Also wer sich auf diesen Film einlässt, sollte sich im Klaren sein, dass es hier keine perfekte Hollywood-Produktion a la
Gladiator (10th Anniversary Edition) [Blu-ray] gibt. Neil Marshall, der für Buch und Regie verantwortlich zeichnet, wollte dies aber auch nicht, sondern sein Ziel war, glaubt man der Fachpresse, eine Allegorie auf die heutige USA zu inszenieren. Dass er sich da der alten Römer bedient, ist nachvollziehbar. Das Römische Reich nach Christi war machtpolitisch ebenfalls die Nr. Eins in der bekannten Welt, militärisch ein Koloss, innerlich zerrissen, korrupt, zerbrechlich und immer einen Schritt kurz vor dem Abgrund. Diese künstlerische Absicht kann man im Film immer wieder entdecken. Die Legionäre benehmen sich und reden ziemlich modern (z.B. am Lagerfeuer), ihren offiziellen Ehrencodex, keinen Mann zurück zulassen und Gefangene um jeden Preis rauszuhauen, kennt man aus zahllosen US-Serien und Filmen, eigentlich sagen sie nur nicht "Semper fi", aber vielleicht ist mir das bloß nicht aufgefallen. Auch das Ende hat nichts mit Ehre und Stärke zu tun, sondern erinnert an das Tun und Denken von US-Regierungsbehörden.
Doch trotz all dieser Querverweise ist "Centurion" schlussendlich vor allem ein historisch angesiedelter Abenteuerstreifen. Der Plot des sieben kleine Legionäre-Spiels ist einfach: Nach dem großen Gemetzel bleiben ein paar Überlebende übrig, die sich zurück zu den eigenen Truppen durchs Feindesland kämpfen. Verfolgt von einer wilden Horde gnadenloser Menschenjäger, angeführt von einer Kampfamazone (gut besetzt durch Bondgirl Olga Kurylenko), die unaufhaltsam näher rücken und den Flüchtenden hart zusetzen. Und weil die Chemie der zusammengewürfelten Truppe auch nicht zu 100% stimmt, gibt es zudem an der inneren Front ebenfalls Verluste. Am Schluss kann es nur einen geben, wer das ist, sagt schon der Titel.
Der Film ist in vielen Punkten wirklich gelungen, die Rollen sind gut besetzt, die atemlose Hatz der Helden ist dramatisch, rasant und durchaus spannend, trotz so unverzichtbarer Stilmittel wie plötzlicher Beinbruch eines Teammitglieds, Kellerszene (unten versteckt die Guten, oben die fiesen Bösen, die nichts merken) etc. Stimmungsvoll unterstützt wird diese Katz-und-Maus-Dramaturgie durch grandiose Landschaftsaufnahmen und eine eisige Winteratmosphäre. Selbst die viel zitierte brutale Schlacht der neunten Legion gegen die Ureinwohner wurde ganz gut in Szene gesetzt, dass dieses Schlachtfest wie das Gemetzel in Ridley Scotts Gladiator am Computer nachträglich mit reichlich Blut aufgepeppt wurde, verleiht dem Ganzen eine unwirkliche Optik und hilft dem Betrachter, Distanz zu waren. Echte Schwächen zeigt eher die Logik der Story, die den Film sehr unglaubwürdig werden lässt. Dass die Römer böse auf die Mütze kriegen und wie Lämmer abgeschlachtet werden, ist dabei noch das kleinste Übel. Aber: Gut ausgebildete, erfahrene Soldaten packen sich nur ein paar Schwerter ein, wenn sie sich auf den Weg machen und lassen so wichtige Utensilien wie Äxte, Speere oder Pfeil und Bogen z.B. für die Jagt oder Verteidigung einfach liegen! Aber hallo, doch solches Mitdenken hätte die Verfolgungsjagd um einiges weniger spannend gemacht, wenn das "Freiwild" plötzlich zurück geschossen oder gar Rambo-Fallen im Wald installiert hätte.
Nach dem Navy Seals-mäßig inszenierten Überfall auf das Lager des Feindes zur Befreiung des gefangenen Anführers, bei dem alle Wachen im kühnen, lautlosen Handstreich erledigt werden, schafft es keiner, die kalte Kette (!!! nein, keine Strippe, die man einfach durchschnippeln kann!!!) des Gefangenen mit einem gezielten Schlag zu sprengen. Zu dumm, es war keine Axt verfügbar, die liegt ja noch auf dem letzten Schlachtfeld rum.
Als sich die tollkühnen Römer zurückziehen müssen, stiften sie nicht mal ein heilloses Durcheinander an, in dem sie ein paar Hütten abfackeln, um den Feind aufzuhalten, sondern sie nieten nur den 10-jährigen Sohn des Stammesfürsten um und verschwinden sang- und klanglos.
Dafür hat der Trupp auf fremdem Territorium ohne Karte und Kompass im Schneetreiben wenigstens immer einen Plan, wo es lang geht - erst nach Norden, dann nach Westen und dann in den Süden. Unterwegs schaffen es die ramponierte Kohorte, sich aus Fellen Kleidung zu schneidern, obwohl sie nicht mal Zeit haben, sich einen Hirsch zu grillen. Den Sprung von der Klippe in den reißenden Bergbach überstehen alle ziemlich unbeschadet.
Die Idee, sich den rachedurstigen Verfolgern zu stellen kommt den Fliehenden erst dann, als sie deutlich dezimiert sind und schon fast nicht mehr können, dafür aber endlich eine Festung und die richtigen Waffen haben, um zurückzuschlagen. Und plötzlich werden drei kraftlose, ausgemergelte Marines, sorry Leginäre mit einer zahlenmäßigen Übermacht locker fertig. Warum nicht früher?
Also, beim Drehbuch zeigen sich echte Schwächen, die man nicht mal mit künstlerischer Freiheit schön reden kann. Ein bisschen mehr Feintuning hätte da nicht geschadet.
Und auch Maske und die Kostüme überzeugen nicht immer. Tiefe Schnittwunden sind wenig später plötzlich nur noch oberflächliche Kratzer oder die Barbaren-Mädels sehen immer perfekt geschminkt aus, was man von ihnen kurz nach der Zeitrechnung natürlich erwarten darf. Die dirndelhafte Bekleidung der Hexe im Wald ist ebenfall echt zeitgemäß.
Wenn die vielen kleinen Schwächen nicht wären, hätte das Marshallsche Marines in Sandalen Abenteuer auch ein guter und überzeugender, ambitionierter Film werden können, den man sich gerne in die Sammlung stellt und öfters mal anschaut. So ist alles aber nur durchschnittlich und geht gerade mal als mittelprächtiges Handwerk der Macher durch. Da rettet die ganz gute Blu Ray auch nichts mehr.