Gary Soneji - der finstere und brillante Bösewicht aus James Pattersons Erstlings-Crossroman: "Along came a Spider" ist nach langen Ankündigungen nun ENDLICH zurückgekehrt. Und da dieser alle bisherigen Psychopathen und Killer, die Alex Cross bisher bekämpfen musste, bei Weitem in den Schatten stellte, war mir sofort klar, dass dieses Buch zu einem der Besten der Serie werden würde. Doch es kam anders als ich dachte...
Zunächst mal zur Story: Soneji ist wild entschlossen, es Alex Cross ein für alle mal heimzuzahlen und dreht mehr am Rad als jemals zuvor. Ohne Rücksicht auf Verluste oder sein eigenes Leben jagt er von Ort zu Ort um eine bizarre Serie aus Amok-Läufen in Gang zu setzen, während Alex Cross sich erwartungsgemäß an seine Fersen heftet. Doch Sonejis Plan reicht weit und auch im Falle seines Todes wäre Cross' Ende vorprogrammiert. Gleichzeitig ist der ebenso brilliante Ermittler Thomas Pierce in Europa auf der Jagd nach dem absolut wahnsinnigen Killer "Mr Smith", der nicht nur für den Tod von Pierces Lebensgefährtin Isabella Calais sondern einer Menge anderer Menschen ist, die er unter grausigen Verstümmelungsmethoden lebend obduziert und zerfleddert. Die beiden Fälle kreuzen sich bald...
Diese Buch hat mich definitiv umgehauen aber auf eine andere Art und Weise als ich es erwartete. Die Jagd nach Gary Soneji ist durchaus eines der interessantesten Kapitel bisher, doch läuft Sonejis Planungsgeschick hier nicht zur Höchstform auf, wie wir es aus "Along came a Spider" kennen. Dennoch sind seine gewaltsamen Ausbrüche und sein finsterer Plan, der letztendlich zum Tod von Alex führen soll, durchaus sehr spannend und ließen meine Augen geradezu am Buch kleben.
Wesentlich spannender und faszinierender (das spannendste und faszinierendste, was ich bisher von Patterson lesen durfte) war hingegen der zweite Handlungsstrang mit der Jagd nach Mr Smith und die Figur des Smith allgemein, die Sonejis Wahnsinn bei Weitem in den Schatten stellt und so voller unvorhergesehener Wendungen ist, dass ich die letzten 150 Seiten in kontinuierlichem Durchlauf lesen musste. Einfach genial und die Auflösung ebenso beunruhigend wie außergewöhnlich.
Die Figur des Alex Cross bleibt diesmal hingegen eher blass und wird hauptsächlich von der Liebe zur neuen Flamme Christine Johnson bestimmt. Seine inneren Konflikte und seine Zweifel, ob er denn nun weiterhin als Drachentöter die Psycho-Killer jagen oder sich davon distanzieren soll, rücken mehr in den Hintergrund und wenn er nciht gerade auf der Jagd ist, verbringt er Zeit mit Christine. Überhaupt muss ich gestehen, dass mir der Liebesstrang zwischen Alex und Christine stellenweise etwas im Weg war und nach einigen spannenden Entwicklungen der Story erstmal für drei Kapitel den Wind aus den Segeln nahm. Ansonsten zeigt sich Cross jedoch wie immer: liebevoller Familienvater, guter Freund und Vorbild für alles und jeden. Viele stört es, dass Alex Cross so perfekt ist, aber solange er sich auch mal irrt und Fehler begeht, ist dies für mich eigentlich kein Problem.
Ein weitere tolle Neuerung, die Patterson diesmal einführt: Waren bisher alle Cross-Romane ausschließlich aus der Sicht von Alex Cross geschrieben und schwenkten nur bei der Betrachtung einzelner Hauptfiguren (meistens der Killer) mal in die Betrachterperspektive um, so schwenkt diesmal die Perspektive an einem bestimmten Punkt der Story um und der Leser erlebt die Geschichte nun aus den Augen des Ermittlers Thomas Pierce auf der Jagd nach dem blutrünstigen Mr Smith. Sehr gut gemacht und erst im Nachhinein zeigt sich eigentlich die ganze Tragweite dieses Wechsels.
Fazit: vermutlich der düsterste aber bei Weitem der beste Cross-Roman von Patterson mit zwei der vielschichtigsten und finstersten Killer der Geschichte, gut gezeichneten Hauptfiguren und einer verworrenen Story, bei der man niemals alles für gegeben hinnehmen kann. Oder wie Thomas Pierce es so schön ausdrückt: "Assume nothing, question everything".