Aus der Amazon.de-Redaktion
…And You Will Know Us by The Trail Of Dead kehren mit dem erneut imposanten
The Century Of Self zurück zu ihren Indie-Wurzeln. Vielleicht hatten es die Texaner satt, sich von ihrer großen Plattenfirma rumschubsten zu lassen, vielleicht waren die mit den Verkaufszahlen unzufrieden. Letztendlich egal, die Wege trennten sich, und Trail Of Dead sind nur noch für sich selbst verantwortlich. Richter Scale heißt das eigene Label, ein feiner Name, und mit
The Century Of Self schütteln die amerikanischen Epik-Rocker gleich mal den Seismographen durch. Die Ausschläge auf dem Messschreiber sind gewaltig, denn die vom Punk sozialisierten Art-Noise-Progressive-Band wird einmal mehr angetrieben von der Kraft des doppelten Schlagzeugs und vielen Gitarren, zwischen die sich noch Keyboards quetschen. Die führenden Kräfte Jason Reece und Conrad Keely - der seine Bilder mittlerweile auf Kunstausstellungen zeigt und hier wieder das Cover malte - setzen dort an, wo sie bei den Vorgängern
Worlds Apart und
So Divided aufhörten: turbulente, vielschichtige Rock-Monster schaffen, die im Gegensatz zu Mars Volta aber nie verkopft klingen. Trail of Dead verzichten diesmal allerdings auf aufwendige Studiotechnik und große Nachbearbeitungen, die Songs zwischen Tumulten, majestätisch schönen Momenten und Stille wie im Auge des Hurrikan wurden geprobt und dann live eingespielt. Dadurch fehlen nun viele Details, was aber Transparenz anstatt Verdichtung bedeutet. Trail of Dead gehen auf
The Century Of Self, benannt nach einer mehrfach prämierten BBC-Dokumentation, einen Schritt zurück und bewegen sich dabei doch vorwärts gerichtet. -
Sven Niechziol
Trail Of Dead holen mit "The Century Of Self" zum sechsten Schlag auf Ohren und Verstand aus und liefern eine Brachialantwort auf die bandinternen Probleme der letzten Jahre.
Eigentlich konnten sie sich nicht beschweren: Ihr letzter, 2006 veröffentlichter Longplayer "So Divided" markierte den kommerziellen Höhepunkt in der Bandhistorie von Trail Of Dead. Doch hinter den Kulissen brodelte es gewaltig: Bassist Neil Busch stieg frustriert aus, das Songwriting gestaltete sich schwierig und es gab böse Wasserstandsmeldungen, was die Zusammenarbeit mit der Plattenfirma betraf.
Also zogen sich Conrad Keely und Co. zurück, widmeten anderen Dingen ihre Aufmerksamkeit und wechselten nach langen Überlegungen zu einem Indie-Label, dass keine konkreten Forderungen stellte.
Mit "The Century Of Self" veröffentlichen Trail Of Dead nach all den Wirrungen ihren bislang sperrigsten und zugleich zugänglichsten Longplayer: Es lassen sich keinerlei "Singles" ausfindig machen, aber die 13 Songs greifen nahtlos ineinander und lassen die Platte erstaunlich kompakt wirken.
Den ehemals omnipräsenten Experimental-Rock haben sie so ummodelliert, dass er sehr leichtfüßig daherkommt und trotzdem all die Streicher, Pianos und Scheppertrommeln miteinander verbindet.
Inhaltlich öffnet sich Keely so ziemlich jedem Thema, dass ihm zur Verfügung steht. Im rührseligen "Picture Of An Only Child" wird die Jugend bewältigt, das wuchtige "Isis Unveiled" entwirft Utopien einer besseren Welt und im letzten Drittel dreht sich "Insatiable One/Two" um die Folgen einer erloschenen Liebe.
Ob Trail Of Dead mit dem neu gewonnen Geist besser leben können, bleibt abzuwarten. Bis jetzt haben sie alles richtig gemacht: Trotz vorangegangenen Unstimmigkeiten ist "The Century Of Self" ein prachtvolles Zeugnis ihrer musikalischen Einzigartigkeit geworden. Es muss Conrad Keely gut gehen!