Camille Saint Saëns (1835-1921) zählt zu den Komponisten, deren Oeuvre nach ihrem Ableben schnell in Vergessenheit geriet. Mit Ausnahme seiner dritten Sinfonie, der sogenannten "Orgelsinfonie", dem "Karneval der Tiere", dem "Danse macabre" und seinem ersten Cellokonzert sind dem breiteren Publikum nur wenige Werke bekannt. Dabei war Saint Saëns einer der produktivsten Komponisten der Romantik.
Auch im Bereich der Kammermusik hinterließ er zahlreiche und teilweise sehr originelle Stücke. Seine beiden Cellosonaten und die Suite für Klavier und Violoncello, die auf der vorliegenden CD eingespielt sind, bestechen vor allem durch ihre Zugänglichkeit und ihre fein gearbeitete Konzeption.
Der früheste Genrebeitrag für Klavier und Violoncello ist die Suite op. 16. Dieses Werk ist durchgängig großartig, sehr ambitioniert und strotzt vor schönen Melodien. Nach einer gemessenen Einleitung folgt eine hinreißende Serenade. Das herrliche Scherzo bewegt den Hörer sogleich, so dass er in der folgenden Romanze Ruhe findet. Seine Fertigkeit, fein gewobene Fugen zu konstruieren, beweist Saint Saëns im wirbelnden, packenden Finale.
In der gleichen Tradition wie die Suite steht auch die erste Sonate in c moll op. 32. Dieses Stück gebart sich als wesentlich schwieriger zugänglich und schroffer. Dabei ist der leidenschaftliche Kopfsatz durchaus noch leicht zu durchdringen. Ein tiefsinniges Andante schließt sich an, das für ein getragenes Finale Platz macht, das in seinem Kern tiefe Trauer birgt.
Viel später entstanden hingegen ist die zweite Sonate in F Dur op. 123. Dementsprechend verändert ist auch ihr Tonfall. Sie wirkt schroff, kantig, aber dennoch zutiefst empfunden und appassioniert. Man höre sich alleine die hehre Einleitung des Kopfsatzes. Auch wenn der folgende Teil mit "tranquillo" überschrieben ist, so ist er doch eigentlich aufgebracht und erbarmungslos. Berauschend ist das Scherzo, dessen Thema der französische Tonsetzer mannigfach variiert.
Der langsame Satz ist dann eher schlicht und unproblematisch und steht damit in krassem Kontrast zum fein ziselierten, pittoresken Finalsatz.
Maria Kliegel ist ohne Frage eine der besten lebenden Cellistinnen. Wenn sie spielt, dann singt das Cello mit ihr. Ihr Spiel ist weich und warm, voller Tiefsinn und stets empathisch. Auch in diese weniger bekannten Werke des vernachlässigten Franzosen fühlt sie sich glänzend ein. Begleitet wird sie von einem ebenbürtigen Partner, François Joël Thiollier, dessen Anschlag sanft und ebenso singend ist. Das Zusammenspielt ist perfekt, die beiden nuancieren derart fein, dass jede Klangfarbe zu hören ist, versäumen es aber dennoch nicht, teils kräftig zuzupacken. Auch die Klangqualität ist astrein, so dass einem unverfälschten Hörgenuss wahrlich nichts mehr im Wege steht.