Johannes Brahms war vor allem Kammermusiker. Da sah er seine Stärke, da schaffte er viele seiner großartigsten Stücke. Mit der Cellosonate wagte er sich auf Terrain, das von Ludwig van Beethoven gestiftet worden war. Seine zwei Sonaten sind Perlen der Kammermusik - nur leider selten aufgeführt...
Mit op. 38 wagte er sich zum ersten Mal an diese Gattung und lieferte gleich einen wundervollen Genrebeitrag. Seine e moll Sonate ist typisch romantisch, der Charakterzug des fast viertelstündigen Eingangsallegros pathetisch, manchmal etwas gezwungen. Leider verzichtet der Komponist hier auf einen wirklich langsamen Satz, setzt dafür aber ein ausgeklügeltes Charakterstück, ein Menuett. Das erweist als solches zahlreiche Reminiszenzen an Haydn, an Mozart. Das Finale erinnert stark an die Einleitung, es ist voller Leidenschaft und Tiefsinn.
Die zweite Sonate op. 99 steht im pastoralen F Dur. Der Eingangssatz ist ein sprödes Allegro vivace, das seine Schönheiten nach und nach offenbart. Das Gravitationszentrum dieses Werkes ist sein Adagio affetuoso voller Ruhe, Güte und Anmut. Das leidenschaftliche Scherzo mündet ins ekstatische Finale, das die Ausdruckswelten der letzten beiden beethovenschen Cellosonaten erschließt.
Mstislav Rostropovich und Rudolf Serkin - beide zum Zeitpunkt dieser in allen Belangen ausgzeichneten Aufnahme betagt bis hochbetagt - meistern die teils halsbrecherischen Passagen dieser Werke einwandfrei, fast spritzig. Durch ihre Interpretation geht nichts an Wärme und Grazie in den zwei Stücken verloren.
Fazit: Viele Interpreten klassischer Musik werden mit dem Alter technisch schwächer; diese geniale Einspielung beweist, dass es auch anders sein kann: Serkin und Rostropovich sind gereift wie ein alter Wein...