Amerikas bekanntester Avantgarde-Filmemacher David Lynch passt nicht in ein Buch. Und doch möchte man mehr von dem Schöpfer solch ergreifender Filme wie Eraserhead, Elephant Man, Twin Peaks und Straight Story in seinen eigenen Worten erfahren. Man sucht den nicht verzerrten, ungetrübten Originalton.
David Lynch hasst deutende Fingerzeige. Er liebt das Geheimnis. In den Interviews zieht er sich zurück, wenn das Gespräch in die Sackgasse der Filmanalysen gerät. Aber er gibt so viel von sich, seiner Person preis, dass man glauben möchte, hier doch etwas mehr über den Stimmungsmacher erfahren zu können. Dieses mystische Verhältnis zu sich selbst ist die Ressource seiner Begabung.
Zum ersten Mal gibt Lynch nun in seinem Ende Dezember erschienen Buch, "Catching the Big Fish, Meditation, Consciousness and Creativity"(Tarcher/Penguin), einen Einblick in seine persönliche Arbeitsweise als Künstler und das Geheimnis seines kreativen Erfolgs. Die Herausgabe fällt zufällig zusammen mit der Veröffentlichung seines neuen Film, Inland Impire.
Lynch bietet dem Leser einen seltenen kurzen Einblick in seinen eigenen Kopf. Vor dem Hintergrund seiner jahrzehntelangen persönlichen Erlebnisse mit der so genannten Transzendentalen Meditation, die mittlerweile auch von vielen Stars der jüngeren Generation wie Heather Graham und Laura Dern praktiziert wird.
Eine äußerst effektive Methode, wie Lynch sie bildhaft beschreibt, die seit kurzem als Freie Transzendentale Meditation und somit als preiswerte und unabhängige Alternative der ursprünglichen Transzendentalen Tiefen Meditation, frei von der TM Organisation, Kult, dem Ballast weltanschaulicher Art und fragwürdigen politischen Ambitionen, Ideologie, Konfession von Lehrern erhältlich ist, die sich von den bisweilen skurrilen Zielen, der unseriösen Preispolitik und Methoden der Organisation distanziert haben. Lynch ist primär daran interessiert, dem Leser etwas von der ungeheuren kreativen Vitalität zu vermitteln, die er selbst in der Meditationspraxis erfahren hat. Er ist überzeugt, dass auch andere Menschen ebenso davon profitieren würden.
Er berichtet, dass ihm viele seiner Ideen, eben die dicken Fische im Titel seines Buches, während der Meditation kommen, wie eben sein neuer fantastischer drei Stunden Film Inland Empire.
Auf den ersten Blick überrascht schon das Buchformat, das eher an ein Poesie Album aus vergangenen Kindheitstagen erinnert Auf 181 Seiten beschreibt Lynch in 85 kurzen Kapiteln - einige gleichen japanischen Koans, andere bestehen nur aus ein oder zwei Sätzen - über die Erfahrung, sein Bewusstsein zu erweitern, nach innen zu tauchen und Ideen zu fangen wie Fische, um sie dann für das Fernsehen, Kino, Fotografie, Malerei oder Skulptur umzusetzen.
Dabei enthüllt er auch noch genügend Biographisches, Film Philosophie und allgemeinen Klatsch hinter den Szenen, wie die Verbindung zwischen Lost Highway und O.J. Simpson, um auch diejenigen bei Laune zu halten, die mehr an Davids Filmen als an Bewusstsein interessiert sind.
Im ersten Abschnitt seines Buches geht Lynch auf die Entwicklung seiner Ideen ein, woher sie kommen, wie er sie erfasst und welche ihn besonders berühren. Bis ins Detail geht er darauf ein, wie er seine Gedanken umsetzt und wie er mit anderen Menschen, die ihn umgeben, umgeht. Er philosophiert über das selbst und die ihn umgebende Welt. Immer wieder kommt er auf das nach innen Tauchen zurück, das seine Arbeit so tief beeinflusst hat.
Die Sprache, die er dafür ausgewählt hat, ist einfach, direkt. Der Leser gewinnt den Eindruck, als ob Lynch mit ihm wohlwollend teilen möchte, was er über die Kunst des Lebens gelernt hat
In kurzen Absätzen geht das Buch auf alle seine Hauptfilme ein, einschließlich Inland Empire und in stolzen Worten spricht Lynch über ein Treffen mit Fellini und offenbart, dass Stanley Kubrick Eraserhead als seinen Lieblingsfilm betrachtet.
Jede Seite behandelt ein anderes Thema über Kreativität und Filmproduktion. Eine Anzahl von Zitaten aus den Upanishaden finden sich außerdem im Buch.
"Catching the big fish" liefert nicht nur einen beispielslosen Einblick in Lynchs Methoden, sondern als Offenbarung für seine vielen Fans, die sich schon immer danach gesehnt haben, seine tiefe persönliche Vision besser zu verstehen. Das Buch ist gleichermaßen faszinierend für jeden, der sich mit Fragen herumschlägt wie z.B.: "Woher kommen Ideen? Wie kann ich Kreativität nähren?"
Lynch sagt:: "Der Künstler muss nicht leiden, um Leiden zu zeigen. Mithilfe der Meditation genießt du die Dinge viel mehr und Ideen fließen einfach, sodass du sie auf einer tieferen Ebene einfach einsammelst."
Als Künstler sei es im erlaubt, seine Bilder loszulassen und, um es in einem Wort zu sagen, ein wenig verrückter zu sein.
"Ideen sind wie Fische. Wenn du kleine Fische fangen willst, dann bleibst du am besten im flachen Wasser. Für größere Fische musst du tiefer tauchen.
In der Tiefe sind die Fische kraftvoller, reiner. Sie sind riesig und abstrakt und wunderschön.
Ich schaue nach einer bestimmten Art von Fischen, die für mich von Bedeutung sind, eine Sorte, die ich fürs Kino übertragen kann. Aber es gibt dort alle Arten von Fischen, solche für die Wirtschaft und für Sport. Es gibt dort Fische für alles."