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Die hektische Mega-Progressivität vergangener Jahre ist passé, Meshuggah definieren Fortschrittlichkeit anno 2005 als geschicktes Rochieren mit fast schon monotonen Rifffolgen, explosionsartig dazwischenfahrenden Breaks und extrem groovigen Drum-Samples. Statt alle zwei Takte ein neues Akkordgerüst auszupacken, werden monolithische Riffgebirge dem Zuhörer so lange in voller Pracht vorgesetzt, bis sie eine beeindruckende hypnotische Wirkung erzielen. Wie Neurosis spielen die Schweden mit der Macht der kontrollierten Wiederholung, malträtieren ihre Achtsaiter dabei aber mit einer beeindruckenden Aggressivität, die kaum Luft zum Atmen lässt. Catch Thirtythree walzt mit der intensiven Erhabenheit von Filmen wie 2001 durchs Sounduniversum und dürfte jeden Metaller entzücken, dem Tool und King Crimson nicht hart genug sind. -- Michael Rensen
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"Catch 33" sollte also nun die logische Fortführung dessen werden, was mit "I" schon den Weg in die Ohren der geneigten Metal Zuhörer fand; ein Monstrum von einem "Song", fernab jeglicher Kategorisierung und sonstiger Otto-Normal Hörgewohnheiten. Und doch wurde in letzter Sekunde entschieden, den Bastard in 13 anwählbare Songs (ohne Übergänge) zu teilen. Wohl wissend, dass sie dieses Mal, würde man konsequent am Konzept festhalten, einfach zu viel vom Hörer verlangen. Recht haben sie, denn musikalisch dürfte mit "Catch 33", dass wohl krasseste Metal Werk des bisherigen Jahres erschienen sein.
Und das alles, obwohl "Catch 33" nur noch im groben nach dem altbekanntem Meshuggah Sound klingt. Um musikalisch nicht zu stagnieren, haben sich die Mannen um Sänger Jens Kidmann auf dem neusten Werk von jeglichen Thrash-Wurzeln entfernt und bewegen sich nunmehr irgendwo zwischen Noise-Doom, Ambient, Progressive Metal und Core, immer nahe an der kakophonischen Selbstzerstörung. Quasi eine Mischung aus Tool, King Crimson, Isis und Neurosis in ultra hart. Gerade die letzten drei Neurosis Alben scheint man öfters gehört zu haben, denn Meshuggah sind (im positiven Sinne) monotoner geworden, brechen handelsübliche Strukturen und bauen auf brutal intensive Endlosriffs. Wissen aber auch (noch) von übelsten Stakkato- und schnellen Breakabfolgen, die zwischendurch ihren Platz, in den durchweg höchst komplexen Kompositionen finden.
Dabei fängt das Album noch recht "gewöhnlich" an. "Autonomy Lost", "Imprint Of The Un-Saved" und "Disenchantment" dröhnen schon Recht gefährlich um die Ecke (gerade der Bass wurde noch nie so stark auf einem Meshuggah Album betont), machen aber letzlich nur Platz für die wirklich wahren Monster; "The Paradoxical Spiral", mit seinen merkwürdigem Hin und Her zwischen Industrial und Noise, unterlegt von völlig abstrakt stakkato Riffs. Oder "Minds Mirror", welches sich unter Sprechgesang und Donnergeräuschen, über einzelne Riffs, zu einer wahren Sound-Orgie aufbäumt, abklingt und im darauf folgenden "In Death - Is Life" gänzlich alles unter seiner Wall of Krach begräbt. Wer meint, es geht derber nicht mehr, klinkt spätestens ab dem darauf folgenden "In Death - Is Death" von der Raumstation "konventionelle Strukturen" ab. Was in diesen 13 Minuten, die der Song andauert "musikalisch" passiert, ist kaum in Worte zu fassen; Breaks am laufenden Band, Psycho Riffs, die einfach nicht von dieser Welt sein können, gefiepe, geblubber ... Mord und Totschlag. Fantastisch! "Shed" meint es dann wieder gut mit unseren Ohren, viel mehr noch... ein Groover, ein verflucht guter noch dazu. Die Ruhe vor dem Sturm? So könnte man es sehen ... Die folgenden "Personae Non Gratae" und "Dehumanization" sind komplex, brutal, nach vorne preschende Krachorgien, die keine Gefangenen machen. Wer jetz mit offenem Mund, höchst konzentriert und stellenweise überfordert dem lauscht was da kommt, wird in jedem Fall beim letzen Track, "Sum", aus dieser Situation erwachen. Denn was Kidmann da in 2 Minuten und 40 Sekunden an Schmerz, Pein und purem Hass herausbrüllt, dürfte selbst die Toten in ihren Gräbern wecken ...
Auch wenn es nun 13 frei anwählbare Songs sind, ist "Catch 33" eigentlich nur einer. Quasi ein ständig mutierendes etwas, welches oft und gern auch vorangegangene Themen nochmals aufgreift, diese in den Mixer steckt und als völlig neue Soundfragmente wieder ausspuckt. Für ungeübte Ohren kaum am Stück hörbar ist "Catch 33" aber eigentlich nur auf diese Weise wirklich verständlich. Meshuggah spielen sich über 47 Minuten konsequent in einen wahren Rausch und laden den Hörer ein, ihnen zu folgen. Wer sich darauf einlässt, erfährt was heuer EXTREM, im Musikalischen Sinne, wirklich bedeutet.
Was macht nun den Sound Twothousandfive von Meshuggah so neu, so anders, so unerwartet? Nun die Mannen sind definitiv monotoner (im positiven Sinne!) geworden, haben die Endlosriffs entdeckt, verstehen es aber immer und immer wieder aberwitzige Breakfolgen dazwischen zu pfeffern, die Bass Lastigkeit hat zugenommen, fast schon DAS dominierende Instrument auf diesem Silberling. Nicht nehmen lies sich das Quintett die so genannten Zwischenparts, so called „cyber-technische Einsprengsel", die Mal obernervig (das 6-minütige Gefiepe in „In Death - Is Death"), mal saucool (zu Anfangs von „Mind's Mirrors" mit einer frappierend an Ayeron erinnernden Cyberstimme), dann wieder eher sinnlos (der zweite, musisch dargebotene Teil von„Mind's Mirros") daherkommen. Einen - für die Band - derart eingängigen, von einer Flüsterstimme unterlegten, fast schon Tool artigen Groover wie die kommende Videoveröffentlichung namens „Shed" hätte ich aber partout nicht auf einer Meshuggah CD erwartet - Respekt!
Live zu hundert Prozent absolut nicht reproduzierbar, in seiner Gesamtheit aber - wie gewohnt - Einzigartig, Düster, Ruhig, Groovig, Brachial, Niederschmetternd, Melodisch wie zu gleichen Teilen Unmelodisch, schlicht und ergreifend Meshuggah halt!
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