Chamäleons, die farbprächtigen Echsen mit dem "Rundum-Blick" und der "Schleuderzunge" faszinieren Interessierte schnell. Doch nicht alle Arten, die angeboten werden, sind zur Haltung geeignet, zumal für Einsteiger. Außerdem sind es berechtigte Fragen, ob man Wildfänge erwerben oder als "heikel" geltende Pfleglinge halten sollte. Die erste Faszination wischt solche Bedenken oft beiseite - zum Schaden der Tiere.
Rolf Müller und Ulrike Walbröl züchten seit Jahren erfolgreich Chamäleons. Als Mitglieder der "Chamäleon-AG" der "Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde" (DGHT) und als Ansprechpartner der Chamäleon-Hotline kennen sie die speziellen Probleme, die sich Einsteigern in die Chamäleonhaltung stellen. In Zusammenarbeit mit Dominik Kieselbach haben sie bewusst ein Buch für Anfänger geschaffen.
Der allgemeine Teil nimmt viel Raum ein. Danach stellen die Verfasser fünf ausgesuchte Arten vor, die sich speziell für Anfänger eignen. Am besten geeignet scheint das Panther-Chamäleon (Furcifer pardalis). Deswegen beginnen die Autoren mit dieser Species auch im Artenteil und enden mit dem Dreihorn-Chamäleon (Trioceros jacksonii, Synonym: Chamaeleo jacksonii), das immerhin schwieriger zu halten ist, da es Montan-Art unbedingt eine Nachtabsenkung auf unter 18 °C benötigt. Solche Temperaturabsenkungen sind schwieriger zu bewerkstelligen als Wärme. Zwischen den beiden genannten "Extremen" unter den "leichteren" Arten werden dazuhin das Jemen-Chamäleon (Chamäleo calyptratus), das Teppich-Chamäleon (Furcifer lateralis) und das Berg-Chamäleon (Trioceros montium) beschrieben. Die beiden Montan-Arten der Gattung Trioceros werden richtig als Chamäleon-Arten für Fortgeschrittene eingestuft.
Mir gefällt die konsequente Beschränkung auf Tiere, die sich in Gefangenschaft anscheinend relativ wohl fühlen, denen man geeignet scheinende Bedingungen bieten kann und die sich - nicht zuletzt deswegen - dort fortpflanzen. Im Anfangsteil lernt man einiges zur Biologie dieser Familie mit der Schleuderzunge und über Terraristik. Deutlich kommt zum Ausdruck, dass auch die präsentierten fünf "leichter" zu haltenden Arten einen hohen Pflegeaufwand brauchen. Somit bleiben die Autoren ihrem Motto treu, das man der Einleitung entnehmen kann: "Wenn Sie sich ernsthaft für die Pflege eines Chamäleons interessieren, lesen Sie dieses Buch aufmerksam durch und entscheiden Sie dann, ob sie es wirklich versuchen wollen".
Kieselbach, Dominik, Müller, Rolf, & Walbröl, Ulrike: Chamäleons. Stuttgart 2010, Ulmer-Verlag. 96 Seiten, 2. Auflage, zahlreiche Abbildungen, bede-Nr. HO 412, gebunden, ISBN 978-3-8001-6764-7