene Stimme oder Takt haben kann. Bei Meshuggah macht sich das so bemerkbar: Komplexe, verschachtelte 4/4 Drumpatterns treffen auf Gitarren (hier allerdings noch 7-Saiter im Ais-Tuning), welche einen Takt schwer erkennen lassen, letztendlich aber wieder bei einem 4/4-Takt rauskommen.
Dazu gesellen sich auf den ersten Hörer "schiefe" und richtig kranke und jazzig atonale Soli, wie sie inzwischen für Fredrik Thordenthal typisch und bezeichnend sind. Das offenbart sich vor allem in Concatenation und New Millenium Cyanide Christ, was den Albeneinstieg fast schon abschreckend macht (für den Neuling natürlich). Dazu gesellen sich gleich zwei Songs, die an die alte Zeit erinnern.
Erinnerungen an die alte Zeit werden wie gesagt erweckt, aer dann auch schon wieder zerstört. meshuggah haben ein einzigartiges Spielprinzip gschaffen: Ein Großteil der Riffs wird auf der tiefen Ais (oder B) - Saite gespielt, hier beeindruckt letztlich vor allem das unglaublich präzise Timing. Die Kinnlade klappt noch weiter nach unten, wenn man bedenkt, dass sich zu Haakes 4/4 Patterns plötzlich die Double-Basss präzise die Riffs in ihrem Timing erfasst und polyrhthmisch im Gegenzug zur Tom und Becken-Arbeit ausfällt.
Dieses Album ist hochmonoton, man könnte fast behaupten, dass sich viele Songs sehr gleichen. Spätestens hier sollte man entweder aufgeben oder sich mit der Rhythmik bschäftigen, um vom Meshuggah-Virus befallen zu werden, den man wohl nie wieder loszubekommen scheint.
Die hier eingeschlagene Linie wird bis heute verfolgt, überrascht mit sinnvollen Strukturen, erinnern dabei aber kaum noch an die alte Zeit (außer obZen, welches auch mal wesentlich straighter aus den Boxen tönt).
Mit Chaospere haben Meshuggah meines Erachtens ihr Meisterstück abgeliefert, da es den Wandel zum danach befolgten Stil sinnvoll aufzeigt und auch belegt.
Die Song fesseln mich bis heute.