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Der Cellist von Sarajevo
 
 
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Der Cellist von Sarajevo [Gebundene Ausgabe]

Steven Galloway , Georg Schmidt
4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag (15. September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3630872794
  • ISBN-13: 978-3630872797
  • Originaltitel: The Cellist of Sarajevo
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,2 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 220.632 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Steven Galloway
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Sein klarer, nüchterner Stil macht dieses Buch über die Hoffnung in Zeiten der Unmenschlichkeit umso berührender." (Brigitte )

"Steven Galloway ist ein aufwühlender Roman gelungen, dessen Stärke sein dokumentarischer Charakter ist." (WDR5 "Scala" )

"Sein schmaler Roman, gekonnt geschrieben und gut übersetzt, ist ein eindringliches Plädoyer gegen den Wahnsinn des Krieges und für den Sieg der Menschlichkeit dank der tröstlichen Kraft der Musik." (Berner Zeitung )

Kurzbeschreibung

Ein Musiker trotzt dem Irrsinn des Bürgerkriegs in Sarajevo: Inmitten der Ruinen, dem feindlichen Beschuss ausgesetzt, spielt er auf seinem Cello das Adagio von Albinoni, zweiundzwanzig Tage lang …

Zu Beginn der neunziger Jahre wird das belagerte Sarajevo aus den Bergen ringsum Tag und Nacht beschossen. Die Bürger der Stadt leben in Angst, Nahrung und Wasser werden knapp. Eines Tages muss ein Mann von seinem Fenster aus mit ansehen, wie eine Mörsergranate zweiundzwanzig Menschen tötet, die vor der Bäckerei unten Schlange stehen. Der Mann ist Cellist, und er trifft eine unglaublich mutige Entscheidung: Jeden Tag um vier Uhr nachmittags zieht er seinen Frack an, setzt sich mit seinem Cello auf die Geröllhalden vor seinem Haus und spielt das Adagio in G-Dur von Albinoni. Zweiundzwanzig Tage lang, zum Gedenken an die Toten.

Die Bürger von Sarajevo hören ihm zu, darunter eine Scharfschützin, ein verängstigter Familienvater und ein einsamer, alter Mann. Sie alle sind verzweifelt, träumen vom alten oder einem neuen Sarajevo, wollen dem Hass und der Furcht entfliehen. Und sie alle werden vom Spiel des Cellisten berührt.

Ein bewegender Roman, der auf einer wahren Begebenheit beruht und der inmitten von Krieg und Zerstörung Zeichen von Hoffnung und Menschlichkeit entdeckt.


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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Krieg und Apokalypse, 1. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Cellist von Sarajevo (Gebundene Ausgabe)
Steven Galloway Der Cellist von Sarajevo

Luchterhand ISBN 3630872794

Der Cellist von Sarajevo ist legendär. Er spielte 22 Tage lang zur selben Tageszeit am gleichen Platz ein Adagio von Albinoni im Gedenken an 22 Tote, die an dieser Stelle von einer Granate getötet wurden.

Grausam und unverständlich wie alle Kriege war der Krieg zwischen Bosnien - Herzegowina und Serbien. Die Stadt Sarajevo wurde von 1992 -1996 von der bosnisch- serbischen Armee belagert. Von der Stadt und ihren Menschen während der Belagerung, von ihren Ängsten, der Verzweiflung, von Hunger, Kälte und Not handelt der Roman des kanadischen Autors Steven Galloway.

Von den Eingeschlossenen kamen viele tausend Menschen um oder wurden schwer verletzt. Scharfschützen aus den umliegenden Bergen nahmen jeden aufs Korn, der aus der Ferne erkennbar war. Lebensmittel und Wasser mussten organisiert werden, und Menschen begaben sich immer wieder auf gefährliche Pfade, und ihre Rückkehr blieb ungewiss.

Kenan, Dragan und Strijeler heißen die Protagonisten, aus deren Augen man auf die Kriegshandlungen in der belagerten Stadt schaut. In den Ruinen trifft man sich und wartet auf den Augenblick, in dem man sich bei der Überquerung einer Strasse sicher glaubt. Dragan hat seine Frau und den Sohn kurz vor Ausbruch der Schießereien weggeschickt. Strijeler erhält den Auftrag, mit ihrer Waffe den aus dem Hinterhalt bedrohten Cellospieler zu beschützen. Sie ist überwältigt vom Anblick des einsam spielenden Musikers und dem Klang seiner Musik und erschrocken von den Visionen an Vergangenes und Gegenwärtiges, die sie erfassen.

Wie man die Stadt in ihre Einzelteile zerlegt und die Zerstörungen aufzeigt, wie es den einzelnen in dem totalen Untergangsszenario ergeht, man um Wasser, Brot und ums Überleben kämpft: das beschreibt Steven Galloway in bedrückenden und scharf akzentuierten Worten.

Sinnlos und unerklärlich ist für die Menschen der Zustand der Stadt, und sinnlos und unerklärlich erscheint allmählich das Überleben. Der Irrsinn, mit der die Grenze vom Leben zum Tod überschritten wird, findet in kargen aber umso eindrücklicheren Worten Ausdruck. Ein besseres Zeitdokument ist nicht vorstellbar. Ratlos und unfassbar stimmen die Bilder und zeigen uns, dass hier ein Völkermord praktiziert wurde, der an Menschenverachtung und Sinnlosigkeit nicht zu überbieten ist.

Galloway lässt die Bilder wie in einem Film vorüberziehen.

Hilflos stimmen die Eindrücke des Schreckens in ihrer Absurdität und bilden gleichsam einen Appell, sich des Wahnsinns aller Kriege bewusst zu werden.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen "Das Sarajevo-Roulette", 29. Oktober 2008
Von 
Heike Geilen (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Cellist von Sarajevo (Gebundene Ausgabe)
Steven Galloway hat die Belagerung Sarajevos während des Balkankrieges in seinem beeindruckenden Buch "Der Cellist von Sarajevo" literarisch aufgegriffen, gestrafft und anhand dreier Einzelschicksale sowie eines konzentrisch verbindenden Gliedes - dem Cellisten von Sarajevo - rekonstruiert. Herausgekommen ist ein bestürzendes, aber gleichzeitig großartiges Buch von hervorragend literarischer Qualität.

Als 1984 das Maskottchen Vucko - ein starker mutiger Wolf - zu den Olympischen Winterspielen einlud, war die Welt in der multi-ethnischen Balkanmetropole noch in Ordnung. Wären da nicht die allseits umarmenden Berge, wähnte man sich im Sommer bisweilen in einer Mittelmeermetropole. Glanzvolle historische Gebäude, überall Straßencafés, Sehen und Gesehenwerden, Plauschen, Flirten - mediterranes Flair allerorts in dieser Stadt mit den rund einer halben Millionen Einwohnern.

Doch dann kam eine Zeit unvorstellbaren Grauens - der Balkankrieg. Sarajevo hatte es besonders schwer getroffen. Vom 05. April 1992 bis zum 29. Februar 1996 wurde die Stadt belagert, 10.000 Menschen getötet und weitere 56.000 verwundet. Im Schnitt schlugen 329 Granaten in die Stadt ein. Kaum ein Gebäude war nicht beschädigt bzw. wurde völlig zerstört.

Sachlich präzise, in klaren, scheinbar unsentimentalen Sätzen, verdichtet Galloway die Mühsal der Bevölkerung während der Belagerung auf wenige Tage. Zweiundzwanzig sind es genau, eine Zahl, die für die gleiche Anzahl Toten steht, die während eines Raketenangriffs aus den Bergen ums Leben kamen: allesamt Zivilisten, die nach Brot anstanden. Ihnen zu Gedenken spielt ein Mann jeden Tag um 16:00 Uhr auf seinem Cello (die tatsächlich stattgefundenen Auftritte Vedran Smailovic' regten Galloway zu dieser Figur an). Gewählt hat der Cellist Albinonis Adagio, weil es nicht widerspruchsfrei ist. Denn im Jahr 1945 fand ein italienischer Musikwissenschaftler dessen Überreste in der ausgebrannten Dresdner Musikbibliothek. Die meisten Gelehrten halten jedoch die Echtheit für sehr fragwürdig, da sich die Komposition von anderen Werken Albinonis erheblich unterscheidet. Doch genau dieser Widerspruch reizt den Cellisten. "Dass etwas, das von einer vom Krieg zerstörten Stadt fast vernichtet worden wäre, wiedererstehen, etwas Neues und Wertvolles werden konnte, gibt ihm Hoffnung. Eine Hoffnung, die jetzt zu dem Wenigen zählt, was den belagerten Einwohnern von Sarajevo geblieben ist. Für viele schwindet die Hoffnung mit jedem Tag. (...) Er ist sich nicht sicher, ob er überleben wird.", lässt der Autor seinen auktorialen Erzähler berichten.

Für sein Überleben ist die Scharfschützin Strijela (der Pfeil) arrangiert. Sie sorgt dafür, dass sich trotz der Gefahr, Menschen für einen Moment lang in eine andere Welt entführen lassen können. Als dann tatsächlich ein auf den couragierten Musiker angesetzter Heckenschütze auftaucht, ist sogar jener von der Schönheit der Musik fasziniert und zögert den Moment seines tödlichen Schusses hinaus. Doch Strijela hat ihn fest im Visier.

Noch zwei andere Protagonisten lässt Galloway im Wechsel mit ihr das tägliche Grauen erleben.

Das ist zum einen Familienvater Kenan Simunovic, der regelmäßig zu den wenigen Zapfstellen geht, um dort Trinkwasser zu holen, auch wenn dies einem Tanz mit dem Tode gleichkommt. Der alten griesgrämigen, undankbaren Hausgenossin verwehrt er diesen Botendienst gleichfalls nicht.

Der andere ist Bäcker Dragan Isovic. Auch hier ist es Hoffnung, die den Sechzigjährigen trotz stundenlanger Umwege an seinen Arbeitsplatz gelangen und das lebensnotwendige Bot besorgen lässt. Die Gefahr, auf offener Straße von lauernden Heckenschützen erschossen zu werden, ist allgegenwärtig. Beinahe täglich sieht er, wie Passanten unter Gewehrkugeln zusammenbrechen "wie Marionetten, deren Puppenspieler ohnmächtig geworden ist. Und nach ein paar Minuten kehrt wieder das ein, was man inzwischen als Normalität bezeichnet."

Für die drei Menschen, die stellvertretend für die Bevölkerung der geplagten Stadt stehen, ist der Cellist und seine Musik bindendes Glied. Eine Musik, die "verlangte, dass es auf der Welt noch Güte geben konnte. Die Töne waren der Beweis dafür." Trotz der schrecklichen tagtäglichen Grausamkeiten versinkt Galloways eindringlicher Roman nicht in Agonie und Trostlosigkeit. In einer Welt, "in der die Menschen einander töten, wo Kugeln und Granaten von den Bergen herabfliegen und die Häuser einstürzen", lässt der Autor den berühmten Hoffnungsschimmer aufflackern.

Heute beginnt Sarajevo wieder zu blühen. Die Balkanmetropole gilt bereits als Geheimtipp unter Reisenden. Die Stadt steht vor ihrem großen "Comeback", sie atmet euphorische Aufbruchsstimmung. Sarajevo ist wie Phönix aus der Asche aufgestiegen und hat längst wieder an die europäische Szene angedockt.

Und wer erlebt, wie die Menschen heute, vorbei an den wieder aufgebauten Prachtbauten aus der österreichisch-ungarischen Monarchie, über die Fußgängermeile Ferhadija Richtung osmanische Altstadt flanieren, spürt eine Energie, der man sich nicht entziehen kann. Möge diese Energie allzeit ihre positiven Schwingungen ausstrahlen.

Fazit:

In "Der Cellist von Sarajevo" erzählt der Kanadier Steven Galloway vom Sieg der Menschlichkeit im Schrecken des Bürgerkriegs. Ein gekonnt in Szene gesetztes, eindrucksvolles, empathisches Werk über die Hoffnung von Musik und der Widersinnigkeit von Krieg und Gewalt, in einer großartigen Übersetzung von Georg Schmidt.

"Ihr interessiert euch vielleicht nicht für den Krieg! Aber der Krieg interessiert sich für euch!" (Leo Trotzki)
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein Adagio gegen den Krieg, 19. September 2008
Von 
Eskalina (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Cellist von Sarajevo (Gebundene Ausgabe)
Selten hat mich ein Buch so nachdenklich zurückgelassen, wie " Der Cellist von Sarajewo" und auch zwei Tage nach dem ich es beendet habe, sehe ich die Figuren, die Galloway stellvertretend für die Bürger der damals eingeschlossenen Stadt Sarajewo beschrieben hat, immer noch vor mir. Alles beginnt mit dem Einschlag einer Mörsergranate, die mitten auf einem Markt explodiert, auf dem zweiundzwanzig Menschen um Brot anstehen. Der Cellist, der sieht, wie sie zerfetzt werden, wird von nun an zweiundzwanzig Tage dort auf der Straße sitzen und das Adagio in g-moll spielen.

Kein Wort verrät uns der Autor über die Motive des Cellisten, er beschreibt nur die Musik und die Wirkung, die sie auf die Menschen in dieser zerstörten Stadt hat. Damit gibt er uns die Freiheit, alles in diesen Musiker hinein zu interpretieren - genauso, wie man es bei dem Musikstück schon unzählige Male versucht hat - Protest gegen den Krieg, Auflehnung gegen das sinnlose Sterben, Trost für die Hinterbliebenen, Erinnerung an die Toten - all das kann dieses Adagio ausdrücken, all dass kann man als Grund für sein Handeln sehen, doch eigentlich sieht man durch diese fehlende Erklärung immer nur in sich selbst, sieht das, was man selber als Motiv sehen würde.

Es wird erzählt von Dragan und seinem auf einmal lebensgefährlich gewordenen Weg zu seiner Arbeitsstelle. Man liest von Kenan, der sich alle vier Tage mit leeren Plastikkanistern auf den Weg macht, um für seine Familie Wasser aus der Brauerei in den Bergen zu holen und von Strijela, der Studentin, die früher im Schützenverein der Universität war und nun als Heckenschützin Soldaten erschießt. Mehr Personen braucht es nicht, um zu zeigen, wie der Krieg eine ganz normale Stadt - ganz normale Menschen verändert hat. Die Feinde der Menschen in der Stadt sind die Männer in den Bergen, die auf alles schießen, was sie in ihren Zielfernrohren sehen. Nur Hunde interessieren sie nicht, die dürfen leben. Und so gleicht jeder Gang auf die Straßen der Stadt einem Spießrutenlauf. Überall sind zerschossene Autos, Straßenbahnen und Ruinen, die man als Deckung nutzen kann und manchmal entscheidet nur das Glück, ob man lebend auf die andere Straßenseite kommt. Es gibt kein fließendes Wasser, keinen Strom und die Lebensmittel, die als Spenden für die Stadtbewohner gedacht waren, werden zu hohen Preisen auf dem Schwarzmarkt verkauft.

Das Buch zeigt mit erschreckender Deutlichkeit, wie schnell selbst die kleinen Dinge des alltäglichen Lebens, die uns so selbstverständlich vorkommen, plötzlich zum Luxus werden und wie zerbrechlich der Frieden sein kann. Es mahnt, dass man Zivilisation nicht geschenkt bekommt, sondern dass man immer wieder an ihr arbeiten muss und es zeigt, dass man, wie der Cellist von Sarajewo, trotz allem auf seine ganz persönliche Weise etwas gegen den Krieg unternehmen kann.
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