Wer einen Workshop oder ein Seminar vorbereitet, in dem es um Veränderungen geht, muss über ein umfangreiches Methoden-Spektrum verfügen, damit der Ablauf der Veranstaltung dem jeweiligen Ziel gut angepasst werden kann. Die von Armin Rohm herausgegebenen "Change-Tools" umfassen 38 verschiedene Methoden, die von 36 ausgewiesenen Expertinnen und Experten der Prozessberatung ausführlich beschrieben werden - aus eigener praktischer Erfahrung heraus und mit dem erklärten (und verwirklichten) Ziel, in den individuellen Werkzeugkoffer des Beraters/Moderators integrierbar zu sein. Letzteres macht das Buch zu einem wertvollen und herausragenden Werk, das den Namen "Praxishandbuch Beratung" vollkommen zurecht verdient.
Das Buch ist nach den vier Phasen eines typischen Workshops gegliedert. In jedem dieser vier Hauptkapitel sind 9 oder 10 Methoden zum Anwärmen, Orientieren, Bearbeiten und Abschließen aufgeführt. Jedes der vier Kapitel beginnt mit einer Tabelle, die die Tools im Überblick zeigt und grafisch ihre Anwendbarkeit in den verschiedenen Anlässen eines Veränderungsworkshops darstellt. Dies hilft sehr, wenn man gezielt nach Methoden für ganz bestimmte Zwecke sucht. Auf der zweiten Seite eines jeden Hauptkapitels wird jedes einzelne Werkzeug in ein oder zwei Sätzen kurz beschrieben, so dass der erfahrene Berater/Moderator sich ein erstes Bild über seine Einsetzbarkeit machen kann.
Die Beschreibung jedes einzelnen Tools beginnt mit einem vierteiligen "Zeitstrahl", auf dem durch graue Blöcke angezeigt wird, an welcher Stelle eines Workshops es idealerweise eingesetzt werden kann. Nach ein paar eher kurz gehaltenen Angaben u. a. zur Dauer der Durchführung, zur Gruppengröße, zu den Anwendungsbereichen und zum Nutzen des Tools wird die jeweilige Methode ausführlich und detailreich beschrieben, häufig entlang eines praktischen Beispiels aus dem Erfahrungsschatz des Autors. Zahlreiche Grafiken, Bilder oder Tabellen, die auch als Hilfsmittel während einer Veranstaltung eingesetzt werden können, veranschaulichen die Methode. Abschließende Abschnitte widmen sich den Voraussetzungen, die der Durchführende mitbringen sollte, den technischen Notwendigkeiten (Vorbereitung, Ausstattung, Materialien, Medien) und der Herkunft der Methode oder weiterführender Literatur. Häufig findet sich auch ein Kommentar mit wichtigen Erfahrungen des Autors, zum Beispiel zu Schwierigkeiten bei der Durchführung, zur "Psychologie" der Methode, zu möglichen Variationen oder zu ihrer Einbettung in einen Gesamtworkshop.
Die vielen kleinen und großen Praxishelfer der "Change-Tools" offenbaren sich in der Struktur des Buchs wie auch im Inhalt. Eine der großen Stärken des Buchs ist die Uniformität seines Aufbaus: durch die Vereinheitlichung der Methoden-Darstellungen sind die Lesenden nicht gezwungen, sich auf drei Dutzend verschiedene Beschreibungsstile einzulassen - dies ist sicherlich auch einer aufwändigen Überarbeitung durch den Herausgeber zu verdanken. Der ausführlichen Beschreibung einer jeden Methode sind jeweils einige Abschnitte voran- und nachgestellt, die wichtige Details ebenfalls einheitlich und kurz darstellen. Diese Kürze ist zum Gewinnen des ersten Überblicks über eine Methode besonders hilfreich: wer glaubt, etwas Hilfreiches gefunden zu haben, kann sich in die ausführliche Beschreibung vertiefen. Dass die am Ende des Buchs vorgestellten Autoren der einzelnen Methodenkapitel keine graue Theorie predigen, sondern aus ihrer alltäglichen Praxis berichten, ist für mich der offensichtlichste positive Aspekt der "Change-Tools": dieses Buch ist von Praktikern für Praktiker geschrieben. Ich wünsche ihm eine große Verbreitung unter den Prozessberatern.