Wenn man sich fallen lässt, weiß man nie genau wann man landet - wenn man dabei 'Catch without arms' hört, verliert man gleich jegliches Zeitgefühl.
Nach 'Leitmotif', dem man die Stilsuche und anfängliche Härte von Dredg deutlich anmerken konnte, bestach das Zweit-Werk 'El cielo' vor allem durch seine unglaubliche Dichte und Vielschichtigkeit. Vor allem aber fanden Dredg zu ihrem sphärig-rockigen Sound, über dem immer der glockenklare Gesang schwebt.
Dieser Sound wurde auf 'Catch without arms' konsequent weiterentwickelt. Vor allem Dredg's Stärke markante und eingängige Hooklines zu schaffen, kommt stärker denn je zum tragen. Während 'El cielo' eher als Gesamtwerk zu betrachten war, können die neuen Titel vielmehr als Einzelkunstwerke stehen, was dem Fluss des Albums aber nicht abträglich ist.
Sicher ist 'Catch without arms' sehr glatt produziert, so dass Dredg einen deutlichen Schritt in Richtung Radio-Tauglichkeit gemacht haben (was nicht immer ein Qualitätssiegel ist) und im Gegensatz zu 'El cielo' vermisst man die Experimentierfreude aber wenn man nach dem dritten Hören merkt, dass die neuen Titel irreversibel im Kopf hängen bleiben, dann haben Dredg es wieder einmal geschafft ein hervorragendes Album abzuliefern.
Fazit: 'Catch without arms' ist das mit Abstand zugänglichste Album von Dredg, dass schon nach wenigen Durchläufen die Ohrwürmer liefert, die man den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Dennoch ist das Song-Material aber vielschichtig genug, um auch nach zig-fachem hören noch anzusprechen und für Neuentdeckungen kleiner Details zu sorgen.
Wenn man 'El cielo' als 5-Sterne-Album-Referenz setzt, müsste man 'Catch without arms' eher 4-Sterne geben, weil es nicht an die Genialität und Komplexität von 'El cielo' anschließen kann, aber da es neben Dredg auch noch ein paar andere Bands gibt, die ihre Alben auf den Markt schmeißen, ist 'Catch without arms' zur Zeit auf jeden Fall eines der interessantesten und herausragendsten Alben - also deutliche 5-Sterne!