Rezension
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Der IKS-Haken (Catch 22)
OT Catch 22 OA 1961 DE 1964 Form Roman Epoche (Post-)Moderne
Gut anderthalb Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem die Handlung spielt, und 13 Jahre nach Norman R Mailers Die Nackten und die Toten (1948) ist Der IKS-Haken (Catch 22) nicht nur ein (Anti-)Kriegsroman, sondern auch eine bissige Kritik der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft. Anders als Mailer verzichtet Heller auf die realistische Darstellung des Krieges. Er bedient sich vielmehr des Grotesken, um die Schrecken und den Irrsinn des Krieges aufzuzeigen. Sein Roman steht damit an der Schwelle zur Postmoderne in der amerikanischen Literatur.
Inhalt: Von Pianosa, einer fiktiven italienischen Mittelmeerinsel aus, fliegt ein amerikanisches Bombergeschwader Feindeinsätze. »Held« des Geschehens ist der Bombenschütze John Yossarian. Er wehrt sich erst verdeckt, später offen gegen die ständige Erhöhung der Kampfeinsätze, die der ruhmsüchtige Colonel Cathcart verfügt. Einzige Möglichkeit, immer neuen Kommandos zu entgehen, wäre, sich vom Truppenarzt für verrückt und damit fluguntauglich erklären zu lassen. Doch die Sache hat einen Haken, genannt »Catch 22« (»Trick 17 mit Selbstüberlistung«): Wer immer wieder Einsätze fliegt, muss verrückt sein, wäre also fluguntauglich. Sich dies vom Arzt attestieren zu lassen, wäre aber höchst vernünftig und alles andere als verrückt also muss derjenige weiterfliegen.
Der Roman stellt das Verhältnis von »normal« und »verrückt« fortwährend auf den Kopf. Yossarians Kameraden, die sich der ständigen Erhöhung der Einsätze nicht verweigern und einer nach dem anderen ums Leben kommen, halten den rebellierenden Yossarian für verrückt. Der wird, mit Zügen eines modernen Schwejk (vgl.Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk von Jaroslav R Hasek) als der einzig Normale dargestellt. Die anderen, von denen der Militärgehorsam oft selbstmörderisches Funktionieren als selbstverständliches Verhalten verlangt, erscheinen wahnsinnig. Aus der Überzeichnung der absurden Handlungen und Dialoge bezieht Der IKS-Haken (Catch 22) seine Komik. Dabei bleiben Tragik und Grausamkeit des Krieges stets präsent. Am Ende der Entwicklung steht Yossarian vor der Alternative, sich zu arrangieren oder seine Identität und Integrität zu wahren. Er entscheidet sich für Letzteres und desertiert.
Wirkung: Der 1970 unter der Regie von Mike Nichols verfilmte Roman erreichte in einer Dramatisierung des Autors 1971 auch die New Yorker Bühne. Durch den Vietnamkrieg und zahlreiche Kriegsgegnerprozesse zur Zeit der Nixon-Administration (196974) erhielten Buch, Film und Stück neue Aktualität. J. G.F.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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Über den Autor
Joseph Heller, 1923 geboren, war im Zweiten Weltkrieg Pilot der amerikanischen Luftwaffe. Später lehrte er an der Universität und arbeitete in der Werbebranche. Heller hat mehrere große Romane geschrieben, darunter Catch 22, Was geschah mit Slocum und Endzeit. Joseph Heller starb am 12. Dezember 1999.
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