Allgemeine Bemerkung
Auffallend ist die solide und schwere Konstruktion. Der Hersteller bescheinigt BAK-4-Prismen und Mehrfachbeschichtung ohne zu erwähnen ob es sich hierbei um die Prismen oder sämtliche optische Flächen aller Linsen handelt. Eine Stickstofffüllung ist auf der Verpackung nicht erwähnt, wird aber auf der Celestron Outland 8x25-Homepage angegeben.
Baumerkmale / Konstruktion / Solidität
Das Gewicht fällt auf der Küchenwaage mit 375 gr deutlich günstiger aus als die Angabe von 435 gr. Die Gesamtlänge beträgt 107 mm. Damit ist das Fernglas schwerer und größer als einige Mitbewerber (siehe Photo), aber auch besser geschutzt.
Der Blickwinkel von 6,2° entspricht 108 m bei 1.000 m und ist für 25mm-Linsen relativ breit.
Das Outland 8x25 hat wie fast alle Ferngläser dieses Marktsegments eine Mittelbrücke mit Doppelgelenk und Innenfokussierung. D.h., dass alle beweglichen Teile mit Ausnahme der Fokussierwalze geschlossen untergebracht sind. Da es keine offenen Schlitze gibt um die Befehle des Antriebs an die Optik zu übertragen, ist diese vor Staub und Wasser besonders gut geschützt. Das ist natürlich sehr vorteilhaft, weil sich bei klassischen Porro-Konstruktionen Teile der Optik sich wie eine Luftpumpe bewegen und früher oder später Staub und Kondenswasser eindringen können, lassen sich auf den Linsen und Prismen nieder und verschlechtern die Sicht.
Die Gesamtkonstruktion wirkt sehr solide und durchdacht, die verwendeten Materialien sind hochwertig. Das Fernglas übersteht problemlos einen Fall aus 140 cm Höhe auf den Teppichboden.
Es ist also nicht nur geeignet für den rauhen Outdoor-Einsatz sondern auch ideal für Kinder und Jugendliche, die etwas ungeschickt oder wenig achtsam mit ihren Sachen umgehen.
Die Gummiverkleidung schließt äußerst eng an Tuben und Mittelbrücke. Die Objektivlinsen schliessen mit dem Gehäuse dicht ab. Die faltbaren Gummi-Okularmuscheln sind perfekt zentriert. Ich habe das Fernglas aber nicht ins Wasser gelegt um die Dichtikeit zu überprüfen.
Der Trageriemen ist an Kordeln angebracht, die nicht außen sondern auf der Mittelbrücke des Fernglases befestigt sind. Dadurch verdreht das Fernglas ständig beim Spazieren. Der Trageriemen ist sehr schlicht, aber für das Gewicht in Ordnung: Lang genug, mit 8 mm nicht gerade breit, aber leicht, einigermaßen erträglich und strapazierfähig. Er dient auch als Trageriemen für die Tasche, wenn das Fernglas hinein gesteckt wird. Die superleichte und sichtlich preiswerte Tasche ist trotzdem solide. Eine Dicke von rd. einen Millimeter kann die Bezeichnung 'Polsterung' eindeutig nicht verdienen. Sie ist passgenau, sehr praktisch, umschließt auch das Fernglas seitlich, bis auf einen kleinen Spalt von wenigen mm.
Bedienung
Die Scharniere zur Einstellung des Augenabstandes sind schwergängig genug damit sich nichts aus Versehen verstellt. Die Fokussierung kann mit einem Finger mit etwas Druck aber noch mühelos bewegt werden, die Dioptrie-Einstellung ist für meinen Geschmack etwas zu leichtgängig. Das ist gut wenn mehrere Personen das Fernglas benutzen, weniger gut wenn sie aus Versehen verstellt wird. Das ist beim Outland nicht tragisch, weil das Fernglas über eine komfortable Abstimmung der Optik (Tiefenschärfe) und der Bedienung verfügt.
Insgesamt sind alle beweglichen Teile, wohl aufgrund der Abdichtung, nicht übermäßig leichtgängig, aber gut zu bedienen. Das Fernglas kann auch mit einer Hand gehalten und die Fokussierwalze mit dem Zeigefinger bedient werden, auch mit Handschuhen. Kinder brauchen allerdings beide Hände, um das Glas zu halten und die Fokussierwalze zu bedienen. Das Glas ist trotzdem sehr komfortabel und als Familienglas absolut tauglich, besonders wenn man bedenkt, dass das Outland 8x25 manche rauhen Sitten des Nachwuchses besser als andere Pocketgläser vertragen dürfte.
Der größte Durchmesser beider Tuben beträgt 38 mm, ein ideales Maß, um in Verbindung mit den Fingermulden das Fernglas immer gut im Griff zu haben. Ein fester Griff ist auch bei Nässe notwendig weil die Gummi-Oberfläche sehr glatt geraten ist und das nasse Fernglas dann sehr 'glitschig' wird.
Die Zentralfokussierung geht gleichmäßig und ohne Spiel über den gesamten Bereich. Die Gummi-Fokussierwalze ist sehr griffig, aber mit nur 10 mm Breite nur halb so breit wie bei der Konkurrenz (siehe Bild). Das ist etwas knapp bzw. gewöhnungsbedürftig weil sie auch etwas zu weit nach vorne angebracht ist. Mit ca. 22 mm Durchmesser ragt es um ca. 2 mm über das Mittelteil hinaus, das reicht aber, um das Fernglas mit Handschuhen zu bedienen.
Die Dioptrie-Einstellung ist kein Thema: Sie ist mittelhart bis hart und reicht bei mir aus, das sind immerhin bis 3,5 Dioptrien, damit komme ich mit dem Outland besser aus als mit manchen Ferngläsern der 500 Euro Preisklasse. Das ist auch Voraussetzung für ein Familien-Fernglas, weil dadurch das Glas leicht von verschiedenen Personen benutzt und problemlos öfter nachgestellt werden kann.
Abgesehen davon, stellt die 8x Vergrößerung stellt kein Problem dar: Das Glas liegt gut in der Hand, das Bild tanzt nicht und es ist weder vom Gewicht noch vom Sichtkomfort her ermüdend.
Dadurch ist das Gerät leicht zu handhaben und auch für ungeübte Beobachter geeignet.
Optische Leistung
Der Einstellungsbereich der Fokussierwalze beträgt genau 1,5 Umdrehungen (Uhrzeigerrichtung). Die Tiefenschärfe ist überragend: Bei mittleren Entfernungen zeichnet das Fernglas scharf über eine halbe Umdrehung !
Nahbereich (3 bis 20 Meter)
Die erste halbe Umdrehung der Fokussierwalze betrifft den Nahschärfebereich zwischen ca. 5,5 und 15 Meter. Celestron gibt als kleinste Naheinstellung 6 Meter. Das stimmt ziemlich genau.
Dachpappennägel in ca. 5 Meter Entfernung erscheinen als kleine Münzen, aber noch nicht ganz scharf. Erst etwas unterhalb von 6 Meter liefert das Fernglas präzise Bilder. Die Maserung von Holzbalken erscheint dann äusserst scharf und kontrastreich. Ab knapp 6 Meter zeichnet die Optik sehr scharf, aber mit einem sehr ausgeprägten 'Doppelbild-Effekt', der erst ab rd 12 Meter rasch verschwindet. Die Tiefenschärfe ab ca. 8 Meter beträgt fast 10 Meter.
Bei der Prüfung im Bereich 10-20 Meter werden die feinen Farbnuancen Fliesen und kleine Details wie einzelne Rostpickel einer Gießkanne absolut präzise gezeichnet.
Mittlerer Entfernungsbereich (20 bis 100 Meter)
Während die erste halbe Umdrehung der Fokussierwalze die Einstellung der Schärfe zwischen 6 und 15 Meter regelt, dient die nächste halbe Umdrehung der Schärfestellung zwischen ca. 15 und ca. 60 Meter. In diesem Bereich steigt die Tiefenschärfe auf bis zu ca. 25 Meter. Das Bild ist weiterhin sehr scharf und kontrastreich, die kleinsten Farbnuancen werden fein sauber wiedergegeben, egal welche Grundfarbe. In rd. 60 Meter Entfernung werden sowohl feinste Mauerstrukturen als auch einzelne Zweige einer Tanne sehr gut sichtbar. Details im dunklen Wald (Tageslicht) sind auch noch gut erkennbar.
Auch den Schärfetest besteht das Celestron Outland 8x25 tadellos. Das Blickfeld ist für ein Fernglas mit nur 25mm-Linsen sehr angenehm, ohne ausgeprägten Tunnelblick-Effekt. Die Randschärfe ist ebenfalls recht passabel: Oben und seitlich zeichnet die Optik die einzelnen Tannennadeln in 60 Meter Entfernung scharf fast bis zum Rand. Im unteren Bereich erscheinen sie aber ab rd. 35 % vom Rand verwaschen. Ein 'Kisseneffekt' ist auch bei genauer Betrachtung bemerkbar, aber nicht mehr als bei Gläsern, die mehrere hundert Euro kosten. Also eine rundum ziemlich gute und eher unerwartete optische Leistung für ein preiswertes, kleines Fernglas.
Größerer Entfernungsbereich (100 Meter bis unendlich)
Oberhalb des mittleren Bereichs verliert die Abbildung relativ schnell an Schärfe: Das Bild wird weicher. Da bei meinem Test die Sichtbedingungen nicht perfekt sind, will ich wissen, ob es an der Optik oder an den Umweltbedingungen liegt. Ich hole also Referenz-Ferngläser heraus und vergleiche immer wieder, ein Fernglas in jeder Hand. Es dauert ein Paar Minuten bis ich absolute Klarheit schaffe:
Als absolute Messlatte dient der direktvergleich mit einem Zeiss Victory 8x56. Natürlich ist das Outland 8x25 nicht mit einem Photonen Gigant, das 1,24 kg wiegt und rd. 30 mal teurer ist, vergleichbar. Es wird aber sofort klar, dass das Outland es nicht schafft durch den leichten Nebels ein relativ klares und kontrastreiches Bild des Waldes in ca. 1.000 Meter Entfernung zu erzielen.
Als relative Messlatte wähle ich ein Eschenbach Farlux 8x24 B und hilfsweise ein Carl Zeiss Deltrintem 8x30, wobei ich erwähnen muss, dass das Eschenbach mehr als 6 mal teurer als das Celestron ist. Der Unterschied ist sichtbar, aber nicht frappierend.
Das Celestron Outland 8x25 ist nicht so sehr entfernt, was die Definition, also die Schärfe im Mittelfeld betrifft. Es zeichnet noch gut die einzelnen Zweige und wenn man ganz genau hinschaut, auch einzelne Zweige und Details in der Masse des Waldes. Aber es hat etwas weniger Kontrast und vor allem weniger Helligkeit. Aber wie gesagt, es bedarf des genauen direkten Vergleiches um die Grenzen des Celestron zu definieren.
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