...muss der angelsächsische Zauberer Catweazle verblüfft feststellen, als er, auf der Flucht vor normannischen Rittern, durch einen Zauberspruch und eine darauf folgende Zeitreise durch neun Jahrhunderte aus dem elften Jahrhundert n. Chr. ins "moderne Jahr 1969" katapultiert wird und sich dort mit modernster Technik konfrontiert sieht. Catweazle landet in der ersten Staffel der englischen Fernsehserie aus dem gleichen Jahr in der Nähe der "Hexenhof-Farm" und freundet sich mit dem dort wohnhaften dreizehnjährigen Bauernjungen Carrot Bennet an, der ihn allmählich mit der modernen Welt vertraut macht. Glühbirnen, Traktoren, Flugzeuge, Autos, Badewannen, WC-Spülungen, Kuckucksuhren und Streichhölzer sind einige modernen Wunderwerke, die Catweazle beim ersten Anblick in Erstaunen oder sogar in Angst versetzen. Wenn wir diese modernen Wunder, die wir für selbstverständlich halten, mit den Augen des Mannes aus dem Mittelalter erneut ansehen, wird uns bewusst, welche Annehmlichkeiten und Wunder der Zivilisation uns doch heute durch den Erfindungsgeist vieler genialer Menschen zur Verfügung stehen (und wie viele zusätzliche Annehmlichkeiten wir erst recht heute, vierzig Jahre nach der Entstehung der Serie, als absolut selbstverständlich hinnehmen!). Catweazle erfindet für fast alles seine eigenen Worte: so ist eine Glühbirne die "Sonne in der Flasche", ein Flugzeug wird zum "fliegenden Fisch" und ein Traktor zum "Drachen". Durch diese bewusstere Wahrnehmung der Dinge werden wir zusammen mit Catweazle wieder zu Kindern und sehen die Dinge wie zum ersten Mal. Vielleicht können wir dadurch auch wieder wertschätzen, welche Schätze der Technik uns zur Verfügung stehen, die auch heute noch in vielen Ländern der Welt einen außergewöhnlichen Luxus darstellen. Da die Fernsehserie in diesem Jahr genau vierzig Jahre alt geworden ist, können wir auch einen Blick auf die Lebensbedingungen jener damaligen Zeit werfen, deren spartanische Kargheit die heutigen Kinder und jungen Erwachsenen vielleicht überraschen dürfte, wenn sie heute überhaupt viel Interesse an der alten Serie zeigen. Denn die Zielgruppe dürften wahrscheinlich eher die Menschen sein, die diese Fernsehserie früher gesehen haben und heute - wie ich - in nostalgischen Erinnerungen an ihre Kindheit schwelgen. Der Rotschopf Carrot (in der deutschen Synchronisation und den Untertiteln wurde der ungewöhnliche englische (Spitz)Name "Carrot" durch den bekannteren Namen "Harold" ersetzt) und Catweazle entwickeln in den dreizehn kurzen Folgen der ersten Staffel eine Art Enkel-Großvater-Beziehung und unterstützen sich gegenseitig in ihren Plänen. Immer muss der Junge Carrot / Harold, der zudem keinerlei sonstige Freunde hat, dabei die Existenz Catweazles vor seinem Vater, den Haushälterinnen Thea bzw. Mrs. Skinner, dem Knecht Sam Woodyard und anderen Besuchern und Bewohnern der "Hexenhof-Farm" verbergen, was zu mancherlei Situationskomik führt. Catweazle's Zaubereien funktionieren zudem oft überhaupt nicht oder ganz anders als erwartet, so dass sein resignierter Ausspruch "Nichts klappt!" ("Nothing works!") in fast jeder Folge zu hören ist.
Nachdem es Catweazle am Ende der ersten Staffel tatsächlich gelungen ist, in die Zeit des Mittelalters zurückzukehren, reist er in der zweiten Staffel (aus dem Produktionsjahr 1970) erneut auf der Flucht aus einem normannischen Kerker mittels eines magischen Sprungs durch neunhundert Jahre in die Neuzeit und trifft dort auf den sehr hilfbereiten Jungen Cedrik Collingford, den Catweazle wegen seiner Brille "Eulengesicht" nennt. Der Höhepunkt der, in nur dreizehn Wochen produzierten, zweiten Staffel, die qualitativ nicht mehr an die erste Staffel heranreicht, ist eine Schatzsuche in Schloss "King's Farthing", das Cedrik's finanziell klammen Eltern gehört, denen das Schicksal droht, ihren Familienbesitz verkaufen zu müssen. Der Weg zum Schatz wird dem Jungen Cedrik und Catweazle durch ein Rätsel in einer alten magischen Schrift gewiesen, die nur Catweazle übersetzen kann: "Zwölf sind's, die im Kreis sich winden; erstrebst Du Macht, musst Du sie finden. Finde, wo die Dreizehn liegt, steig hinauf zu dem, der fliegt!". Als roter Faden durch die dreizehn Folgen der zweiten Staffel ziehen sich neben der eher nebensächlichen Schatzsuche im Schloss Catweazle's Bemühungen, die zwölf Zeichen des Tierkreiszeichens in Form von dinglichen Entsprechungen zu sammeln, um dann durch ihren Besitz sowie die Entdeckung eines noch unbekannten dreizehnten Zeichens fliegen zu können, wie der Zauberer glaubt. In jeder der zwölf Folge sammelt Catweazle ein Tierkreiszeichen-Objekt, und in der dreizehnten Folge wird tatsächlich der Schatz gefunden, der das Schloss der Collingfords rettet, und Catweazle erhebt sich wie ein Vogel in die Lüfte.
Die DVD-Kollektion mit Staffel 1 und 2 in einer Box enthält auf 6 schön bedruckten DVDs ingesamt 26 Folgen von je 24 Minuten. Dem attraktiv gestalteten Pappschuber liegt zusätzlich ein 48-seitiges, vierfarbiges und mit interessanten Details vollgepacktes Booklet bei. Audiokommentare existieren bei der Staffel 1 zu den Folgen 1 ("Die Normannen kommen"), 2 ("Die Burg Saburac"), 7 ("Der Zauberknochen) und 13 ("Die Zauberformel") und bei der Staffel 2 zu den Folgen 1 ("Ein neuer Freund", 3 ("Das Geburtstagsfest") und 5 ("Schwarze Scheiben). Die Audiokommentare, in denen Richard Carpenter, Geoffrey Bayldon und auch andere Mitarbeiter über die Dreharbeiten erzählen, sind in erstaunlich gut verständlichem Englisch gehalten, nicht untertitelt und teilweise von eher bescheidenem Informationsgehalt. Am besten sind noch die Kommentare, in den Richard Carpenter Erläuterungen abgibt und in denen wir erfahren, dass die zweite Staffel unter enormem Zeitdruck produziert wurde, während schon die ersten Folgen im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Diese Hektik zeigt sich daran, dass die zweite Staffel auch nicht mehr ganz so liebevoll gemacht ist wie die erste. Aber das ist nur mein persönlicher Eindruck."Brothers in Magic" heißt eine zusätzliche etwa zehnminütige Dokumentation (mit deutscher Übersetzung in den Untertiteln) auf der letzten DVD, in der der über achtzigjährige Geoffrey Bayldon ("Catweazle"), Robin Davies ("Carrot") und Autor Richard Carpenter zu Wort kommen.
Die britische Serie nach einer frühen Erzählung von Richard Carpenter war ein Highlight der Fernsehunterhaltung für Kinder in den 70-iger Jahre des 20. Jahrhunderts. Es war auch die erste Fernsehserie, die sich mit magisch-esoterischen Themen wie Präkognition, Divination, Flüchen, Zaubertränken und sonstigen magischen Praktiken befasste - Themen, die in Großbritannien seit jeher mehr Interesse als in Deutschland gefunden hatten und die aber den deutschen Kirchen damals im Fernsehen nicht gefallen haben (die Serie wurde nach der Erstausstrahlung meines Wissen nach nicht wiederholt). Dabei wurde scheinbar übersehen, dass häufig karikierend dargestellt wurde, dass magisches Denken auch heute noch den Geist moderner Menschen beeinflusst. So werden in der Serie Leute gezeigt, die an Geister oder Wasseradern glauben oder ihr Leben nach ominösen Vorzeichen ausrichten. Dass es trotzdem eine Kinderserie ist, zeigt sich auch daran, dass viele Erwachsene als seltsame Trottel, aufgeblasene Wichtigtuer oder exzentrische Sonderlinge dargestellt werden und die Themen oft (zu) stark ins Skurril-Slapstickhafte abgleiten (besonders in der zweiten Staffel). Der britische Schauspieler Geoffrey Bayldon, der während der Dreharbeiten erst 45 Jahre alt war, spielt Catweazle nicht nur - er ist es höchstpersönlich und geht in der Rolle des zerlumpten, alten Magiers aus dem finsteren Mittelalter völlig auf. "Elektrik-Trick", Catweazle's Bezeichnung für Elektrogeräte, ging in den 70iger Jahren kurzfristig in den Sprachschatz mancher Deutschen ein. Ich selbst sah die Serie als Kind noch auf einem Schwarzweiß-Fernseher und konnte sie erstmals nach 35 Jahren noch einmal auf DVD sehen - diesmal sogar in Farbe und inklusive der wenigen damals verpassten Folgen. Über die DVD-Veröffentlichung habe ich mich sehr gefreut und bedanke mich recht herzlich bei den Produzenten, denn die Serie ist auf ewig mit den Erinnerungen an meine schöne Kindheit in einem kleinen Dorf im Hunsrück verbunden, in der Kinder noch so wenige Hausaufgaben und sonstige Ablenkungen hatten, dass sie - wie der Junge Carrott in dieser Serie - in Wald und Flur herumstreifen und ein unbeschwertes Leben führen durften. Sowohl die ursprünglichen ersten beiden DVD-Veröffentlichungen als auch die preiswerte restaurierte "Collector's Edition" habe ich daher aus sentimentalen Gründen gerne gekauft, obwohl es natürlich eine Kinderserie ist, die auch des öfteren tatsächlich ziemlich kindisch wird. Bayldons grandioses Schauspieltalent entschädigt aber für manches Abgleiten des Niveaus im Drehbuch. Die "Collector' Edition" hat auch tatsächlich, was die Farben angeht, eine enorme Verbesserung erfahren, so dass ich uneingeschränkt zum Kauf dieser Ausgabe statt der zwei einzelnen Staffeln der Serie raten kann. Die deutschen Untertitel sind bei mir standardmäßig beim Abspielen der DVDs aktiviert und müssen manuell abgeschaltet werden. Die einzelnen recht kurzen Folgen der Serie haben in der Mitte eine kurze Pause, um im Fernsehen Werbung einblenden zu können, und genau an diesen Stellen setzen auch die Kapitelmarken an, so dass jede Folge nur aus zwei Kapiteln besteht.
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