Mein Freund Walter Von Reed Massengill Wer kann sich schon so glücklich schätzen, mit einer Legende seines Fachs, gleich welchen Genres, befreundet zu sein? Ich kenne eine Menge junger Architekten, doch keiner von ihnen hatte je die Gelegenheit, Frank Lloyd Wright zu begegnen. Einige meiner Freunde sind durchaus ernst zu nehmende Schauspieler, doch sie hatten niemals Unterricht bei einem Montgomery Clift oder einem Marlon Brando. Als Schriftsteller kenne ich selbstverständlich auch andere Berufskollegen. Allerdings hat niemand von ihnen je ein Tässchen Tee mit Oscar Wilde getrunken oder auf der Veranda sitzend den Erzählungen eines Flannery OConnor lauschen dürfen.
Doch mir als Fotografen männlicher Akte wurde das Privileg zuteil, mit einige der Ikonen dieses Genres, die Generationen künftiger Fotografen wie mich durch ihre Arbeit beeinflusst haben, befreundet zu sein. Walter Kundzicz, der hauptsächlich unter dem Studionamen Champion arbeitete, ist einer dieser Gründerväter männlicher Aktfotografie. Und ich habe die große Ehre, ihn meinen Freund nennen dürfen.
Trotz des großen Altersunterschieds teilen wir doch die Begeisterung für männliche Schönheit, Männer in knackigen Slips und für reine, glänzende Stoffe. Wir haben den gleichen trockenen Humor und die Fähigkeit, blitzschnell potentielle Talente schon auf der Straße, in der U-Bahn oder einem Einkaufszentrum zu erkennen. Als er mich in diesem Sommer besuchte, um die Bilder, die wir für diesen Band zusammengestellt hatten, nochmals durch zu gehen, und wir mit meinem roten Truck über den lokalen College-Campus fuhren, gingen Walter geradezu die Augen über. Er rief immer wieder: "Mein Gott, hast du den gesehen?
Wir sind geistesverwandt. Und darum bin ich auch so dankbar für die Möglichkeit, Ihnen sein Werk noch zu seinen Lebzeiten vorstellen zu dürfen. Ich finde, es macht nicht nur Spaß, seine Bilder zu betrachten. Vielmehr glaube ich, dass seine Arbeiten als Standard seiner Generation auf dem Gebiet der Körperfotografie anzusehen sind. Ich hoffe, Sie werden seine frechen, farbenfrohen Bilder vom Campus ebenso genießen wie ich, und dabei stets im Auge behalten, dass der Schutz, die Wahrung und die Fortsetzung dessen, was uns umgibt, sei es nun die aus unserer Kultur hervorgegangene Kunst, die Architektur oder soziale Gewohnheiten, uns dabei hilft, uns selbst zu definieren.
Der vorliegende Band ist eine erregende Kostprobe der Metaphorik des Champion-Studios. Und hoffentlich erinnert es daran, dass lange bevor David LaChapelle oder Aaron Cobbett die Kamara in die Hand nahmen und begannen, Mainstram zu fotografieren, mit echten Kerlen, knalligen Farben und Spandex, Walter Kundzic bereits ein echtes Original war.