Einige arbeitsreiche Wochen stehen hier für den aufrechten Richter Di an - drei Fälle, einer seltsamer wie der andere, gilt es zu lösen. Ein Doppelmord an Seidenhändlern, eine in der Hochzeitsnacht vergiftete Braut und der plötzliche Tod eines Mannes, der der wenig trauernden Ehefrau allzugut ins Konzept passt. Glücklicherweise ist Richter Di mit einem scharfen Verstand, viel Durchhaltewillen und einigen kompetenten Helfern ausgerüstet; dazu scheint die Geisterwelt durchaus für ihn zu sein und ihn zu unterstützen.
Natürlich ist dieser Roman aus dem 18.Jh. nicht mit modernen Kriminalromanen vergleichbar, und auf die Unterschiede geht der Übersetzer van Gulik in seinem Vorwort sehr erhellend ein. Doch trotzdem unterhält der Text ungemein; die Charaktere lernt man schnell schätzen, und wenn auch die Vorgehensweise, mit viel Folterei und erzwungenen Geständnissen, heutzutage eher Widerwillen hervorruft, so ist man doch irgendwie beeindruckt von der Strenge und dem Gerechtigkeitssinn des Richters Di.
Stellenweise recht unangenehm zu lesen, wenn die Foltermethoden der Beamteten en Detail nacherzählt werden, so bietet dieser Kriminalroman doch sowohl vom Inhalt als auch von der komplexen Struktur der drei ineinander verschachtelten Mordfälle ein durchaus befriedigendes Gesamtleseerlebnis, nicht nur für Krimifans, sondern auch für Freunde der klassischen chinesischen Literatur. Nebenbei lernt man noch etwas über die Sozial- und Rechtsstruktur des alten Tang-Chinas, wo die Geschichte zeitlich verortet ist.
Die Romanisierung ist sehr gewöhnungsbedürftig, da hier viele Hoos und Bees und Dees und Lees und so weiter vorkommen, doch das ist ja der Entstehungszeit der Übersetzung geschuldet. Eine Neuauflage sollte das aber in das inzwischen Standard gewordene Pinyin übertragen.
Nach dieser erfreulichen Lektüre bin ich nun sehr gespannt auf die Romane, die van Gulik nach dieser Übersetzung geschrieben hat, und die auch Richter Di als Hauptperson haben.