Dank (?) Wolves In The Throne Room und ihrem letzten Album Black Cascade war Black Metal sogar ein Thema für das Feuilleton. Black Metal war auf einmal nicht nur mehr kalter Lärm von norwegischen Misanthropen, sondern ein Stückchen mehr - und zwar Ton gewordene Leidenschaft, voller Spiritualität, aber immer noch animalisch und abgrundtief Böse klingend. Nun geht die Band einen Schritt weiter und legt den Abschluss ihrer Trilogie, welche mit Two Hunters begann, vor.
Celestial Linage nennt er sich und unterscheidet nicht unerheblich von seinem Vorgänger aus 2009. Während man bei Black Casacde die pure Essenz des Black Metals herausarbeitete, wird man hier klanglich wieder wesentlich offener. Statt hypnotischer Brutalität, umgibt dieses Album ein ekstatischer, zeremonieller Charakter. Neben ihren schwarzen Wurzeln verarbeiten die beiden Brüder Aaron und Nathan Weaver wieder verstärkt Elemente aus den Bereichen Ambient, Postrock und Doom. Man geht sozusagen einen Schritt zurück über Two Hunters nach vorne.
Aber trotzdem gibt es auch hier typische Black Metal-Stücke wie das garstig, massive "Subterranean initianton", voller Geschrei und Raserei, oder auch "Astral blood", bei dem man trotz einfacher Mittel einen fast schon orchestralen Charakter erschafft. Der ruhige Break mit Natur- und Harfenklängen macht das Ganze noch intensiver. Ansonsten setzt man stark auf hintergründige Synthesizer- und sonstige Klänge, um ein Plus an Atmosphäre zu erschaffen. Und diese scheint fast undurchdringlich und äußerst dicht, was das Faszinierendste an der Band ist.
Bereits "Thuja magus imperium" entführt einen mit Glockenklägen und dem sakralen Gesang von Jessika Kenney in eine andere Welt. In "Woodland cathedral" hat die Dame noch einen, etwas elfenhafteren Auftritt. Von der tiefsten Nacht geht es hier ins düstere Zwielicht der Wälder des Nordwestens der USA. Höhepunkt und Ende des Albums markiert das wieder überlange "Prayer of transformation". Zurückhaltend doomig, mit traurigen Melodien und einem latenten Shoegazing-Charme versehen, begibt sich das Duo weit über die Grenzen des üblichen Black Metal-Getümmels hinaus. Den eingeschlagenen Pfad auch mal etwas zu verlassen, kann sich oft lohnen, wie man hier sieht.
Anfangs muss man das erst einmal verdauen. Als spröde könnte man den ersten Eindruck bezeichnen. Doch mit der Zeit entwickelt Celestial Linage mit seinem dynamischen Songwriting eine ziemliche Sogwirkung auf den Hörer. Ein faszinierendes, dunkles Stück Musik!