Ich bekam dieses kleine Teleskop zum Geburtstag geschenkt, zusammen mit dem Zusatzkit. Um gleich eines vorneweg zu betonen: das Firstscope macht seinem Namen alle Ehre: man kann damit wunderbar erste Einblicke in die faszinierenden Welten der Astronomie unternehmen, jedenfalls dann, wenn man die farbigen, scharfen und detailreichen Hochglanzbilder (aufgenommen mit teurer Ausrüstung und langen Belichtungszeiten) aus dem Kopf verbannt - das hat mit visueller Astronomie nämlich herzlich wenig zu tun.
Mit realistischer Erwartungshaltung wird das Firstscope zum Genusserlebnis, aber zuerst noch einige Infos zum Zubehör. Mitgeliefert werden zwei Okulare von eher dürftiger (wenngleich brauchbarer) Qualität (Huygens/Ramsden) mit 20 mm und 4 mm Brennweite. Im Zusatzkit sind nochmal zwei dieser Okulare mit 12,5 mm und 6 mm Brennweite enthalten. Für die Mondbeobachtung (resp. Planeten) sind die kleinen Brennweiten durchaus geeignet, denn Planeten sind hell genug. Leider ist aber die sogenannte Deep-Sky-Beobachtung (also entferntere Objekte, bspw. Sternhaufen) damit - jedenfalls von meinem Standort aus, einer relativ dunklen Terasse am Rande einer größeren Ortschaft - kaum sinnvoll machbar. Erst mit einem 4 mm Super Plössl Okular konnte ich auch bei 75x Vergrößerung wieder Sterne ausreichend hell erkennen, aber auch hier stößt das kleine Teleskop eindeutig an seine Grenzen.
Ein Licht ging mir - im wahrsten Sinne - auf, als ich dem Firstscope ein Skywatcher Ultra Wide Angle Okular mit 9 mm Brennweite gönnte. Damit sehe ich - dank großem Gesichtsfeld - beinah' soviel wie zuvor mit dem billigen 20 mm Huygens Okular, nur natürlich in höherer (33x statt 15x) Vergrößerung. Zwar kostete mich das Okular zusätzliches Geld, aber das ist in diesem Falle sehr gut investiert.
Ich kann empfehlen, dass man sich ein ordentliches 9 mm Okular (bspw. Plössl oder Skywatcher Wide Angle) zulegt und außerdem in einen guten Sucher investiert, dann macht nämlich die Beobachtung mit dem kleinen und süßen Firstscope erst so richtig Freude. Ich habe mir einen günstigen LED Leuchtpunktsucher gekauft, damit lassen sich Objekte sehr leicht finden: einfach den roten Punkt auf das Zielgebiet ausrichten und fertig.
Mit dem Sucher des Zubehörkits hatte ich hingegen keine Freude (siehe Rezension zum Zubehörkit). Mein Teleskop steht derzeit auf einem umfunktionierten Blumenständer, ich überlege mir aber, ob ich ein einfaches Stativ selber bauen soll, eine interessante Möglichkeit mit Anleitung ist im Internet zu finden. (Suchbegriffe zur Bauanleitung wären 'Firstscope ow-budget-Stativ Bauanleitung', direkte Links dürfen hier leider nicht angegeben werden). Für geübtere Beobachter mag der Sucher trotzdem ausreichend sein, aber für einen Astro-Anfänger (wie ich es bin) war es eine Wohltat, mit dem Leuchtpunktsucher (Celestron Rotpunkt-Visiersucher Starpointer) operieren zu können. Ganz erfahrene Beobachter werden womöglich garkeinen Sucher benötigen, da sie schon mit dem 20 mm Okular die gewünschten Objekte aufstöbern können, aber dies ist für einen unerfahrenen Beobachter sicherlich kaum machbar, denn man sieht durchs Okular viel mehr Sterne als mit dem bloßen Auge. Auch deshalb ist der LED Leuchtpunktsucher praktisch, denn er vergrößert nicht, so kann man sich prima an den Sternbildern orientieren.
Wo ich gerade bei Sternbildern bin: eine drehbare Himmelskarte ist als zusätzliche Anschaffung äußerst hilfreich, zwar liegt dem Teleskop eine schöne und ausführliche Anleitung mit guten Beobachtungsbeispielen und nützlichen Informationen bei, doch wenn man sich erstmal am Himmel zurechtfinden und auch eine Vorstellung von der Bewegung der Sterne (bildlich gesprochen) gewinnen möchte, dann ist eine drehbare Himmelskarte quasi die Eintrittskarte in die Welt der Astronomie. Und damit man auch bei Dunkelheit die Karte (resp. Anleitung) lesen kann, ohne dass man durch eine grelle Taschenlampe die Dunkeladaption der Augen sofort wieder verliert, sollte noch eine Rotlichtlampe angeschafft werden.
Nun wird klar, dass man schon noch einiges an Zubehör (aber im Grunde alles recht kostengünstige Kleinigkeiten) benötigt, um mit dem Teleskop - gerade als Anfänger - eine echte Freude zu haben. Alles in allem habe ich so ungefähr 100 Euro zusätzlich ausgegeben, was ich aber nicht bereue. Schließlich würde man all diese Dinge sowieso anschaffen und bei anderen günstigeren Teleskopen liegen sie ebenfalls nicht bei, so dass es sich um eine Investition für die Zukunft handelt.
Die Bedienung des Firstscopes ist kinderleicht, auch die Verarbeitungsqualität hat mich überzeugt. Das Bild ist - auch schon mit den einfachen Huygens Okularen - scharf, jedenfalls soweit ich das als Astro-Neuling zu beurteilen vermag.
Meine bisherigen Beobachtungen am Nachthimmel:
Der Mond ist ein lohnenswertes Objekt, hier kann man schon viele Details (Kraterlandschaften) erkennen. Vom Jupiter war selbst mit 75x Vergrößerung im Super Plössl Okular nur ein kleiner, leuchtend weißer Punkt zu erkennen, der von einigen winzig kleinen Pünktchen (den Monden) umrankt war. Wolkenbänder konnte ich nicht erkennen, wenn man sie (mit Filter bspw.) tatsächlich gelegentlich (bei guter Sicht und gestiegener Beobachtungserfahrung) erkennen sollte, dann aber wohl nur andeutungsweise, denn der sichtbare Punkt (Jupiter) ist bei 75x Vergrößerung wirklich noch sehr klein, hier sollte man keine falschen Illusionen wecken. Saturn habe ich - jahreszeitbedingt - noch nicht beobachten können, aber ich nehme an, dass hier der Ring auch - wenn überhaupt - nur ansatzweise zu erahnen sein wird.
Die Stärke des Teleskops ist für mich, dass man als Astro-Neuling überhaupt ein sehr flexibles und leicht bedienbares Gerät in der Hand hält. So findet man etwa - wenn auch weit vom Beispielbild in der Anleitung entfernt - Objekte wie den Kugelsternhaufen M13, diesen sehe ich (allerdings bei nicht ganz idealen Beobachtungsbedingungen) als trüben, wattebauschigen Punkt, Einzelsterne kann ich noch nicht erkennen. Dennoch: für mich ist das schon ein beeindruckendes Erlebnis gewesen.
Ansonsten macht es mir einfach Spaß, wenn ich bei klarer Nacht in aller Ruhe durch die Milchstraße wandern und die funkelnden Sterne (die man auch im Firstscope bei niederer Vergrößerung natürlich wesentlich eindrucksvoller sieht als mit bloßem Auge) bewundern kann. Wie zu Anfang gesagt: wenn man die Hochglanzbilder der Astrofotografie aus dem Kopf verbannt, dann steht dem Beobachtungsgenuss nichts mehr im Wege.
Was man aber unbedingt braucht, um mit dem kleinen Teleskop Spaß zu haben: Geduld und Interesse. Denn spektakulär wird das Beobachtungserlebnis meiner Ansicht nach erst dann, wenn man es vermag, die vermeintlich unspektakulären Kleinigkeiten wahrzunehmen. Dann empfindet man beispielsweise ein kleines Hochgefühl, wenn man erfolgreich einen Doppelstern getrennt oder einen fernen Sternhaufen als kaum noch sichtbaren Fleck im Okular eingefangen hat.