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Catherine Tarley

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Wann haben Sie begonnen, sich für amerikanische Geschichte zu interessieren? Gab es einen konkreten Anlass?
1976, zur 200-Jahresfeier der amerikanischen Unabhängigkeit, schrieb ich einen Essay zur Gründungsgeschichte der USA. Bei der Recherche stieß ich auf den Mythos der "Lost Colony" aus der Zeit der ersten englischen Besiedlung Amerikas: Seit 1585 unterhielten englische Auswanderer eine Kolonie auf einer Insel vor North Carolina. Als das Versorgungsschiff um Jahre verspätet aus England zurückkehrte, war die Kolonie verlassen, von den 120 Männern, Frauen und Kindern fehlte jede Spur. Die Suche nach den Siedlern blieb erfolglos, bis heute wurden keinerlei persönliche Gegenstände von ihnen gefunden. Einziger Anhaltspunkt war das in die Palisaden eingeritzte Wort "Croatoan". Dies ließ vermuten, dass die Überlebenden mit den Indianern der Croatoan-Insel fortgezogen waren. Das geheimnisvolle Schicksal der verlorenen Kolonie hatte mich tief berührt, und von dieser Stunde an war mein Interesse an der amerikanischen Gründungsgeschichte geweckt.

Wieso ausgerechnet der Unabhängigkeitskrieg?
Nun, ich denke, der Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung ist zentrales Thema der Geschichte eines jeden Landes. Bei der amerikanischen Revolution ging es aber noch um viel mehr: Als die aufständischen Kolonisten ihre individuelle Freiheit und staatliche Unabhängigkeit erklärten, brachen sie mit jedem damals anerkannten Herrschaftssystem. Sie begründeten in den Vereinigten Staaten von Amerika die erste moderne Demokratie – ein faszinierend kühnes und bislang beispielloses Vorgehen! Für die Menschen, die den Unabhängigkeitskrieg miterlebten, wurde die Welt mit ihren Werten grundlegend verändert und so mancher Lebensweg nahm einen völlig unerwarteten Verlauf.

Wie kam der nächste Schritt zustande, einen Roman zu diesem Thema zu schreiben?
Ich erzähle gerne Geschichten über die Geschichte, erschaffe eine Welt, wie sie hätte sein können. Es begann mit dem Bild einer verfallenen Palladio-Villa in South Carolina. Ich betrachte das Haus mit dem eleganten Säulenportal und fragte mich, wer dort gelebt haben könnte. Nach und nach entstand in meiner Vorstellung ein eigener Kosmos von Personen und Schicksalen, und da ich manches über die abenteuerlichen Ereignisse der amerikanischen Revolution gelesen hatte, fing ich an, eine Folge von Begebenheiten zu erschaffen, die sich in jener Zeit so hätten ereignen können. Dann war es soweit: Die Geschichte beginnt in der Nacht, mit der Ankunft eines Fremden.

Zu welchen im Roman beschriebenen Orten gibt es reale Vorbilder? Haben Sie diese Orte bereist?
Der Roman spielt überwiegend an realen Orten im historischen Charleston, South Carolina. Die Straßen und Plätze der Handlung sind echt, auch bestimmte Gebäude wie der "Exchange", "Provost Dungeon" und das "Workhouse" – die britische Steuerbehörde, der Kerker und das berüchtigte Sklavengefängnis – sind authentisch, man kann sie noch heute besichtigen. Sie haben für den Hintergrund der Geschichte ebenso Pate gestanden wie natürlich die Plantagen am Ashley River und die berühmten Gärten und Rasenterrassen von Middleton Place, das reale Vorbild des Anwesens "Hollow Park" im Roman. Um den Handlungsabläufen und den Personen meiner Geschichte näherzukommen, besuchte ich auf Reisen durch South Carolina und Georgia die Schlachtfelder des Revolutionskriegs und wohnte bisweilen in original erhaltenen Häusern ehemaliger Rebellen, deren Lebensgeschichte die heutigen Inhaber voller Begeisterung und mit jeder Menge persönlichem Kolorit erzählen. Verbringt man eine gewisse Zeit auf den alten Plantagen am Ashley und Cooper River, im Marschland zwischen trägen Gezeitenströmen und der flache Küste Carolinas, so bekommt man bald ein Gespür für die Atmosphäre des Tiefen Südens, der für die Menschen von damals Segen oder Fluch bedeutete, je nach dem.

Welches ist Ihr Lieblingsbuch/ Lieblingsfilm aus der Zeit?
Waffen für Amerika von Lion Feuchwanger ist eine kluge Geschichte über die Aufklärung, über die verführerische Macht freiheitlicher Ideen und zugleich eine Hommage an Benjamin Franklin. The Green Dragoon von Robert Duncan Bass beschreibt den Krieg gegen die amerikanischen "Rebellen" aus Sicht des umstrittenen britischen Offiziers Banastre Tarleton, während Herman Melville in Israel Potter das Schicksal eines einfachen Soldaten aus Massachusetts erzählt. In zwei Filmen wird die amerikanische Revolution meines Erachtens sehr plastisch dargestellt, in Revolution (1985) und in Der Patriot (2000).

Sie haben ein Jahr an Die Plantage geschrieben, wenn man so möchte "in Echtzeit": Sie schrieben von September bis September, und auch der Roman spielt genau im Zeitraum von einem Jahr mit September beginnend. Was war Ausgangspunkt Ihres Schreibens?
Aufgrund einer Vielzahl von Eindrücken, sei es aus historischen Büchern, Bildern oder Filmen, ist in meiner Phantasie ein Zeitgemälde entstanden, ja man könnte sagen eine Bühne, die die Basis und den Hintergrund der Geschichte bildet. Auf dieser Bühne nun ließ ich die wahrlich gemischte Gesellschaft meiner Charaktere agieren. So formten die individuellen, teils konventionellen, teils abenteuerlichen und abgründigen Lebenslinien meiner Protagonisten die verschiedenen Handlungsstränge, die sich schließlich zu der Geschichte um Die Plantage verwoben.

Und wann wussten Sie: "Jetzt ist der letzte Satz geschrieben. Das Buch ist fertig."?
Der Prolog des Romans, die Legende des Kriegers, benennt die Aufgaben, denen sich die Hauptfigur im Handlungsverlauf stellen muss. Zum Schluss hat sich die Legende erfüllt, der letzte Satz nimmt den Wortlaut des ersten Satzes wieder auf. Und damit war das Buch fertig.

Wie fühlt es sich an, sein eigenes Buch in Händen zu halten?
Es ist ein unbeschreiblich erhebendes Gefühl! Als im Dezember Die Plantage im Handel erschienen war und zu Weihnachten gar auf die Bestsellerlisten kam, machten Freunde in den Buchhandlungen Fotos von "meinen Bücherstapeln", die sie mir mit ihren Glückwünschen per SMS zuschickten – das waren wunderbare Momente!

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Die Plantage 1 10.12.2014