Nach diesem Film war auch mir klar, dass Depardieu ein Genie ist, vielleicht einer der drei größten männlichen Schauspieler weltweit. Er erschafft nicht eine Figur, sondern einen Menschen, der - so erschien es mir - auch außerhalb der Leinwand existieren muss. Wenn er mit seinem Herrentäschchen und seiner angebeteten Maklerin durch die Wiesen streift und schlüpfrige Anekdoten erzählt, hat da so viel Charme, dass ich diesen Mann fest drücken möchte, weil ich ihm dabei zusehen darf, wie er eine Frau erobern will, und dabei weniger linkisch ist als angenommen. Im Bett hatte er sie schon (was sie schnell bereut), aber ihr Herz ist weit weg. Mit seiner Ex-Frau ist er immer noch halb-liiert und dann doch wieder nicht. Er ist ein Koloss, ein Brummbär, ein trauriger Mann, der bald zu alt sein wird und wahrscheinlich nie hip war. Seine Shows ziehen Altgewordene vor, sie tanzen aber immerhin zu Chansons, die weitaus genießbarer sind als deutsche Schlager wie von Carpendale, den Flippers oder Vicky Leandros. Bekanntermaßen singt Depardieu selbst und einwandfrei. Die Menschen, die zu diesen Klängen tanzen, werden sehr gut beobachtet, es handelt sich somit um einen Milieufilm der besonderen Art. Doch die Love Story steht im Vordergrund. Herzerbärmlich ist Depardieu, wenn er unbeachtet von Mittagsgästen in einem Restaurant am Keyboard thront und seine Liedchen herunterträllert. Dieser Blick, dieses Gesicht - die Untiefen dieser Existenz kann man nicht besser ausdrücken als mit diesen Augen, dieser Nase.