Statt zur Schule geht die junge April Kyle lieber auf den Strich. Der Vater hat das Mädchen längst abgeschrieben. Doch die Mutter bittet Privatdetektiv Spenser um Hilfe: In der Combat Zone, Bostons Sex-Hölle, verbringt der Detektiv einige der härtesten Tage seines Lebens.
Eine Hure sei seine Tochter, nichtsnutzig und verkommen, sagt der Vater. Für die Mutter allerdings stellt sich die Sache nicht so einfach dar. Deshalb bittet sie Privatdetektiv Spenser um Hilfe, als die junge April Kyle im Bostoner Rotlichtbezirk verschwindet. Gegen den Willen des Vaters versucht Spenser das Mädchen zu finden. Doch als er April aufgespürt hat, beginnt das eigentliche Problem erst. Denn was soll Spenser mit einem Mädchen anfangen, dessen einzige Fähigkeiten in der Horizontalen liegen?
Im ersten Band der April-Kyle-Trilogie muss Spenser mit großer Mühe erst die ausgerissene Sechzehnjährige in der Kampfzone des Rotlichtbezirks finden. Er stößt in ein Wespennest und riskiert sein Leben, denn zwei mächtige Männer - ein Gangster und ein hoher Beamter - haben ein einträgliches Geschäft damit aufgezogen, ahnungslose Schülerinnen erst anzulocken und dann auf dem Strich auszubeuten. Die Rettung Aprils gelingt - um einen Preis. Doch Amy Gurwitz will unbedingt bei ihrem Ausbeuter bleiben.
Lady Susan
Wie so oft verurteilt der Autor nicht, schon gar nicht mit irgend jemandes moralischen Maßstäben. Neben dieser Haltung gefiel mir auch das starke Auftreten von Susan Silverman, die eine bestimmte Szene völlig dominiert. Von Spenser erfahren wir auch, welche eminente Bedeutung diese Frau für ihn und sein Leben hat: Er könnte diesen Job nicht ohne sie machen. Dennoch ist sie keine heilige Madonna, sondern trägt das "Lächeln eines gefallenen Engels". Und sie kann sehr witzig sein.
Die zweite Ebene
Durch viele kleine Details verrät der Autor, welches hohe intellektuelle Niveau sich hinter seiner flott erzählten Story verbirgt. Da lesen wir Zitate von Bischof Berkeley über die Natur der Wahrnehmung, eine witzige Anspielung auf Henry David Thoreau, den amerikanischen Philosophen der Selbständigkeit und Freiheit, sowie von Shakespeares berühmtem Sonett Nr. 73 ("Where late the sweet birds sang").
Zwei edle Ritter
Diese angedeuteten Untertöne weisen dem literarisch gebildeten Leser den Weg zu einer resonanten zweiten Ebene des Romans: Indem der edle Ritter Spenser seiner Herzens-Dame Susan verspricht, ihre Bitte zu erfüllen, geht er eine heilige Ehrenpflicht ein. Sie kann nur eingelöst werden, wenn er den Gegenstand ihres Interesses vollständig aus jeglicher Gefahr und Not rettet - auch mit unorthodoxen Methoden.
Obwohl dies recht hochgestochen klingt, kann der Krimifan mit jeder Menge harter Action seitens der beiden "Ritter" Spenser und Hawk retten. Denn Hawk ist nur die dunkle andere Seite von Spensers Charakter - und doch eine völlig eigenständige Figur, die ich in keinem Spenser-Krimi missen möchte, sorgt sie doch für Witz, Ironie und den Zugang zur Welt der Schwarzen und des Verbrechens, zu der Spenser nicht ohne weiteres Zugang hat.