Habe mir vor Kurzem das aktuelle Album der deutschen Melodic Metaller rund um Gitarren-Virtuoso Olaf Lenk zugelegt, und musste leider feststellen, dass es nicht unbedingt meine Erwartungen erfüllt. Kenne von At Vance viele Alben, "Only Human" gefiel mir in seiner Gesamtheit sogar außerordentlich gut; allerdings bleibt die Truppe mit "Chained" deutlich hinter ihren Möglichkeiten.
Wo bei "Only Human" der Sound noch ordentlich fett dahergebrettert kam, fällt bei "Chained" der sehr spartanische Aufnahmestil und der etwas gewöhnungsbedürftige Mix (mir jedenfalls negativ) auf. Die Drums kommen sehr höhenlastig daher, und die Gitarren fast etwas dünn. Die Gitarrenarbeit des Olaf Lenk ist natürlich eine Klasse für sich, kann aber auf diesem Album weniger glänzen als auf früheren Langrillen von At Vance. Zwar bringen die Jungs auch diesmal wieder einige nette neoklassische Instrumental-Spielerein ins Metal-Treffen, mit der "Winter"-Adaption von Vivaldis "Vier Jahreszeiten" und dem "Hummelflug" von Rimsky-Korsakov - allerdings können auch diese beiden Tracks nicht zu recht überzeugen; jedenfalls nicht in dem Maße, wie mich bspw. die "Fünfte" von Beethoven auf der "Dragonchaser" oder vor allem der "Frühling" der Vier Jahreszeiten auf der "Only Human" begeistern konnten.
Der Gesang von ex-Malmsteen-Sänger Mats Leven ist natürlich absolut gekonnt, aber für meinen Geschmack schon fast etwas zu kratzig; das etwas weichere Timbre von Oliver Hartmann hat mir da doch etwas mehr zugesagt.
Generell kommt das gesamte Album etwas lieblos zusammengebastelt daher; das Songwriting ist über lange Strecken leider zu einfallslos, die Riffs, wenn auch neoklassisch inspiriert, meist leider sehr farblos; und wirklich Kracher-Hooklines und Ohrwurm-Melodien sucht man weitaus vergeblicher als auf älteren At Vance scheiben. Besonders negativ fällt mir leider der Mix auf, der vor allem bei den Lead Vocals manchmal Verheerendes bewirkt (so ist zB der Gesang beim Opener "Rise from the Fall" im Refrain kaum hörbar - das sind Anfänger-Fehler beim Mischen, und die sollten so erfahrenen und arrivierten Leuten wie Olaf Lenk und Kollegen überhaupt nicht mehr passieren - schon beim "Dragonchaser"-Album wurden ähnliche Fehler gemacht, auch dort hört man teilweise den Lead-Gesang einfach viel zu leise), und auch bei Drums & Bass einfach den Druck fehlen lässt; zu Höhen-lastig kommt der Gesamtmix daher.
Fazit: Tja, von At Vance gibt es deutlich besseres; für Fans der Band ist natürlich auch "Chained" durchaus eine Überlegung wert, aber grundsätzlich würde ich eher "Only Human" als Einstieg empfehlen, das ganzheitlich kompakter und interessanter daherkommt als das vorliegende Album. Der schlechte Mix und das teilweise einfallslose Songwriting degradieren "Chained" zu einem äußerst mäßigen Melodic Rock (eher denn Metal) - Zeitvertreib. Wer gerade gar nichts zu hören hat, solle mal reinhören; ansonsten gibt es weitaus stärkere Alben, die auch weitaus zwingender sind.
Es bleibt zu hoffen, dass sich At Vance alsbald auf alte Tugenden besinnen und stärkeres Material liefern - dass sie das können, steht meines Erachtens außer Frage!