Amerikas gefährlichster und produktivster Serienkiller, Edward Flowers 'Chaingang' Bunkowski, sitzt im Hochsicherheitstrakt des Staatsgefängnisses von Marion, Illinois. Dort dient er dem ehrgeizigen Dr. Norman als Studienobjekt. Doch das Militär, welches Bunkowski bereits erfolgreich im Vietnamkrieg eingesetzt hat, will nicht auf diese gottgegebene Killermaschine verzichten und lässt ihn in Waterton, Missouri, auf freien Fuß. Dort soll er durch einen implantierten Chip in einer Sicherheitszone von 25 Meilen überwacht und studiert werden. Die potenziellen Opfer von Chaingang, unbescholtene Bürger von Waterton, sind dabei ein einkalkuliertes Risiko. Die attraktive Mary Perkins ahnt noch nichts von einem Serienkiller, der scheinbar nur aus Fett und Muskeln zu bestehen scheint, als sie ihren Mann Sam als vermisst meldet. Zuletzt hat der Immobilienmakler ein obskures Geschäft für eine Firma namens ECOWORLD abgewickelt. Doch die Polizei sieht keinen Anlass ernsthafte Nachforschungen anzustellen, selbst dann nicht als noch weitere Personen verschwinden. So wendet sich Mary an ihren Jugendfreund Royce Hawthorne. Aber was können zwei Menschen ausrichten, wenn eine geheime Regierungsabteilung die Morde eines Edward Flowers 'Chaingang' Bunkowski gutheißt?
Mit 'Fettsack' hat Rex Miller einen der schillerndsten Serienmörder der Literaturgeschichte geschaffen und zugleich einen Roman, der weltweit Anerkennung gefunden hat. Trotz oder gerade wegen seines eigenwilligen Erzählstils. Obwohl 'Chaingang' im amerikanischen Original nicht die direkte Fortsetzung ist, so kann man den Roman ohne Weiteres als solche lesen und genießen. Auf Jack Eichord muss der Leser indes verzichten, denn der hat offensichtlich Besseres zu tun, wenn er denn überhaupt von den Vorgängen in Waterton Wind bekommen hat. 'Chaingang' ist jedenfalls ein Splatter-Punk-Action-Thriller, der dem oben erwähnten Chaingang-Erstling in Punkto Spannung, Gewalt und Sozialkritik in Nichts nachsteht. Der Stil ist sogar noch ausgefeilter und die Charaktere lebendiger und lebensechter als in Millers Erstling. Vor allem die Passagen mit Mary und Royce zeugen von einem hohen Einfühlungsvermögen des Schriftstellers, der im Jahr 2004 leider viel zu früh verstorben ist. Dabei ist Edward Flowers 'Chaingang' Bunkowski keineswegs der Inbegriff des Bösen, wie er gerne in Serienkillerkollegen wie Hannibal Lecter gesehen wird. Bunkowski wurde nicht nur als Kind gequält, gedemütigt und gefoltert, sondern hat in späteren Jahren auch keinerlei Unterstützung durch den Staat erfahren. Im Gegenteil die Regierung hat sein Talent zu töten eiskalt ausgenutzt. Damit wird Chaingang, der im Übrigen eine Vorliebe für Hundebabys hat und keinem Welpen etwas zuleide tun kann, zum Prototyp des von der Gesellschaft erschaffenen Monsters. Gerade im vorliegenden Buch entpuppt sich der Chaingang-Mythos als eine Art moderner Frankenstein, dessen Kreatur ebenfalls nicht böse zur Welt kam, und die lediglich mangels Fürsorge und elterlicher Liebe zum Monster wurde. Einen regelrechten Gegenspieler hat Chaingang indes nicht, denn der Reiz der Geschichte besteht darin, dass bis zum Schluss eigentlich keiner genau weiß, wer oder was auf Waterton losgelassen wurde, bis auf die Urheber des Grauens natürlich. Und so beschreitet Rex Miller auch mit diesem Roman, der in den USA bereits im Jahr 1992 veröffentlicht wurde, neue Wege, die sich abseits vom Serienkiller-Mainstream bewegen.