Einfach Irre, wer alles aus Wasilla, Alaska kommt. Sarah Palin (die Frau an McCains Seite), April Flowers (ein weiblicher Pornostar). Und dann einige der Mitglieder von Portugal. The Man. Nach der hier vorgelegten dritten Platte ziehe ich meinen Hut vor einer Band, die sich in sehr kurzer Zeit in die Champions League der Independent Music katapultiert hat.
Wer in die Platte reinhört, bemerkt schnell, dass es sich hier um eine Band mit einem unverwechselbaren Sound handelt. Egal, ob sie leisere Töne anschlägt, die an Cake, Deus, At-the-Drive-In erinnert. Oder ob die Band 40 Jahre Rockmusik wie durch ein Kaleidoskop in völlig eigenständige, extrem tanzbare Songstrukturen integriert. Dabei schafft es die Band immer wieder, Tempo- und Stilwechsel innerhalb eines Stücks ohne jede Bruchstelle harmonisch einzufangen. Viele der Songs wirken so wie Hymnen, die bei jedem Hören wachsen und wachsen.
Und wenn man dann meint, die Musik von Portugal. The Man einigermaßen zu kennen, trifft man die Band in einem Konzert und ist noch einmal überrascht. Da trat eine extem spielfreudigen Gruppe auf, deren Mitglieder sich als geniale Psychedelic Musiker erwiesen. Die Stücke, die man fast alle von den Platten kannte, wirkten im Konzert irgendwo angesiedelt zwischen Velvet Underground, Big Brother, Marvin Gaye und Chicago, bevor sie nahtlos in Songs von Nirvana und Sonic Youth übergingen.
Gegenüber dem famosen Debütalbum ist "Censored Colours" kantiger, hat aber dafür auch mehr "Hymnen" und kommt schon nahe an den Live-Sound heran. Vier starke Stücke finden sich am Anfang (1-4). Es folgt eine kleine Ruhepause, bevor dann vier Hammerstücke hintereinander folgen: New Orleans, Never Pleased, Sit Back and Dream and Hard Times.
Wer alle Stücke in einem Rutsch hintereinander hört, dürfte Emo-tional mitgenommen sein. Kein Easy Listening, eher ein Sigur Ros ähnliches Erweckungserlebnis!
Fazit: Große Rockmusik! Generationenübergreifend! Selten hat eine aktuelle Band so kompetent weiße und schwarze Musik der 60er und 70er Jahre (ohne Retro zu sein) mit Grunge, Reggae und Hiphop zu etwas so ganz Neuem verschmolzen.
Damit sind Portugal. The Man für mich auch in diesem Jahr einer der heißesten Anwärter in der Kategorie Gruppe/Platte des Jahres.