Wenn man Stephen King mit sich selbst vergleicht, dann hält nicht jedes seiner Bücher Stand. Immer auf gleich hohem Level zu schreiben, den Leser immer wieder auf's Neue zu überraschen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Dennoch: In diesem Genre sticht er hervor, und er versteht sein Handwerk.
Es ist ein King-Roman, definitiv. Es sind Elemente in diesem Roman, die man wie alte Freunde begrüßt: Telepathie und uniformes Gruppendenken (Tommyknockers), Zusammenbruch der Zivilisation (The Stand), hysterische Hingabe zur Religion (Carrie).
Will man schon innerhalb seiner Werke vergleichen, geht dies eventuell mit "Friedhof der Kuscheltiere". Er lässt Dinge offen, man muss selber nachdenken wie es weiter gehen oder was dahinter stecken könnte - nichts ist's mit vollständiger Aufklärung.
Das kann man jetzt natürlich so interpretieren, dass die Geschichte nicht ausgereift ist. Ein King mit knapp 500 Seiten ist wirklich eher eine Kurzgeschichte, man ist ganz andere Formate von ihm gewohnt.
Wirklich schlimm scheint aber Folgendes zu sein: Er wagt es, eine der modernen heiligen Kühe anzugreifen, das Mobiltelefon. Etwas, das wir fast alle ständig benutzen, unseren Status darüber definieren, ähnlich wie mit unseren Autos. Es geht nicht um ein Monster wie in "Es" oder eine biologische Kampfwaffe wie in "The Stand" ... nein, er bewegt sich diesesmal sehr nahe an unserem Alltagsleben. Beunruhigend.
"Cell" ist visionär, vergleichbar mit Jules Verne. Und für Menschen, die dem Kommunikationsmittel Mobiltelefon skeptisch gegenüber stehen (zu diesen zähle ich mich mittlerweile, was mich nicht daran hindert so ein Ding zu besitzen und zu benutzen), ist sein Roman Wasser auf den Mühlen.
Wenn man zu Paranoia neigt, sollte man "Cell" nicht lesen. Ansonsten würde ich diesen Roman jederzeit empfehlen, denn ein wenig darüber nachzudenken wie abhängig wir von manchen Dingen sind kann nicht schaden. Selbst (oder besonders dann?) wenn die Grundlage dafür gut geschriebene Trivialliteratur ist.