Der Mensch ist ein Getriebener, der im Leben beständig nach dem passenden Gegenstück zu sich selbst sucht, in der Liebe, in der Freundschaft, in der Kunst.
Und es gibt zu jedem Menschen eine passende Farbe oder einen Klang, der seinem Wesen entspricht.
Meine Wappenfarben sind grau und blau, und auf meinen Spaziergängen und Langstreckenläufen liebe ich den Regen.
Meine inneren Stimmen sind barocke Oboen, Gamben, gezupfte Bässe, die afrikanische Kora, und ... das Cello.
Allesamt Instrumente, die eine merkwürdige Spannung erzeugen, deren hintergründige und schwer zu greifende Klangstruktur voller Melancholie, aber auch voller verhaltener Energie ist.
Bei David Darlings "Cello" tut sich ein dunkler Schlund auf, und das kleine Menschlein verschwindet in den sonoren Resonanzen und organischen Schwingungen seines Instruments.
Soloaufnahmen für Cello sind sehr selten, und unmöglich, etwas zu finden, das jenseits durchnotierter klassischer Musik liegt (Kódaly, Reger, Schumann).
Darling füllt diese Lücke an moderner Improvisation.
Der typische ECM-Stil, der immer unter dem Verdacht des esoterisch Angehauchten steht, sollte einen dabei nicht stören.
Man kennt die Marke, und man mag sie eben (oder auch nicht).
Michael Naura schrieb einmal vor einigen Jahren in der ZEIT über Jan Garbareks Saxophon: "Der Regen, der auch in die Seele fällt."
Darling ist noch düsterer.
Seine Musik ist ein Gleiten durch die Tiefsee, ganz weit drunten, wo kein Licht mehr scheint.
Solche Typen kommen normalerweise aus dem erweiterten Polarkreis, und am erstaunlichsten an Darling ist vielleicht, dass er KEIN Norweger ist, sondern Amerikaner (ein Ei mit Ecken und Kanten).
Bei dieser Gelegenheit noch ein weiterer CD-Tip:
Wer mit dieser Musik etwas anfangen kann, dem gefällt vermutlich auch (das etwas weniger schwer verdauliche) "Pendulum" von Eberhard Weber, dem Mann mit dem singenden Bass - wirklich grossartig!.