1870: Annabella Lagrange (Emily Mortimer) ist die Tochter eines Glashüttenbesitzers. Sie wächst behütet und in Wohlstand auf. Aber im zarten Alter von 17 Jahren erfährt sie die Wahrheit über ihre Herkunft und ist darüber so entsetzt, dass sie von zu Hause wegläuft.
Der Stallbursche ihres Vaters ein Ire, mit dem ausgesprochen spanischen Namen Manuel Mendoza (Brendan Coyle - einst Gewerkschafter Higgins aus North&South) ist ihr einziger Freund und er findet sie schließlich völlig verstört und orientierungslos. Zusammen fliehen sie und schlagen sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Annabella leidet unter der Armut, in der sie nun leben muss aber sie ist überzeugt, dass ihre Abstammung kein anderes Leben mehr für sie zulässt. Gleichzeitig aber und ganz allmählich keimt ihre Liebe zu Manuel.
Ein spannendes Auf und Ab im zwiespältigen Leben des jungen Mädchens nimmt seinen Lauf.
Nicht nur von Jane Austen und Elizabeth Gaskell...
...sind inzwischen viele wundervolle Novellen verfilmt worden. Weniger bekannt, aber deshalb keineswegs zu verachten ist auch die große Reihe von schönen und wirklich sehenswerten Cookson-Verfilmungen, die ungefähr im selben Zeitraum wie die berühmteren Austen-Gaskell-Period-Dramas gedreht wurden (nämlich zwischen 1991 und 2000).
Wer also nach neuem Period-Drama-Futter sucht, dem möchte ich diesen Film "The Glass Virgin" vom Privatsender ITV wirklich sehr ans Herz legen. Von ITV wurde auch das neue schwungvolle "Northanger Abbey" und die pfiffige "Emma" mit Kate Beckinsale produziert und "The Glass Virgin" ist ein vergleichbar gelungenes Werk.
Prächtige Kostüme, schöne Herrenhäuser, atemberaubend schöne Landschaften, Hass, Neid, Liebe, Tragik und vorzügliche Darsteller - das alles findet man hier reichlich.
Die beiden Hauptdarsteller Emily Mortimer und Brendan Coyle sind übrigens ein richtiges Traumpaar. Erstere einfach zu süß anzusehen und zu unrecht so unbekannt, denn sie spielt die zarte zerbrechliche "Glass Virgin" absolut glaubhaft und hinreißend. Und Brendan Coyle als Manuel (doppelseufz) ist einfach RIESIG. Schon als Gewerkschafter Higgins in North and South hat Coyle mein Herz erobert (beinahe genauso doll wie Mr. Thornton ;-)), aber hier in dieser verdienten Hauptrolle ist er ein ganz besonders attraktiver und faszinierender Held (ein Leckerli, sozusagen). Ladies, ich garantiere euch, ihr werdet hingerissen sein von diesem schlichten und aufrichtigen und schnuckeligen Manuel Mendoza.
Überhaupt hat mir die Liebesgeschichte in dieser Verfilmung ausgesprochen gut gefallen. Sehr sensibel und bedächtig bahnen sich hier tiefe Gefühle zwischen Annabella und Manuel an. Schon in Annabellas Kindheit wird der zarte Keim dafür gelegt und immer wieder erhält man durch sehr feinfühlige Bilder voller Romantik und Symbolik einen Ausblick auf die Zukunft der beiden.
Obwohl mir der Film besonders im Mittelteil ein wenig zu langatmig war (zu viel Herumziehen mit dem Zigeunerwagen) hat mich doch diese wundervolle Liebesgeschichte komplett für die vorübergehende Langeweile entschädigt.
Catherine Cookson:
Natürlich sollte man vorher wissen, dass Catherine Cookson weder mit Jane Austen noch mit Elizabeth Gaskell vergleichbar ist und somit auch ihre Helden und ihre Geschichten einen ganz eigenen Charakter haben.
Austens Charaktere und Geschichten sind deutlich geistreicher und sprühen geradezu vor Ironie. Ihre süffisanten Spitzen richten sich gegen menschliche Eigenheiten wie man sie in jeder Epoche und Gesellschaft antrifft. Gaskells Geschichten sind tiefer und tragischer und von einer großen Menschenliebe geprägt und immer mit einem sanften Hauch von Sozialkritik. Die Romane der 1906 geborene Catherine Cooksons sprühen nicht vor Zynismus und sind auch keineswegs geprägt vom Glauben an das Gute im Menschen. Ihre Helden und Antihelden sind oft Ausgestoßene, Säufer, Huren oder hinterhältige Bonzen, und der Storyverlauf ist manchmal geradezu erschreckend hoffnungslos und traurig (allerdings nicht bei The Glass Virgin ;-)). Cooksons Werke stecken voller Sozial- und Gesellschaftskritik - ein Teil davon ist autobiographischer Natur - denn Catherine Cookson hatte eine triste Kindheit in Armut und am Rande der Gesellschaft erlebt.
Das sollte man sich einfach bewusst machen, bevor man diese oder andere Cookson-Verfilmungen ansieht. Denn allzu oft liest man bei Filmkritiken von Period Dramas die überaus einfältige Begründung: "Der Film ist ja gar nicht wie Pride and Prejudice!" und mit damit wird eine überragende Serie dann einfach abgewertet, nur weil die Zuschauerin (oder der Zuschauer) einen neuen Aufguss von Pride & Prejudice erwartet hatte und sich stattdessen etwas Langsameres und Tieferes oder gar Traurigeres ansehen musste.
"Period-Drama" heißt nicht naturnotwendig Darcy und Jane Austen und Cookson-Verfilmung heißt übrigens nicht automatisch "Period Drama". Denn von dieser Autorin, die über 100 Bücher geschrieben hat, gibt es auch "Modernes" zu lesen und zu sehen.
DVD:
Laufzeit 148 Minuten, Dolby Digital, Audio: Englisch Mono (äh, und das hört man übrigens leider ziemlich), Untertitel Englisch, 4:3, KEINE Extras!