Celestron Astromaster 130/650 EQ
Als Einstimmung zu diesem und anderen Teleskop-Testberichten möchte ich erläutern, wie ich zu dem jeweiligen Fernrohr gelangt bin. Wie Sie sicher bald merken werden, oder bereits bemerkt haben, bin ich ziemlicher Laie auf dem Gebiet des Teleskopie. Ich finde das aber nicht weiter tragisch, gibt es doch reichlich von uns.
Und genauso wie ich, werden sich sicher viele Fragen, was soll ich mir bloß für ein Gerät anschaffen? Die sehen ja irgendwie alle gleich aus, kosten nur unterschiedlich. Nun, diese Frage kann ich nicht abnehmen, heißt es doch: Es gibt für jedes Fernrohr einen Himmel. Aber erläutern, wofür ich mich entschieden habe kann ich und vor allem wogegen und warum.
Einleitung
Es begann damit, dass ich auf dem Dachboden ein altes Fernglas fand. Zuvor hatte ich mich kaum mit dem Sternenhimmel beschäftigt. Es wusste, dass es einen gab und das reichte mir. Aber an einem sommerlichen Abend auf dem Balkon mit einem Weizen im bequemen Stuhl sitzend, fand ich die Sternlandschaft doch interessant, und dachte, dass ein 'echtes' Teleskop vielleicht keine schlechte Idee wäre.
Gesagt getan, über Ebay habe ich mir das erstbeste (oder erstschlechteste) Tchibo-Lidl-Aldi Refraktorteleskop gebraucht zugelegt. Nett formuliert war es ein Fehlkauf und ich ziemlich enttäuscht von diesem Haufen sinnfreien Plastikschrott.
Abgesehen davon, dass ich den Mond nicht viel größer sah, als mit dem Fernglas zuvor, war es nahezu unmöglich ein zitterfreies Bild zu erzeugen. Schon Ausatmen reichte, um den Tubus zum stetigen Zittern zu bewegen. Ich habe das Ding in den Müll (also zurück nach Ebay) verfrachtet und war wie man sich denken kann reichlich angefressen von der ganzen Aktion. Angeblich sollte das Teleskop bis zum 225-fach vergrößern können (4mm Okular X 1,5 Barlow). Rechnerisch geht das auch, aber auch nur da. Denn schon bei dem 20mm Okular und 30-facher Vergrößerung, war kaum ein Fokus möglich und wenn nur für Sekunden.
Neben der Wut erwachte allmählich auch mein Jagdinstinkt. Jetzt sollte es erst recht ein Teleskop werden und ein vernünftiges dazu. Nun kommt Amazon ins Spiel. Zuerst habe ich mich über die einschlägigen Seiten tagelang informiert, mich mit Fachausdrücken vollgesogen, dann zugeschlagen.
Mein erster ernst gemeinter Versuch war ein Celestron Astromaster 130/650 mit einer EQ-Halterung. Das Gerät ging wieder zurück (siehe Testbericht). Dann kam von Skywatcher der Heritage 130/650. Auch der musste wieder zurück zum Händler (siehe auch hier Testbericht). Schließlich bin ich beim Orion Starblast-6 150/750 gelandet. Zwischendurch gesellte sich noch das Celestron FirstScope76 für meine Tochter dazu. Vielleicht das Beste von allen Geräten.
Für folgende Teleskope habe ich Testberichte erstellt:
Celsestron Astromaster 130/650 EQ,
Skywatcher Heritage 130/650 Dobson
Orion Starblast-6 150/750 Dobson
Celestron Firstscope76 76/300 Dobson
Ps. Einen Bericht über das Tchibo-Lidl-Aldi-Refraktor habe ich mir jetzt mal geschenkt.
So, und nun zum Gerät ...
Technische Daten des Celestron Astromaster 130/650:
Bauart: Reflektor - bedeutet, dass es sich um ein Spiegelteleskop handelt. Wird auch Newton genannt, nach seinem Erfinder Sir Isaac Newton. Die andere große Variante auf dem Markt nennt sich Refraktor. Das sind die langen Stangendinger, die nicht mit Spiegeln, sondern mit Linsen (aus Glas, nicht die aus dem Eintopf) arbeiten. Ich meine die ersten Refraktoren gehen zurück auf Galileo Galilei und sind von der Bauart her älter als die Newtons.
Öffnung: 130mm - bezeichnet die Spiegelgröße des Hauptspiegels. Also dem Gefäß, das das eingehende Sternlicht bündelt. Ein alter Spruch aus der Motorradfahrerecke nach dem es heißt, dass Hubraum (Öffnung) nur durch Hubraum zu ersetzen ist, ist hier übernommen worden. Die Größe der Öffnung bestimmt auch die maximal sinnvolle Vergrößerung. Man rechnet da: Öffnung x 2. Bei diesem Teleskop ist die maximal sinnvolle Vergrößerung 260-fach.
Art des Spiegels: Sphärisch - Es gibt bei Reflektor-Teleskopen zwei Arten von Hauptspiegeln. Zum einen sind das die sphärischen Spiegel, die, wenn sie rund wären, einer Kugel gleich kämen. Zum anderen gibt es die parabolischen Spiegel. Ihre Form ist konkav, nach innen gewandt, die die Form einer Satelliten-Schüssel. Allgemein heißt es, dass die parabolischen Spiegel besser sind, weil sie weniger Verzerrungen produzieren. Allerdings sind sie auch teuerer.
Brennweite: 650mm - Je mehr Brennweite (Länge) der Tubus aufweist, um mehr kann vergrößert werden. Rechenweg für Vergrößerung: Tubuslänge : Größe Okular. Bei einem 20mm Okular beträgt die Vergrößerung dann 32,5-fach (650 : 20).
Montierung: CG-3 - Es heißt: Je schwerer, desto besser. Ich kann dem aber nicht allzu viel abgewinnen und finde Dobsons praktikabler.
Montierungstyp: Parallaktisch - bedeutet; dass dem stetigen Verlauf der Sterne durch drehen an einer Welle gefolgt werden kann . Natürlich nur, wenn man sich nicht so unbedarft, wie ich dabei anstellt.
Zubehör: Okular 20mm (vergrößert auf 32,5-fach) und 10mm (Vergrößerung beträgt 65-fach). Ich meine das waren Plössl Okulare. Die sind schon etwas besser als die H (Huygens) Okulare. Empfehlenswert ist der baldige Zukauf von anderen Okularen zum Beispiel Super-Plössls in 5-6mm für Planeten und 25-30mm für den allgemeinen Überblick. Die Kosten bei Amazon so irgendwas mit 30,- Euro und sind ihr Geld wert.
Subjektiver Eindruck:
Ich habe den schweren Karton in die Wohnung gewuchtet und nach vielleicht einer Stunde schweißtreibender Arbeit aufgebaut. Die Montierung empfinde ich als schwer und durch den sehr hohen Schwerpunkt sehr unhandlich. Ich kann mir nicht vorstellen mit diesem Brocken lange und vor allem oft durch die Pampa zu marschieren. Und das müsste ich, da ich in der Großstadt wohne und mit Lichtverschmutzung durch den angrenzenden Flughafen gesegnet bin.
Die Qualitätsanmutung des Astromasters ist ordentlich. Alles macht einen soliden, wertigen Eindruck. Der Okulareinzug schmatzt bei der Fokussierung obszön. Das war bei (fast) allen der getesteten Okularauszügen so und ist wohl als Zeichen ausreichender Schmierung zu verstehen. Wenn das Teleskop durch Anstöße wackelt, dann nur sehr kurz. Ich denke jedes Fernrohr wird etwas in Bewegung geraten, man dagegen kommt.
Zur Abbildungsleistung kann ich nicht viel sagen. Jupiter war gut zu erkennen und der Mond auch und das scharf. Mich hat aber die Montierung genervt, (Boing. Peng, jedes Mal wenn ich mit dem Gestänge gegen den Türrahmen gebollert bin, um das Gerät von einem in den nächsten Raum zu bugsieren. Oder dass mir beim Einstellen der Beinlänge des Stativs das Gerät mehrmals fast umgefallen wäre weil der Schwerpunkt sehr hoch liegt). Hinzu kommt, dass ich mit parallaktischen Montierung als Anfänger überfordert bin. Die Knöpfe für die entsprechenden Richtungen (Höhe und Azimut (Azimut = waagerechte Bewegung) ließen sich einwandfrei drehen, nur die Richtungen in die sie liefen, waren nicht die, die ich mir vorstellte (und leider zu unbedarft, das richtig zu justieren).
Ich will es mal so ausdrücken, es gibt sicher viele Leute, die kommen damit klar, ich aber nicht. Nach einem sehr langen und ebenso erfolglosen Probeabend habe ich alles wieder zusammengepackt und noch am nächsten Morgen zurückgeschickt.
Fazit: Wer sich an der komplexen wie unhandlichen Montierung nicht stört, für den ist der Astromaster 130/650 EQ eine echte Kaufempfehlung, dafür dann 3,5 Punkte (aufgerundet 4). Für mich nicht, ich hatte von einer Dobson-Montierung gelesen und mich in diese Richtung weiter orientiert. Mehr dazu, siehe Testbericht Celestron Firstscope76 und Skywatcher Heritage 130/650.
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