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Produktinformation
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pap. An philologischen Untersuchungen und philosophischen Deutungen von Paul Celans hermetischem lyrischem uvre fehlt es nicht. Dünn gesät sind dagegen Gesamtdarstellungen von Leben und Werk des Dichters. Das hat verschiedene Gründe. Oft hat Celan selbst seine Spuren verwischt; die Zeitumstände haben ein übriges getan. Was sich an Briefen und Erinnerungen von Zeitzeugen erhalten hat, ist über zahlreiche Einzelpublikationen verstreut, manches Blatt eifert der Enigmatik des singulären Poeten nach. Hochwillkommen ist deshalb die Rowohlt-Monographie des in Bremen lehrenden Germanisten Wolfgang Emmerich. Sie kann als Einführung dienen, leistet aber weit mehr. Knapp und klar, dabei sorgsam differenzierend behandelt sie Celans Leben zwischen den Sprachen von den frühen Jahren in Czernowitz bis zur letzten Pariser Zeit. Das stets um den Holocaust kreisende Werk wird in seiner Entwicklung gezeigt und zum zeitgeschichtlichen Umfeld in Beziehung gesetzt. Auch heiklen Themen wie Celans obsessiver Mutterbindung, der durch Claire Golls bösartige Machenschaften in Gang gesetzten Plagiatsaffäre, den Beziehungen zu Ingeborg Bachmann, Heidegger, Nelly Sachs, den schweren psychischen Krisen in den sechziger Jahren nähert Emmerich sich mit Takt und nüchternem Blick. Die lange Reihe der Rowohlt-Monographien hat neben vielen soliden Arbeiten und einigen Fehlleistungen auch eine stattliche Zahl herausragender Werke hervorgebracht. Wagenbachs Kafka, Rühmkorfs Borchert, Scheibles Schnitzler gehören zu ihnen. Emmerichs Celan gesellt sich dazu.
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Das Buch fasst Celans Lebensgeschichte zusammen, besteht aus einigen Fotos, Gedichten und Zitaten und vermittelt so einen gewissen Überblick über Celans Leben.
Wolfgang Emmerich, Germanistik Professor an der Universität in Bremen, versteht es jedoch meiner Meinung nach nicht, einen differenzierten und umfassenden Blick auf Celan zu werfen. Sätze wie "Man darf also Celans Werk überhaupt nur aus seiner Geschichte heraus lesen." führen dazu, dass sich ein kritischer Leser fragt, warum eine solche Einschränkung vorgenommen werden MUSS. Denn sicherlich darf ein Dichter aus der Zeit und der Dichterbiographie heraus gelesen und analysiert werden - besteht aber die Schönheit eines Gedichtes nicht gerade darin, dass ein Gedicht mehr ist als die pure Absicht seines Verfassers? Dass es die Zeiten einfängt und doch über sie hinausreichend auch in anderem Kontext und für einen fremden Leser von Bedeutung ist? Ein Gedicht darf kontextbezogen gelesen werden: seine Bedeutung für mich aber beispielsweise liegt auch in der persönlichen Identifikation, in dem, was ein Gedicht für mich bedeutet, heute und aktuell.
Und meiner Meinung nach können Celans Gedichte auch persönlich bedeutsam sein, sogar ohne Bezug zu ihrem Verfasser. Historisches Lesen ist gut - warum aber ausschließlich dieses zulassen?
Nicht nur in Bezug auf Celans Werk wirkt Emmerichs Betrachtung beengend, sondern der Leser wird auch damit konfrontiert, auf jeder einzelnen Buchseite mindestens einmal die Begriffe "Mord an den Juden", "unfassbar grausame Vernichtung", "Grausamkeit des NS-Regimes", "mutiger Widerstand gegen das NS-Regime" vorzufinden. Sicherlich hat die NS-Zeit Celans Werk entscheidend geprägt. 1920 geboren hat er die Jahre des Krieges als junger Mann hautnah miterlebt, schliesslich hat er beide Eltern im KZ verloren.
Dennoch: Warum muss es eine Biographie nötig haben, auf jeder Seite solche offensichtlichen und eindeutig ohnehin erkennbaren Bewertungen des NS Regimes wieder und wieder zu wiederholen, warum müssen dieselben Adjektive in vielen vielen Sätzen immer wieder herausgezogen werden?
Vielleicht wollte Emmerich ein Zeichen setzen.
Aber Celans starke, untrennbare Verbindung zur NS-Zeit wird bereits früh deutlich, die andauernden Wiederholungen hingegen führen dazu, dass ich das Buch kaum fertiglesen konnte, so sehr fühlte ich mich von Stil und dann beinahe trivial werdendem Inhalt und immer wiederkehrenden Formulierungen abgestoßen.
Insgesamt also, und auf die Gefahr hin, dass ich dem Autor Unrecht tue, weil er sicherlich viel weiß über Celan, möchte ich dennoch dieses hier vorliegende Werk keinesfalls empfehlen. Sicherlich gibt es andere Celan-Biographien, die den Menschen Celan in seiner Zeit begreifen, die aber auch darüber hinaus Celan in einen zeitlosen, überlebenden und für sich stehenden Kontext einzubetten verstehen.
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