Reinhard Kleist ist einer der namhaftesten Comic Zeichner Deutschlands. Seine eindrücklich bebilderte, wie auch getextete, Biographie
CASH - I see a darkness ging mir sehr ans Herz und hat einen Ehrenplatz in meiner Sammlung. Daher war ich sehr gespannt auf CASTRO und was mich da erwartet? Fidel Castro steht ja nicht gerade dafür, jemandem ans Herz wachsen zu wollen...
Die schwarz-weissen Bilder sind in schwungvollen Federstrichen gezeichnet und der Funke der Erzählung springt schnell über.
Erzähler in dieser Graphic Novel ist ein deutscher Journalist, Karl Mertens, der aus dem Interesse heraus Reportagen mit Rebellen zu führen, 1958 nach Kuba kam und dort hängen blieb. Seiner Leitlinie: "Ein Reporter hat stets neutral zu bleiben, nicht zu werten und niemals Partei zu ergreifen.", wird er sehr bald untreu. Schon bei seinem ersten abenteuerlichen Ausflug in die Berge, zu den Rebellen, lernt er die Rebellin Lara kennen... allerdings auch den charismatischen und redegewandten Fidel Castro, der die feste Überzeugung hegt, gegen Batistas Diktatur putschen zu können um das Volk aus dessen Diktatur zu befreien.
In Retrospektiven wird dann auf Fidels Werdegang Einblick genommen, als dieser zum Beispiel auf der Farm seines Vaters gegen seinen Vater rebelliert indem er für mehr Rechte für die ausgebeuteten Arbeiter eintritt. Als Schüler ist Fidel ehrgeizig und besonders wenn es um die Geschichte seines Lande geht, weiß er sehr früh schon, was er will: Befreiung aus jedweder Art von Unterjochung. Vor allem steht er für ein freies unabhängiges Kuba ein.
Mertens, unser Erzähler, erfährt mehr und mehr aus Fidels Vergangenheit - ist wohl auch tief beeindruckt von den Rebellen und verliebt sich zudem in die Revolutionärin Lara. Durch sie bekommt er einen tiefen Einblick in die Strukturen und Geschehnisse des Landes und wird zu einer Art Exklusiv-Berichterstatter von Castros Rebellen-Regime. Während Mertens zum Fidelista wird und Castro die Treue hält, bemerkt man langsam innerhalb des Führungszirkels um Castro und Guevara ("Che"), erste Zersetzungserscheinungen. Doch im Kampf gegen Batista und seine von den USA unterstützte Offensive hielt man zusammen. Und gewann!
Ein Zeitalter ohne Unterdrückung, ein Leben in Freiheit, ein Leben ohne Mangel sollte beginnen, doch unter welchen Umständen? Castro wird zum Oberbefehlshaber der revolutionären Streitkräfte, doch so sehr er sich Mühe gibt das Volk zu besänftigen, so drastischer wurden die Einschränkungen für eben dieses Volk. Und mit den Amerikanern will er auch noch abrechnen...
CASTRO ist ein sehr dichtes Werk. Man erfährt unheimlich viel. Dennoch wirkt vieles wie ein Abarbeiten der geschichtlichen Meilensteine in Castros Leben. Zudem irritiert, dann die Sache mit dem Journalisten Karl Mertens. Seine Geschichte trägt sehr wohl eine Menge zum Gesamtbild und zum Verständnis der Entwicklung im Land Kuba bei, sein Faden verliert sich jedoch gegen Ende. Und der Platz den Mertens einnimmt, den hätte ich viel lieber in Szenen gesehen, wie Kleist sie in den Epilog gepackt hat.
Man gewinnt auf jeden Fall ein distanziertes, differenziertes Bild vom "Máximo Líder".
Dieses Buch vermag übrigens auch zum Schmunzeln anzuregen: Kleist macht sich den Spaß einer Reihe von Bildern ein wahrlich klassisches comichaftes Aussehen zu geben, als nämlich die Sprache auf einige, teils sehr skurrile, Mordanschläge auf Castros Leben kommt. Und wenn Frank Sinatra in den Clubs von Havanna trällert, während rundherum die Maschinengewehre rattern. Sehr fein gemacht. ;-)
Reinhard Kleist und Volker Skierka, der als fachlicher und inhaltlicher Berater, Kleist zur Seite stand, haben eine hervorragende Biografie zustande gebracht. Fidel Castro, wie auch Ernesto "Che" Guevara und die Geschichte des Landes Kuba kann ich mir besser, kurzweiliger aufbereitet gar nicht vorstellen und dabei ist alles noch richtig unterhaltsam; zumal ich Kleists Zeichnungen unheimlich gerne mag.
Und dann noch ein Wort zu dem grandiosen Epilog. Ob er spekulativ ist oder nicht, kann ich nicht sagen, aber für mein Empfinden ist er richtig gelungen - und endet mit einem Zitat, das Castro in den Mund gelegt wird:
Wer sich der Revolution verschreibt, pflügt das Meer."
Eine dicke Empfehlung für Leute die Vorurteile gegen Comics hegen. Hier kann man sich wieder einmal eines Besseren belehren lassen.
LERNEN kann man dabei auch sehr viel, darum ist CASTRO sicher auch eine Empfehlung für Geschichtsmuffel wert.