Endlich ist sie da: Catching tales. Seltsamer Titel, aber egal. Rein in den Player und einmal durchhören. Perfekt. Genau so habe ich mir das vorgestellt. Das Spektakuläre an Jamie Cullum ist für mich, dass er völlig unspektakulär ist. Was da rüberkommt ist straight und ehrlich, kommt ohne große Ablenkungsmanöver auf den Punkt. Stimme und Klavier, das ist das Handwerkzeug, das Cullum perfekt beherrscht. So rasend schnell, wie der Stern des jungen Musikers aufgegangen ist, können viele Hörer, die sich jetzt Cullum das erste mal antun, nicht verstehen, wieso das so simpel klingt. Klar, wer totalen Jazz erwartet, der kann nur enttäuscht sein. Und die Anhänger des reinen Swing wird der schlacksige Typ auch nicht befriedigen können. Aber es gibt ja auch noch eine Hörerschaft zwischen den Sparten. Für mich heißt das: Stell dir vor, du sitzt ein einer kleinen Bar, vielleicht mit der Frau, die du liebst, und in der Ecke steht ein Klavier. Wer sollte in diesem Moment an den Tasten sitzen und die passende Musik einspielen, um den Moment perfekt zu machen? Keine Frage: Jamie Cullum. Auf dem Nachfolger von Twentysomething ist Cullum sich selbst treu geblieben und hat sich (jedenfalls meiner Meinung nach) nicht verbogen oder einer gesteigerten Nachfrage in Richtung Populärmusik nachgegeben. Catching tales wird viele begeistern, die bisher mit dieser Art von Musik noch nicht in Berührung gekommen sind. Dabei fährt Cullum nicht auf ausgefahrenen Wegen, die irgendwo bei Sinatra beginnen und bei Retroverschnitten ala Krall oder Buble enden, sondern pendelt ein wenig zwischen den Welten. Sollte es so weitergehen, dann werden wir von Jamie Cullum noch hören. Anspieltips: Photograph, Nothing i do, my yard. Viel Spaß dabei.