Kein Buch seit "Im Westen nichts Neues" hat das Grauen des Krieges zu auf Papier zu bannen vermocht als "Catch 22". Und dennoch ist es so fundamental anders geschrieben im Vergleich zu Remarque's Klassiker aus dem Jahr 1929. Heller beschreibt das Phänomen Krieg so, wie er es entfindet: absurd, grotesk, unlinear, unlogisch, unmenschlich. Genau das ist die Herausforderung an den Leser. Er (sie) ist ständig mit komplett absurden Situationen konfrontiert, die sich schwerlich in irgendein Interpretationsschema einordnen lassen. Ein Soldat, der das eigene Camp bombadieren lässt, um seinen Handel florieren zu lassen. Protagonist Yossarian, der monatelang offiziell mit einem schon längst gefallenen Soldaten in einem Zelt lebt, ohne das die Bürokratie seine ständigen Klärungsversuche zur Kenntnis nimmt. Und natürlich der Catch 22. Als Soldat kann man sich vom Dienst befreien lassen, wenn man ünerzeugend darlegt, dass man wahnsinnig ist. Dieser Versuch ist jedoch schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt, da der Versuch sich als verrückt zu bezeichenen von der Verwaltung als höchst rationeller Akt bewertet wird (der Begriff "Catch 22" ist mittlerweile sogar im OED zu finden und wird dort als "Teufelskreis" bezeichnet). So ist Yossarian nicht vergleichbar mit Paul Bäumer, sondern vielmeht mit K. aus Kafkas "Der Prozeß".
Im Zentrum des Romans steht die Frage: Warum scheint Yossarian der einzige zu sein, der versucht gegen den Wahnsinn des Krieges anzugehen? Welches Ereignis hat dazu geführt? Schon auf den ersten Seiten offenbart der Text Hinweise auf das zentrale Schockerlebnis in Yossarians Leben. Diese Hinweise bleiben jedoch zuerst unverständlich, da sie völlig unzusammenhängend in die laufende Handlung eingefügt sind. Erst langsam ernthüllt sich das Grauen welches dazu geführt hat, Yossarians Sinn für Humanität zu bewahren. Erst auf den letzten Seiten enthüllt sich der Schrecken der hinter den Worten "I'm cold, I'm cold" verborgen liegt und welche den Leser seit mehreren hundert Seiten verfolgt haben. Bis dahin ist einem das Lachen mehrmals im Hals stecken geblieben, da man nicht weiß ob es, wegen der tragischen Thematik, überhaupt angebracht ist, sich vor Lachen im Bett zu kugeln. Eine echte Alternative bleibt allerdings nicht. Denn Heller nähert sich dem Horror auf die einzige Art und Weise, mit der man ihn ertragen kann ohne verrückt zu werden: mit Humor.