Da sind sie nun also: die beiden deutschen Versionen der Animes "5 Centimeters Per Second" und "The Voices of a Distant Star". Und um es gleich vorweg zu nehmen: Beide Versionen sind vergleichsweise sehr gut umgesetzt worden.
Verpackung und Zubehör:
Beide Filme befinden sich in derselben DvD-Hülle aus stabilem Karton, deren Vorder- und Rückseite mit einem Bild des jeweiligen Films bedruckt ist. Die DvD-Beschreibung, welche sich normalerweise auf der Rückseite des Covers befindet, wurde hier nur hinaufgeklebt und kann leicht abgezogen werden. Auf der Vorderseite befindet sich außerdem noch das FSK-Symbol, welches durch die Art der Verpackung nicht umgedreht werden kann und somit vielleicht einige Leute stören könnte. In der Hülle selbst befindet sich neben den beiden DvDs noch ein kleines aber feines Heftchen, welches über die Entstehung von "5 Centimeters Per Second" berichtet - großes Lob dafür.
Nun aber zu den Filmen:
"The Voices of a Distant Star" (Hoshi no Koe)
Makoto Shinkais erster* und selbstproduzierter Film erzählt in ungefähr 25 Minuten, wie sich die Menschheit in naher Zukunft durch außerirdische Wesen bedroht sieht und eine Weltraumflotte ins All losschickt, mit dem Auftrag die Bedrohung von der Erde abzuwenden. Im Zentrum der Geschichte steht dabei das junge Liebespaar Mikako und Noboru. Während Mikako für die Weltraumflotte ausgewählt wird, muss ihr Freund Noboru auf der Erde zurückbleiben. Um weiterhin Kontakt miteinander zu haben, schicken sie sich regelmäßig SMS. Doch je weiter sich die Weltraumflotte von der Erde entfernt, desto länger dauert es, bis die Nachrichten auch beim Partner ankommen. Und da liegt der Glanzpunkt dieses Kurzfilms: Was würde man selbst in diese kurze SMS an seine geliebte Person schreiben, wenn allein die Sendezeit mehrere Jahre dauern kann? Ist man fähig, sich in diese bittere Lage der beiden Charaktere hineinzuversetzen, wird man erstaunt sein, wie nachdenklich einen diese 25 Minuten doch machen können, wo manch andere Filme mit Millionenbudget das nicht einmal nach 90 Minuten schaffen - vorausgesetzt natürlich sie wollen es überhaupt.
Technisch sollte man hier kein Meisterwerk erwarten. Sprich: Auch wenn die Hintergründe noch ganz hübsch sind, die Animation der Charaktere und die eher mäßigen Effekte der Robotor, welche wohl ein wenig dreidimensional erscheinen sollen, sind heutzutage längst überholt. Bedenkt man aber, dass Herr Shinkai alles allein produziert hat, kann man das aber noch verschmerzen. Die deutschen Sprecher sind sehr gut gelungen und sind meiner Meinung nach besser als die japanische Version. Ob es sich bei den japanischen Sprechern nun um die originalen oder die später etwas professionelleren Sprecher handelt, kann ich leider nicht sagen.
"5 Centimeters Per Second" (Byousoku 5 Centimeter)
Nachdem es im vorherigen Film noch um eine Distanz von etlichen Lichtjahren ging, steht diesmal "nur" eine Entfernung von einigen hundert Kilometern zwischen den Liebenden. Außerdem ist das Szenario nicht in der Zukunft angesiedelt, sondern spielt in der heutigen Zeit. Dabei erzählt der Anime in 3 zusammenhängenden Kurzgeschichten innerhalb von 63 Minuten, welche Auswirkungen die Entfernung und unausgesprochene Worte auf eine Beziehung und das persönliche Glück eines Menschen haben können. Die Geschichte selbst kommt ohne jegliche Action oder ähnliches aus und setzt stattdessen auf eine sehr ruhige Erzählweise mit eher leisen Tönen. Statt großer Dialoge wird die Handlung hauptsächlich von den Gedanken und (vorgelesenen) Briefen erzählt. Dieser im weitestgehend spannungslose Erzählstil wird sehr wahrscheinlich nicht bei jedem Zuschauer auf Zuspruch stoßen.
Neben den sehr schönen inneren Monologen wird der Film auch durch seine wirklich wunderschönen Bilder getragen. Die Hintergründe und deren Detailgrad sind dabei regelrecht über allem erhaben und gehören mit zu den schönsten Illustrationen, die man aktuell in einem Anime bewundern kann. Die Figuren sehen dagegen zwar schlechter aus, sind vom Niveau aber immer noch auf einem hohen Niveau. Untermalt werden die Szenen dabei von einer sehr hübschen Hintergrundmusik (oft ein Klavier) oder ganz zum Ende mit einem sehr schönem Musikstück (Masayoshi Yamazaki - One More Time, One More Chance). Die deutschen Stimmen passen soweit ganz gut und machen einen guten Job, lediglich Takaki klang für meinen Geschmack in der ersten Episode für seine 13 Jahre ein wenig zu alt. Im Vergleich würde ich persönlich die japanischen Sprecher hier bevorzugen, da sie noch ein Tick ruhiger und gefühlvoller klingen, was der Gesamtstimmung natürlich besser zugutekommt. Dennoch möchte ich hiermit nicht die gute Arbeit der deutschen Sprecher mindern, da man bei Animes mit guten Synchronisationen ja nun wirklich nicht verwöhnt wird.
Eine kleine Anmerkung noch: Wenn zum Ende der 3. Episode das Lied "One More Time, One More Chance" gespielt wird, empfiehlt es sich, die deutschen Untertitel einzuschalten, da man sonst nur den japanischen Text zu sehen bekommt. Warum man das machen sollte? Der Text des Liedes findet sich in den gezeigten Bildern wieder, wodurch es eine viel bessere Wirkung erzielt.
Bonusmaterial:
Das auf den DvDs enthaltende Bonusmaterial, wie einige Interviews und ein weitere Kurzfilm (alle japanisch mit deutschem Untertitel), rundet das positive Gesamtbild ab.
Fazit:
Ich habe lange darauf gewartet, dass diese Box herauskommt und war über jede Verschiebung des Termins enttäuscht. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es sich gelohnt hat zu warten. Beide Filme überzeugen auch in der deutschen Fassung, wofür man wirklich dankbar sein muss. Freunde sehr ruhigen Erzählkinos und melancholischer Filme sollten unbedingt zugreifen. Voraussetzung für den Spaß beim Zuschauen sind aber ein gewisses Maß an Empathie, da beide Filme davon leben, dass man sich in die Charaktere hineinversetzt und sich selbst fragt, was man an ihrer Stelle tun würde.
Bleibt zum Ende noch zu sagen: Auch wenn die Kirschblüten mit 5 Zentimeter pro Sekunde fallen, kann man nur hoffen, dass die im Idealfall bestellten DvDs einen schnelleren Weg zurücklegen. :)
Vielen Dank fürs Lesen!
*Mir ist bewusst, dass Makoto Shinkai zuvor noch ein paar kleine Kurzfilme gedreht hat. Da er im Interview des Bonusmatierals den Film aber als seinen ersten, fürs Kino produzierten Film bezeichnet, beziehe ich mich also auf die Aussage des Regisseurs. Nur, dass nachher niemand kommt und rummeckert. :)