vorweg: ich verstehe die vierstern-kritiker, aber nicht ganz deren begründungen.
der eine zieht einen stern ab, weil ihm die letzte nummer nicht gefällt, der andere, weil er das köln concert besser findet.
dieses album ist von der athmosphäre und vom feeling her sehr nah dran am köln concert aber natürlich nicht direkt vergleichbar, weil keine solo-performance dargebracht wird, wohl aber eine klaviertriodemonstration der absoluten spitzenklasse mit gary peacock am bass und jack dejohnette an den drums.
faszinierend an dieser darbietung ist, wie leichtfüssig die beiden dem spiel jarretts hier folgen, ohne ihr licht unter den scheffel zu stellen.
jedes dieser vier - sagen wir mal - improvisationsstücke mit grundthema verbreitet seine eigene athmosphäre.
"dancing" ist schwungvoll, durchsetzt von perlenden pianoläufen, peacock garniert mit einfallsreichen bassfiguren und dejohnette umgarnt das stück mit seinem irgendwie schwebenden und doch druckvollen schlagzeugsound.
bei "endless" aber auch bei "lifeline" erzeugt jarret immer wieder diese gänsehauterregende spannung durch verlangsamen, durch verzögerung, durch nachklimpern, die sein spiel so einzigartigartig macht.
das mantraartige "ecstacy" passt hier als abschluß sehr gut dazu, wenn jarrett hier auch seine klangfiguren ein wenig einfacher gestaltet.
ECM-typisch ist der gut durchhörbare und sehr natürliche sound, raum und interaktion mit dem publikum sind ebenso perfekt eingefangen worden, das cover beeindruckt durch seine dezente farbgebung und gestaltung, ein makelloses produkt.
ich habe überlegt, einen stern abzuziehen, zumal "dancing" aus meiner sicht die stärkste nummer des albums ist und es dann bis zum ende ganz leicht bergab geht. man muß sich aber vor augen halten, daß dieses album unter allen aufnahmen von klaviertrios ganz weit oben rangiert und auf seine art neuland betritt, zeigt wie weitreichend der sound eines klaviertrios sein kann, welche schönheit man diesen strukturen verleihen kann und sorry: unter fünf sternen geht dann gar nichts!